LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Das Festival präsentiert sich diesmal in digitaler Form – und ist dennoch interaktiv

In den letzten Jahren ist die Festivallandschaft in Luxemburg um einiges karger geworden. Als wäre dies nicht schon traurig genug, findet in diesem Frühling und Sommer überhaupt kein Festival statt, Corona sei Dank! Auch das „Koll an Aktioun“ musste abgesagt werden. Am 30. und 31. Mai hätte die siebte Auflage in Martelingen über die Bühne gehen sollen. Komplett das Handtuch werfen kam für die „Kollibri asbl“ aber nicht in Frage, zu viel Zeit war bereits in die Vorbereitung investiert worden. In Partnerschaft mit dem öffentlich-rechtlichen Radiosender 100,7 wird deshalb nun am 30. Mai das „Koll an Aktioun on Air“ präsentiert – ein digitales und interaktives Festival für die ganze Familie. Mehr dazu verrät Christophe Murroccu vom Organisationsteam im Gespräch mit dem „Journal“.

Wie groß war die Enttäuschung, als feststand, dass das „Koll an Aktioun“ in diesem Jahr nicht wie geplant stattfinden kann?

Christophe Murroccu Wir haben tatsächlich lange gehofft, dass es doch noch möglich sein würde, deshalb haben wir auch bis zum Schluss an der Organisation gearbeitet. Das war Mitte März, als noch nicht klar war, wie es weitergehen würde. Es war auch der Moment, als wir gerade unser Programm und Line-up vorgestellt hatten. Kurz danach ging es dann richtig los mit der Corona-Pandemie. Während der Quarantäne-Zeit ist uns immer bewusster geworden, dass es wohl eng wird. Als dann feststand, dass solche Veranstaltungen bis Ende Juli verboten bleiben, hat das schon wehgetan. Wir hatten bereits viel Zeit in die Vorbereitung gesteckt. Die einzelnen Arbeitsgruppen waren weit fortgeschritten, was die einzelnen Bereiche wie Musik, Verpflegung und Kinderprogramm anbelangt.

Was wird denn normalerweise beim „Koll an Aktioun“ geboten?

Murroccu Das „Koll an Aktioun“ ist ein Festival, das sich von Anfang an zum Ziel gesetzt hat, ein inklusiver und intergenerationeller Treffpunkt zu sein. Die Nachhaltigkeit spielt eine wesentliche Rolle. Ein wichtiger Punkt ist ganz klar die lokale Verankerung. Das Festival findet ja üblicherweise auf dem Areal des Schiefermuseums statt. Dieses Kulturerbe und die ganze Geschichte um die Schiefergruben werden immer besonders in den Vordergrund gerückt. Wichtig ist uns außerdem die Gender-Gleichberechtigung beim musikalischen Programm. Was das „Koll“ letztlich auszeichnet, ist dieses Zusammenspiel aus den vier Eckpfeilern Musik, Kultur, Essen und Familienfreundlichkeit. Wir haben beispielsweise immer einen eigenen Stand, an dem wir Essen anbieten, teilweise mit Zutaten aus unserem Garten, den wir jedes Jahr für das Festival anlegen. Zum kulturellen Aspekt gehören Ausstellungen, um die lokalen Künstler zu fördern. Straßenkünstler, Spektakel und Workshops für Kinder gehören ebenfalls dazu. Das „Koll an Aktion“ ist wirklich ein Festival für die ganze Familie. Jedes Jahr sind mehr Besucher gekommen, bei der letzten Auflage waren es rund 3.000. Aus dem „Koll an Aktioun“ sollte aber nie ein riesiges Festival werden. Wir wollten, dass es seinen Charakter behält.

Es in diesem Jahr einfach ersatzlos zu streichen, wäre nicht in Frage gekommen?

Murroccu Nein, wir haben gleich nach Alternativen gesucht. Anfangs haben wir wohl überlegt, es auf einen späteren Zeitpunkt zu verlegen, waren uns aber schnell einig, dass dies mit einem zu hohen Arbeitsaufwand für ein Team aus Freiwilligen und letzten Endes auch mit zu viel Unsicherheit verbunden wäre. Niemand weiß, wie die Situation im September oder Oktober aussieht. Die bereits erworbenen „Early Birds Tickets“ werden natürlich erstattet. Es musste demnach eine digitale Alternative her, und zwar eine, bei der die Leute aktiv mitmachen können, wo demnach eine gewisse Interaktion möglich ist. Radio 100,7 ist ohnehin unser Partner für das Festival, deshalb lag eine Zusammenarbeit auf der Hand. Dort war man auch gleich Feuer und Flamme für die Idee. Am 30. Mai bieten wir nun ein Programm über zwei Kanäle, einerseits das Radio und anderseits ein Live-Videostream über Facebook, um eben auch audiovisuellen Inhalt zeigen zu können. Ich bin sehr dankbar, dass wir trotz allem von all unseren Partnern Zuspruch erhalten haben. Ohne sie wäre es nicht möglich gewesen, diese Alternative auf den Weg zu bringen.

Worauf darf man sich also freuen?

Murroccu Ganz klar auf Live-Konzerte. Wie genau das abläuft, beziehungsweise wo sie gespielt werden, ist noch nicht ganz klar. In diesem Kontext arbeiten wir eng mit radio 100,7 zusammen. Alles hängt von den künftigen Lockerungen ab. Wenn ein Solo-Künstler ein Konzert in einem Studio spielt, besteht ja keine Gefahr. Aber, wie gesagt, das müssen wir noch genauer klären. Wir sind auch dabei, an interaktiven Workshops für Kinder zu arbeiten. Da uns die lokale Verankerung am Herzen liegt, wird auch das Schiefermuseum und der ganze Standort virtuell eingebunden. Das Kulinarische werden wir darüber hinaus auch bei der Online-Ausgabe nicht vergessen. Wer das „Koll an Aktioun“ kennt, kennt bestimmt auch unser leckeres veganes Kebab. Das Rezept werden wir zum Teil in einem Video enthüllen. Zu viel will ich noch nicht verraten, aber das wird jetzt kein klassisches Kochvideo.

Steht das Line-up schon?

Murroccu Auch daran arbeiten wir noch. Die Zusage für einen Act haben wir bereits: Die junge Luxemburger Künstlerin ÆM wird auftreten. Es wird ansonsten natürlich kein riesiges Line-up, wie wir es sonst bieten. Das „Koll on Air“ läuft ja auch nur an einem Tag. Um 14.00 geht es am 30. Mai auf radio 100,7 los. Wie lange es dauert, wissen wir noch nicht, das hängt vom definitiven Programm ab. Auf unserer Facebook-Seite wird bereits im Vorfeld Inhalt gepostet, um die Leute in die richtige Festivalstimmung zu bringen.

Es wird also tatsächlich „Koll an Aktioun“-Feeling aufkommen?

Murroccu (lacht) Wir arbeiten zumindest hart daran. Ich denke schon, dass uns das gelingt. Wer schon mal beim „Koll an Aktioun“ war, weiß, in welche Atmosphäre man gleich bei der Ankunft eintaucht. Ich denke, dass wir diese Atmosphäre auch diesmal rüberbringen können, weil wir eben diese ganzen interaktiven Sachen von Workshops bis Cooking Sessions im Programm haben. Wahrscheinlich werden wir auch einen Online-Shop bieten, wo man unter anderem das speziell für das „Koll“ gebraute Bier kaufen kann. Jetzt hat jede Arbeitsgruppe noch zwei intensive Wochen vor sich, um das Online-Festival mit Inhalt zu füllen. An Ideen fehlt es definitiv nicht, und jeder ist mit großer Motivation bei der Sache. Nachdem die Lösung mit radio 100,7 gefunden war, hat man gleich gespürt, wie die positive Dynamik zurückkehrte. Im Allgemeinen ist es schön, zu sehen, wie groß die Dynamik in der Kulturszene in dieser Zeit ist, wie viele Leute sich Gedanken machen und kreativ sind.

Alles Weitere unter www.kollanaktioun.lu und facebook.com/kollanaktioun