LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

STATEC stellt fest: 59% der Arbeitnehmer unterliegen einem Kollektivvertrag

Im September letzten Jahres kündigte die Cargolux-Direktion den Kollektivvertrag auf, im Oktober folgte die Luxair, im Bausektor scheiterten vergangene Woche die Verhandlungen - Grund für den STATEC, sich mit der Situation der Kollektivverträge in Luxemburg näher zu befassen: 2010 waren 59% der Arbeitnehmer durch einen Kollektivvertrag abgedeckt, allerdings mit großen Unterschieden.

Kollektivverträge werden zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberorganisationen abgeschlossen und legen die Arbeitsbedingungen fest. Sie enthalten unter anderem Regelungen zu Grundgehältern, Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) sowie Arbeitszeitfragen und Kündigungsfristen - Vergünstigungen eben.

Vom öffentlichen Dienst abgesehen findet sich der höchste Grad der kollektiven Regelungen im Gesundheits- und Sozialsektor (87%), der geringste mit 12% im Hotel- und Gaststättenbereich (Horesca). Gering auch mit 13% die kollektivvertraglichen Arbeitsverhältnisse bei den spezialisierten, wissenschaftlichen und technischen Berufen mit hoher Ausbildung.

72% der „col bleu“, 51% der „col blanc“

Überhaupt: unterliegen 72% der früheren Arbeiter einem Kollektivvertrag, so sind es 51% bei den ehemaligen Angestellten - die mit den weißen Krägen. Da die Direktionskader ausgeschlossen sind, überrascht es nicht, dass nur 23% der höheren Kader abgedeckt sind. Es sind vor allem die Angestellten mit mittlerem Einkommen, die sogenannte Mittelklasse, die von einem Kollektivvertrag profitieren.

Mit 61% unterliegen etwas mehr Frauen einem Kollektivvertrag als Männer mit 57%. Portugiesische Mitbürger liegen mit 71% noch vor den Luxemburgern (68%). Zieht man die Staatsbeamten ab, bleiben allerdings mit 56% noch so viele Luxemburger mit Kollektivvertrag wie Franzosen oder Deutsche.

Und je größer ein Unternehmen ist, desto eher findet man dort eine kollektivvertragliche Regelung: sind es bei den Betrieben mit 10 bis 49 Arbeitnehmern 30%, so steigt die Zahl auf 79% bei den Großunternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern.