LUXEMBURG
PATRICK WELTER

N3 neu: Lieber unterirdisch als durch den Paragrafendschungel

Unbezahlbar? Unbezahlbar war gestern. Noch im Oktober 2019 schrieben wir an dieser Stelle, dass eine Tunnelvariante für die Ortsumfahrung Alzingen aus Sicht des Transport- und Bauministeriums  „wohl unbezahlbar“ sei.

Ende September, Anfang Oktober 2020 liest sich das schon ganz anders, denn offenbar ist es einfacher, mit viel Geld einen Tunnel unter einem europäischen Natura 2000 Schutzgebiet hindurchzuführen – wohlgemerkt in einer Flusssenke – als ein Genehmigungsverfahren bei den Europäischen Behörden durchzufechten, das den Bau einer Straße durch dieses Gebiet möglich macht. Diese Information verdanken wir einer sehr umfangreichen parlamentarischen Frage des CSV-Abgeordneten und Hesperinger Bürgermeisters Marc Lies an Transport- und Bauminister François Bausch (déi Gréng). Wobei die Sache mit der Tunnelvariante eigentlich die Schlussbemerkung der langen ministeriellen Antwort auf die zahlreichen Fragen von Lies darstellte.

Der Fragenkatalog von Lies hat zwei Aufhänger: Den Ausbau der N3 neu von der Pont Buchler (am Hauptbahnhof) bis zur Ortsumfahrung Alzingen und den projektierten Bau mindestens eines Lyzeums auf dem Midfield – der Brache zwischen dem Endstück der Autobahn A3 und der Bahnstrecke nach Bettemburg.

So wenig Beeinträchtigungen wie möglich

Zunächst sorgte sich Lies um die Zugänglichkeit der Geschäfte und Arbeitsplätze in Howald, Bonneweg und Gasperich, inklusive Ban de Gasperich, während des Ausbaus der N3 neu, die auch mit dem Weiterbau der Trambahnstrecke einhergeht. Minister Bausch sicherte zu, dass es beim Bauabschnitt eins bis zur rue des Scillas zu keinen wesentlichen Beeinträchtigungen kommt. Mit Ausnahme einer „zeitweisen“ Sperrung der Kreuzung Rangwee, Tunnel Rangwee und rue des Scillas. Dies stimme man aber mit den Gemeinden (soll heißen Luxemburg und Hesperingen) ab. Auch die Zugänglichkeit zum Gelände des Tennisclub Howald sei gesichert. In der ersten Zeit des Ausbaus blieben auch dessen Parkplätze erhalten, später werde man für Ersatzparkplätze sorgen, versicherte Bausch.

Natürlich komme es bei den Arbeiten zu Lärm und Staubbelästigungen, man wolle diese aber so gering wie möglich halten. Zum einen durch den Verweis auf die geltenden Grenzwerte, zum anderen durch den Bau eines Palisadenzauns als Lärmschutz. Außerdem werde man darauf achten, dass der dort verlaufende Drosbach durch die Arbeiten nicht verschmutzt oder belastet wird.

Der Ausbau des zentralen Teils der neuen N3 kann aber erst nach dem Erwerb aller notwendigen Grundstücke durch den Staat erfolgen.

Erst Straßen, dann Lyzeum?

In Bezug auf den geplanten Umzug des „Lycée Technique du Centre“ aufs Midfield hatte Lies gefragt, ob man nicht zuerst einmal alle großen Infrastrukturprojekte, die den Verkehr betreffen – Trambahn bis Straßenausbau -  abschließen wolle, bevor man dieses Vorhaben angehe. Bausch teilte mit, dass ein Planungskomitee unter Beteiligung aller Akteure die Bebauung des Midfield ausarbeitet. Dies umfasse auch ein globales Konzept für die Integration der Verkehrsprojekte. Das Lyzeum werde erst dann errichtet, wenn der Knotenpunkt „Howald“ (Tram, Bus, Bahn)  und eine Fahrradbrücke über die A3 fertiggestellt sind. Für das Lyzeum rechnet der Minister mit einer Planungs- und Bauzeit von sieben Jahren.

Umfahrung Alzingen – die große Lösung?

Lies hatte mehr oder minder direkt gefragt, ob es in diesem Jahr noch eine Entscheidung der Regierung über die Trassenführung und die Art einer Ortsumgehung Alzingen durch das Alzettetal geben wird.
Laut Minister Bausch sind die notwendigen Umweltuntersuchungen vorgenommen und die jeweils notwendigen Eingriffe in die Natur aufgelistet worden. Seit 2019 beschäftige sich das Ministerium aber auch mit einer Tunnelvariante, die nicht mit den Schutzzielen eines Natura 2000 Gebietes, wie den Alzette-Auen, kollidiert.

Durch einen Tunnel könne man – wie schon eingangs erwähnt - eine aufwändige Anfrage bei der EU-Kommission vermeiden. Diese lasse Eingriffe gegenüber einer Natura 2000 Zone nur zu, wenn absolut keine andere Trassenführung möglich ist. Eine Tunnelvariante würde das Genehmigungsverfahren daher erheblich vereinfachen.

Aufgrund der bisherigen Erkenntnisse könne der Regierungsrat (bald) eine Entscheidung über den Trassenverlauf fällen, die Straßenbauverwaltung sei dabei, ein entsprechendes Dossier zusammenzustellen.