LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Die Situation der Frau anno 1967 in „La bonne épouse“

Früher besuchten viele junge Mädchen eine Haushaltsschule, wo sie die gängigen Aufgaben in einem Haushalt lernten, wie kochen, nähen, putzen oder bügeln.

Ein weiteres Ziel dieser Schulen war es, aus den Mädchen perfekte Ehefrauen zu machen, die ihren Gatten jeden Wunsch von den Augen ablesen konnten und ihnen sozusagen untertan waren. Heute gibt es noch solche Schulen, aber immer mehr Mädchen ziehen es vor, zu studieren, anstatt 24 Stunden am Tag Hausarbeit zu leisten. Im Film „La bonne épouse“ von Martin Provost steht die Haushaltsschule von Paulette (Juliette Binoche) und Robert Van der Beck (François Berléand) im Mittelpunkt.

Treue Gattin oder emanzipierte Frau

Im Elsass betreibt Paulette 1967 eine Haushaltsschule. Ihr Mann hält sich aus allem raus, führt aber ein geheimes Leben, von dem seine Frau erst nach seinem Tod erfährt. An Paulettes Seite stehen Gilberte (Yolande Moreau), Roberts Schwester, die ein Faible für Adamo hat, und die strenge Nonne Marie-Thérèse (Noémie Lvovsky). Die Schülerin Annie Fuchs (Marie Zabukovec) - im Film werden die Mädchen lediglich mit ihrem Nachnamen angeredet - strebt nach Freiheit, während sich Albane Des-deux-ponts (Anamaria Vartolomei) in Corinne Schwartz (Pauline Briand) verliebt hat.

Yvette Ziegler (Lily Taieb) ist ein scheues Mädchen, das sich aber mit den anderen anfreunden kann. Robert stirbt einen qualvollen Tod und hinterlässt nach 24 Jahren Ehe einen hohen Schuldenberg. Um die Schule noch vor dem Ruin zu retten, suchen Paulette und Gilberte den Banker André Grunvald (Edouard Baer) auf. André war Paulettes erste große Liebe, doch sie verloren sich aus den Augen. In den beiden ist diese Liebe jedoch nie erloschen.

Mai 1968

Die erste halbe Stunde des Films ist recht lustig. Besonders Yolande Moreau sticht als in den Wolken lebende Frau hervor, die sich andauernd die Schallplatten von Adamo anhört und den Mädels das Kochen beibringt.

Mit dem Tod von Robert geht der Film in eine seichte Dramatik über, die jeglichen Rhythmus vermissen lässt und sich an der Grenze der Langweile bewegt. Das Interesse nimmt wieder etwas zu, als die Mädchen Selbstständigkeit entwickeln, als die Studentenbewegungen Anfang des Jahres 1968 beginnen, um im Mai ihre Höhepunkte zu erreichen.

Genau dann sollen die Schülerinnen von Paulette an einem Wettbewerb in Paris teilnehmen, während dem die beste Haushaltsschule in Frankreich gesucht wird. Wiederum artet der Film für die Schlusssequenz in ein neues Genre aus, das Filmmusical.

Die ungleichen Abschnitte des Geschehens erheben den Film am Ende nicht in glorreiche Gefilde, sondern belassen ihn auf einem bescheidenen Niveau, obschon man anfangs an einen der besseren Filme geglaubt hat.