LUXEMBURG
DANIEL OLY

Korrekter Umgang nach neuem „Netiquette“-Maßstab des Presserates

Nicht nur in Wahljahren ziemt es sich, immer über der Gürtellinie zu bleiben - off- wie online. Der Presserat hat deshalb gemeinsam mit dem „Service National de la Jeuness“ (SNJ) und seiner Initiative BEE SECURE einen „Netiquette“-Kodex ausgearbeitet, der Medien-Plattformen bei der Moderation - besonders der Kommentarspalten auf sozialen Netzwerken oder in eigenen Foren - unter die Arme greifen will. Dabei bietet der „Netiquette“-Kodex eine klare Richtlinie und Hinweise, wie ein gesunder, gemeinsamer Austausch angeregt und der gegenseitige Respekt gewahrt werden kann. „Damit haben alle Medien endlich eine gemeinsame Basis für Verhaltensregeln auf ihren Plattformen“, erklärte Präsident Paul Peckels am gestrigen Montag bei der Vorstellung des „Netiquette“-Programms im Pressehaus.

Enge Zusammenarbeit mit BEE SECURE

Mit den ab sofort verfügbaren „Netiquette“-Richtlinien gehe eine Phase der Zusammenarbeit mit dem SNJ, dem „KannerJugendTelefon“ (KJT) und BEE SECURE zu Ende, wie Peckels weiter ausführte. „Ein solches Instrument zur klaren Regelsetzung war schon länger ein Anliegen der Medien“, sagte Peckels. „Entsprechend zufrieden sind wir darüber, dass wir eine gute Lösung ausarbeiten konnten.“

Besonders im Blick auf den mit dem neuen Gesetz für Onlinemedien parallel geforderten „côde de conduite“ sei es ein positiver Schritt: „Hier haben viele im Netz aktiven Medien auf eigene Lösungen gesetzt, die durchaus unterschiedlich ausfallen konnten“, sagt Peckels. Damit werde Luxemburg auch das erste Land in Europa, das sich einen gemeinsamen Verhaltens-Kodex setze. Zum „Netiquette“-Kodex gehören klassische Hauptpunkte der BEE SECURE-Initiative: „Think before you post“ und ein gegenseitig respektvoller Umgang sind zentrale Punkte. Den Nutzern müsse bewusst werden, dass das Netz kein rechtsfreier Raum sei. Entsprechend sei es wichtig, die gesetzlichen Richtlinien auch korrekt anzuwenden. Barbara Gorges-Wagner vom KJT erklärte: „Oft wissen Nutzer online überhaupt nicht, dass sie Inhalte nicht nur bei den entsprechenden Plattformen wie ,Facebook‘ melden können.“ Dennoch seien allein bis September 2017 schon knapp 90 Meldungen eingegangen - strafrechtlich relevant sind dabei rund 50 Prozent der Kommentare.

Durch Dienste wie der vom KJT betriebenen BEE SECURE „Stopline“ können Nutzer zudem fragwürdige Inhalte prüfen und gegebenenfalls löschen lassen. „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und auch nicht fern von Konsequenzen“, mahnte Gorges-Wagner an. Das sei nur oftmals immer noch nicht jedem bewusst. Generell sei es deshalb auch weiterhin eine Frage der Medienkompetenz; der Kodex biete jetzt die Möglichkeit, klar festzulegen, ob Kommentare und Inhalte in Ordnung sind oder nicht. „Als didaktisches Dokument soll es zur Sachlichkeit im gegenseitigen Umgang aufrufen“, meinte Peckels abschließend.


Der Kodex ist für alle Interessierte in luxemburgischer, deutscher, französischer und (bald) englischer Sprache nachlesbar und als Dokument herunterladbar. Eine portugiesische Version wird ebenfalls nachgereicht:
www.netiquette.lu