LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Handlungsbedarf auf vielen Ebenen: Die „Theater Federatioun“ hat ihre Forderungen vorgelegt

Administrativer Aufwand, rechtliche Grauzonen und zu hohe Mehrwertsteuer waren die wichtigsten Stichwörter, die gestern während einer Pressekonferenz der „Theater Federatioun“ fielen. 1996 als „Fédération luxembourgeoise des Théâtres professionnels“ gegründet, haben sich die Missionen mit nunmehr 22 Mitgliedern - Theater, Kulturhäuser, Kompanien und Künstlervereinigungen - deutlich verändert. „Mittlerweile repräsentieren wir tatsächlich den gesamten Sektor der darstellenden Künste. Wir sind ein legitimes Sprachrohr“, sagte Präsidentin Carole Lorang. Etwas mehr als eine Woche vor den „Assises Culturelles“ und weniger als vier Monate vor den Wahlen hat der Dachverband seinen Forderungskatalog vorgelegt. Es besteht Handlungsbedarf. Die Politik dürfte sich der Probleme indes bewusst sein.

Nicht alles kann ehrenamtlich funktionieren

Einer der größten Stolpersteine, der inzwischen zu einer regelrechten Hürde geworden ist, bleibt der administrative Aufwand, der in den kleinen Theatern (Centaure, Kasemattentheater und TOL) sowie Kompanien entweder an den künstlerischen Leitern hängenbleibt oder aber von ehrenamtlich engagierten Personen erledigt wird. Die Lösung könne dies auf Dauer nicht sein, meinte Nicolas Steil, Vizepräsident der „Theater Federatioun“ und Präsident des TOL. „Diese Belastung wird immer größer. Hinzukommt der Aspekt der Weiterverbreitung. Produktionen sollen zirkulieren, sollen auf Tournee gehen. Das alles muss organisiert werden“, listete er auf. Dringend müsse deshalb in jedem der drei Theaterhäuser ein administrativer Posten geschaffen werden. Geld steht dafür aber keines zur Verfügung.

Myriam Muller weiß als künstlerische Leiterin des „Théâtre du Centaure“, Schauspielerin und Regisseurin zugleich nur zu gut, wie schwierig es ist, auch noch die administrative Ebene zu managen. „Unter der Form des Benevolats ist das Ganze einfach nicht mehr möglich“, stellte auch sie klar. In den letzten fünf bis zehn Jahren habe sich das Künstlermilieu deutlich entwickelt. „Wenn wir dieses Weg weiterverfolgen möchten, also mehr Wert auf Produktion und Verbreitung durch Tourneen legen wollen, geht das nicht ohne die nötige Logistik. Wenn wir uns weiter professionalisieren wollen, muss auch der Verwaltungsbereich funktionieren“, erklärte sie. Es gehe überhaupt nicht um hohe Geldsummen, fügte Steil hinzu. „Was wir erwarten, ist die Schaffung eines administrativen Postens. Das ist intelligent investiertes Geld. Den Bereich der darstellenden Künste in Luxemburg professionalisieren zu wollen, ist nur mit Ehrenamtlichen nicht möglich“, betonte er.

Eine weitere Forderung ist derweil die Senkung der Mehrwertsteuer. „Auf künstlerische Leistungen wird eine Mehrwertsteuer von 17 Prozent erhoben, die der ,intermittent de spectacle‘ und die kleinen Strukturen also an den Staat zurückzahlen“, erklärte Peggy Wurth, Präsidentin der „Association luxembourgeoise des Professionnels du Spectacle Vivant“ (ASPRO). Im Ausland sei dieser Anteil deutlich geringer, in Frankreich sind es gerade mal 2,1 Prozent.

Künstlerstatut muss überarbeitet werden

Über den „statut de l’artiste professionnel indépendant et de l’intermittent du spectacle“ müsse ebenfalls dringend diskutiert werden. Er müsse analysiert und überarbeitet werden. „So wie der Stand der Dinge momentan ist, müsste man schon ein Experte in Steuerfragen, Buchführung und Sozialversicherung sein, um das ganze System überhaupt zu begreifen und als Theaterschaffender in Luxemburg zu überleben. Derzeit ist die Grauzone, was die Rechte in diesem Kontext anbelangt, einfach zu groß“, brachte es die Präsidentin der ASPRO auf den Punkt. Die Schaffung einer Anlaufstelle, wo man sich über seine Rechte informieren könne, würde Sinn machen. Die Notwendigkeit einer Überarbeitung des Statuts sei indes bereits von der Politik erkannt worden, informierte Steil.

Gezieltere Begleitung

Ein weiteres Anliegen der „Theater Federatioun“ bezieht sich auf die Kreation, dies im Sinne der Stärkung des Sektors und insbesondere der Künstler. Vor allem junge Künstler gelte es gezielter zu unterstützen, sagte Bernard Baumgarten, künstlerischer Leiter des „Trois C-L“. „Die aktuellen Maßnahmen im Bereich der ,Aide à la création‘ reichen nicht, um das Aufblühen der jungen Szene und ihre Professionalisierung zu garantieren. Ein Begleitprogramm muss auf die Beine gestellt und ein Fonds geschaffen werden, um eine qualitative Begleitung dieser Akteure zu ermöglichen“, so Baumgarten. Künstlerresidenzen seien in diesem Kontext von großer Bedeutung, allerdings fehle es in Luxemburg an ausreichenden Möglichkeiten, weshalb eine finanzielle Unterstützung nötig wäre, um das Angebot zu erweitern. Auch in Sachen „Aide à la création pluriannuelle“ müsse sich etwas tun. „Kreation nimmt Zeit in Anspruch, und während dieser Zeit müssen die Künstler auch leben können“, bemerkte er.

Juristische Beratungsstelle nötig

Die Schaffung eines „Médiateur culturel“ ist derweil keine neue Forderung. Noch dringender wird allerdings ein juristischer Berater benötigt. „Auf administrativer Ebene haben wir inzwischen fast täglich mit extrem komplexen Fragen zu kämpfen, auf die wir keine Antworten haben, sei es, wenn es um die Autorenrechte oder Budgets geht oder aber wenn wir mit ausländischen Kompanien arbeiten. Je nach Land ändern die mit dem Künstlerstatut verbundenen Rechte. Ein Juristenbüro, das die Häuser in diesen Belangen begleitet und die nötigen Antworten gibt, wäre mehr als sinnvoll. Es reicht nicht mehr, nur ein Budget zur Verfügung zu stellen, wir brauchen einen konkreten Rahmen“, so Lorang.

In einem Punkt waren sich gestern ebenfalls alle Redner einig: Man wünscht sich eine klare Position der politischen Entscheidungsträger. „Wir haben unsere Arbeit gemacht, bieten inzwischen eine hohe künstlerische Qualität und können definitiv mit dem Ausland mithalten. Der Ball liegt jetzt ganz klar bei der Politik“, meinte Tom Leick-Burns, Direktor der hauptstädtischen Theater. „Letztlich geht es um die Frage, ob ein richtiges kulturelles Leben gewünscht ist oder nicht, und wenn ja, dann muss die Regierung auch den Mut haben, eine richtige Kulturpolitik zu betreiben und Engagement zu zeigen“, fügte Steil hinzu.

Warten auf den Ausgang der „Assises Culturelles“

Jo Kox, der Koordinator der „Assises Culturelles“, kenne die Bedürfnisse und Problematiken indes, hieß es auf Nachfrage hin. Dass man nicht den Ausgang der Zusammenkunft in einer Woche abgewartet habe, hätte nichts mit einem mangelnden Vertrauen zu tun. „Seit 2017 sind wir damit beschäftigt, herauszufinden, wo Nachholbedarf besteht. Jetzt war ein guter Zeitpunkt, das Wort zu ergreifen und nicht nur Forderungen vorzubringen, sondern auch Vorschläge“, antworte Lorang.

Natürlich kam während der Pressekonferenz auch die Frage auf, was die Schaffung der geforderten administrativen Posten denn kosten würde. „Immer wenn wir über Kultur reden, geht es ums Geld. Das sollte aber nicht so sein, es wäre die falsche Botschaft. In erster Linie geht es darum, ein künstlerisches Projekt zu haben, eine Kulturpolitik, eine Künstlerszene, eine Vision. Wenn wir uns eine aktive Szene wünschen, die kreativ ist, wenn wir die nationale Kreation unterstützen wollen, dann müssen wir ein Konzept ausarbeiten. Das ist das Wichtigste. Dass dieses Konzept dann auch einen Preis hat, ist die Konsequenz“, stellte die Präsidentin der „Theater Federatioun“ schließlich klar.