LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Tod“ von Woody Allen in einer unterhaltsamen Inszenierung von Jacques Schiltz

Heftiges Hämmern gegen die Tür. „Aufmachen! Hallo! Los, wir wissen doch, dass Sie da sind!“, hallt es durch die dunkle Gasse, die lediglich durch das schwache Licht einer Straßenlaterne spärlich beleuchtet wird. Mitten in der Nacht wird Kleinman unsanft von zwei sonnenbebrillten Gestalten im Trenchcoat aus dem Schlaf gerissen. Er, der ahnungslose Verkäufer, der kleine Mann von nebenan, soll dabei helfen, einen wahnsinnigen Serienmörder zu jagen. Eine Bürgerwehr hat sich gegründet, um die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Der Ton ist rau, die Stimmung aggressiv, Widerspruch wird nicht geduldet. Die Szenen, die sich in Kleinmans Wohnung abspielen, verfolgt der Zuschauer in Schwarz-Weiß auf der großformatigen Leinwand, die im rechten Bereich der zweigeteilten Bühne aufgespannt ist. Überhaupt wurden die Möglichkeiten, die das Kasemattentheater von der Infrastruktur her bietet, für dieses Stück - eine Koproduktion zwischen „Independant Little Lies“, Theater Esch und Kasemattentheater - ausgeschöpft, wie selten zuvor.

Grenzen eines reinen Bühnenstücks werden gesprengt

Die Aktion, die hinter den Kulissen spielt, wird demnach in Bild und Ton scheinbar live übertragen, was definitiv ein guter Einfall der Regie (Jacques Schiltz; für die Dramaturgie zeichnet Claire Wagener verantwortlich) ist, werden dadurch doch die Grenzen eines reinen Bühnenstücks gesprengt. Der Zuschauer wird noch dazu sofort ins Geschehen gezogen. Die Paranoia der Gesellschaft wird spürbar. Klar ist, dass kurzer Prozess gemacht werden soll. Es gibt keine langen Erklärungen, die Figuren entwickeln ihre Charaktere nicht langsam, der Auftakt ist ebenso tempogeladen wie der ganze Rest. Die Dialoge ähneln einem Schlagabtausch in diesem Einakter von Woody Allen. „Tod“ heißt das Stück. Langeweile kommt nicht auf.

Jederzeit könnte der Mörder erneut zuschlagen. Und jeder könnte sein nächstes Opfer sein. Deshalb ist auch der kleine Mann von nebenan gefragt. Es gibt einen Plan. Genaue Anweisungen zu seiner Rolle in der Bürgerwehr soll der eingeschüchterte Kleinman noch erhalten, doch wie sich bald herausstellt, kennt niemand den Gesamtplan, sondern nur einen Bruchteil davon, was aber wiederum Teil des Plans ist. „Das ist eine Vorsichtsmaßnahme, damit der Wahnsinnige nicht dahinterkommt“, wird in einer schreiend komischen Szene erklärt. Es ist nicht die einzige Passage, bei der an diesem Abend lautstark gelacht wird. Als sich Rosalie Maes als Prostituierte lasziv am Laternenpfahl rekelt und tänzelnd über die Ewigkeit im Weltall schwadroniert, sind die Lachmuskeln ebenfalls gefordert. Das Ganze spielt im ständigen Halbdunkel mit zwischendurch reichlich künstlichem Nebel sowie Zigarettenrauch und erinnert an das Genre des „Film noir“. Aktuell ist der Stoff allemal, denn auch heutzutage wird oftmals vorschnell geurteilt.

Fliegende Rollenwechsel

Zunehmend zerfällt die Bürgerwehr in Splittergruppen und bekämpft sich schließlich gegenseitig. Es kommt zu fliegenden Rollenwechseln (die Vorlage sieht eigentlich 20 Protagonisten vor), die gelegentlich etwas verwirren und zwischendurch für klamaukartigen Tumult auf der Bühne sorgen. Dennoch greift die Situationskomik, nicht zuletzt auch wegen der Form der Inszenierung, die sich permanent zwischen Theaterstück und Film bewegt. In erster Linie ist es aber dieser subtile Humor, den man von Woody Allen gewohnt ist, der „Tod“ ausmacht. Wenngleich man den Tiefgang in der Komik vielleicht etwas vermisst, fühlt man sich doch durchgehend unterhalten, was letztlich am überzeugenden und gekonnten Spiel der fünf Darsteller Marc Baum, Nickel Bösenberg, Rosalie Maes, Elsa Rauchs und Max Thommes liegt. Nur der Schluss ist irgendwie etwas flach.

Weitere Vorstellungen am 23.03., 24.03., 27.03., 29.03. und 30.03. jeweils um 20.00 im Kasemattentheater, sowie am 15.05. um 20.00 im „Théâtre municipal d’Esch-sur-Alzette“ - Reservierungen unter Tel. 291 281 (Anrufbeantworter) oder E-Mail: ticket@kasemattentheater.lu