LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Die Solistes Européens, Luxembourg blicken zuversichtlich nach vorne

Ein deutscher Musikjournalist zeigte sich vor kurzem in einem renommierten Musikmagazin darüber überrascht, dass ein Orchester wie die Solistes Européens, Luxembourg (SEL) von einem Appartement in Luxemburg aus gelenkt wird. In einer Wohnung im Viertel Limpertsberg befindet sich die Schaltzentrale eines Orchesters, das nicht im Schatten eines Orchestre Philharmonique du Luxembourg (OPL) steht und sich selbst nicht als Konkurrenz des einstigen RTL-Orchesters sieht, sondern als Ergänzung.

Im Büro von SEL-Präsident Eugène Prim laufen zurzeit die Vorbereitungen für die Spielzeiten 2016/17 und 2017/18. Er habe keine Angst vor der Zukunft, erklärt Prim und erinnert daran, dass die SEL mit dem Ministerium für Kultur kürzlich eine Konvention unterzeichnet haben, die über vier Jahre geht.

Treue Sponsoren

Für die Spielzeit 2015/16 steht dem Orchester ein Budget von um die 900.000 Euro zur Verfügung. Ein Drittel der Summe kommt aus der Staatskasse, ein Drittel sind eigene Einnahmen, das dritte Drittel sind Mäzenatengelder. Prim möchte nicht verheimlichen, dass der Verlust von drei dicken Sponsoren in den vergangenen Jahren geschmerzt hat. Im gleichen Atemzug versichert er, dass die SEL stets neue Mittel suchen würden. Sehr optimistisch stimmt ihn der Umstand, dass das Orchester auch weiterhin auf eine ganze Reihe kleinerer und treuer Sponsoren zählen kann.

Das SEL-Programm sieht in der kommenden Saison insgesamt sieben Auftritte des Orchesters vor, sechs in der Philharmonie und ein Gastspiel in Echternach. Hinzu kommen noch vier Konzerte der Camerata-Reihe, die eine Plattform für junge arrivierte Talente aus Luxemburg darstellt.

In den kommenden Jahren steht der Verjüngungsprozess des Orchesters an: Zahlreiche Musiker, die von Anfang an dabei sind, ziehen sich mittelfristig zurück.

Man habe schon einige gute Musiker gefunden, die für die SEL in Frage kämen, meint Prim, allerdings würden viele nicht von ihren jeweiligen Hauptorchestern frei gestellt werden, wenn ein Auftritt der SEL ansteht.

Junge Hörer

Für die kommende Saison sind alle Positionen im Orchester mindestens doppelt besetzt, die Basis der SEL bilden um die 90 Musiker. Des Weiteren verfügen die SEL ab der Saison 2015/16 über vier Konzertmeister. Chefdirigent Christoph König findet regelmäßig junge, vielversprechende Musiker in Orchestern, mit denen er auftritt, die er für die SEL anwerben kann. Alle Mitglieder müssen diszipliniert sein, weil das Orchester lediglich ein paar Mal im Jahr zusammenspielt.

Die Musiker verstünden sich untereinander gut, unterstreicht Prim und begrüßt, dass der Chefdirigent die Mitglieder der SEL an Entscheidungen teilnehmen lässt. König ist auch offen für die Ideen und Vorschläge der Musiker: Eine dieser Ideen wird Mitte Juli umgesetzt: Am 10. und 11. geben die SEL Mini-Konzerte im Modehaus Bram.

Durch solche Auftritte werden zweifelsohne auch jüngere Musikhörer auf das Orchester aufmerksam, die SEL möchten nämlich ebenfalls ihr Publikum verjüngen. Studierende der Miami University zum Beispiel können gratis in die Konzerte der SEL kommen: Ein Sponsor des Orchesters zahlt pro Saison 1.250 Konzertkarten, die die Hochschule an ihre Studierenden verteilt. Die SEL spielen mit dem Gedanken, diese Initiative auf luxemburgische Gymnasien und auf die Universität Luxemburg auszuweiten.

Musikinteressierte, die einen Kulturpass haben, zahlen einen ermäßigten Eintritt für die Konzerte der „Solistes“. „Die SEL sind nicht elitär“, betont Prim.


Alle Informationen zur neuen Spielzeit und über die SEL finden Sie unter www.sel.lu