LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Gesundheitsministerin appelliert zur Einhaltung der Schutzmaßnahmen

Nicht durch neue Einschränkungen, sondern mit einem Appell an die Bevölkerung zugunsten einer „starken kollektiven Anstrengung“ hofft die Regierung, die Corona-Neuinfektionen unter Kontrolle zu bringen. Einen „alarmierenden“ Anstieg nannte Gesundheitsministerin Paulette Lenert (LSAP) die 805 Neuinfektionen der  vergangenen Woche, ein Anstieg um 47 Prozent gegenüber der Vorwoche.

Mit 220 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner über zwei Wochen liege Luxemburg im internationalen Vergleich in einem Bereich von Ländern, die inzwischen drastischere Maßnahmen ergriffen hätten, um der Ausbreitung des Virus Einhalt zu gebieten. Dass Blau-Grün-Rot dafür vorerst keinen Bedarf sieht, führt Lenert auf eine Palette an Indikatoren zurück, die berücksichtigt würden. Die Lage in den Krankenhäusern ist demnach noch unter Kontrolle. Die Spitäler des Landes funktionieren inzwischen in Phase 2. Erst in einer dritten Phase käme es zu Einschränkungen der regulären  Gesundheitsversorgung von Nicht-Covid-Patienten. In den Praxen der Allgemeinmediziner herrsche zwar mehr Aktivität als sonst zu dieser Jahreszeit üblich ist, doch gebe es kein verstärktes Auftreten von Covid-19-Verdachtsfällen.

Hinzu kommt, dass sich etwa 40 Prozent der von der Tracing-Zelle kontaktierten Personen bereits in Quarantäne befand und mögliche Infektionsketten dadurch bereits unterbrochen wurden. Der Altersdurchschnitt der Neuinfizierten liegt bei etwa 36. Allerdings „sieht man in den letzten beiden Tagen eine Zunahme von älteren Personen“, so Lenert.

Kritischer sieht es derzeit hingegen in der Kontaktnachverfolgung aus. Inzwischen hat sich das Gesundheitsministerium Verstärkung bei der Armee geholt, um die Hunderten Telefonate täglich zu stemmen. Lenert warnte davor, dass das Tracing auf diesem Niveau „nicht über Wochen und Monate gehalten“ werden könne.  „Es ist extrem wichtig, diese Kurve wieder in eine andere Richtung zu kriegen“, so die LSAP-Ministerin und wiederholte die zentralen Empfehlungen der „Santé“: bei Symptomen den Arzt konsultieren, besonders jetzt auf die Handhygiene achten, Kontakte reduzieren und Abstand halten beziehungsweise eine Maske tragen. Lenert rät auch dazu, ein Kontakttagebuch zu führen. Dies könne gegebenenfalls das Tracing erheblich vereinfachen.

In seiner Sitzung gestern hat der Ministerrat eine großherzogliche Verordnung auf den Weg gebracht, um Corona-Schnelltests in Umlauf bringen zu können. Sie sollen vor allem Ärzten und Gesundheitsberuflern zur Verfügung gestellt werden, um symptomatische Patienten testen zu können. Auch das neu geschaffene Werkzeug der mobilen Teststation soll verstärkt zum Einsatz kommen.
Am Rande der Pressekonferenz informierte Lenert die Presse darüber, dass sich die Behörden auf die mögliche Verfügbarkeit eines Impfstoffs im Dezember vorbereiten. Zu Details wollte sich die Ministerin gestern allerdings noch nicht äußern.

Bislang zwei Infektionsketten in Schulen

Das Bildungsministerium informierte gestern zum Stand der Dinge in den Schulen. Seit der „Rentrée“ Mitte September gab es demzufolge bislang zwei Infektionsketten (Szenario 3), die insgesamt vier Schüler und vier Lehrer betreffen. In der Woche vom 2. bis 9. Oktober gab es keine Fälle von Infektionen, die innerhalb von Schulen stattfanden. Deutlich mehr Fälle gab es hingegen im Szenario 2, in denen mindestens zwei positive Fälle in einer Klasse ermittelt wurden, Infektionsursprung wahrscheinlich außerhalb der Klasse). Seit dem 15. September waren das 75 Schüler (inkl. Privatschulen) und zehn Lehrer. Das Szenario 1 mit einzelnen Covid-Fällen betraf in den letzten vier Wochen insgesamt 41 Schüler und 13 Lehrer.