SAARBRÜCKEN
CHRISTIAN SPIELMANN

„Paradise of Pain“ kehrt nach Saarbrücken zurück

Der in Saarbrücken geborene Musiker und Komponist Frank Nimsgern landete mit seinem zweiten Musical „Paradise of Pain“ einen Riesenerfolg im Saarländischen Staatstheater in seiner Heimatstadt. Das Lied „Break the Silence“ wurde deutschlandweit ein Hit. In Saarbrücken wurden ebenfalls seine Musicals „SnoWhite“, „Arena“, „Poe“ und „Phantasma“ uraufgeführt. Vor einigen Tagen war die Premiere einer überarbeiteten Fassung seines Werkes „Paradise of Pain“. Regie führt Sebastian Welker, der versucht hat, dem Musical neue Impulse zu verleihen.

Eine Verwechslung

Am Anfang der Show liegen zwei Verletzte, Johannes Taucher (Patrick Stanke) und Jonathan Diver (Sasha Di Capri), auf zwei Operationstischen. Die Ärzte kämpfen um ihre Leben, für beide kommt jedoch alle Hilfe zu spät. Johannes, ein Beamter, landet in der von Mephista (Anke Fiedler) regierten Hölle, während Jonathan, ein unseriöser Kerl, sich in himmlischen Gefilden wiederfindet, in denen Angelina (Sandy Mölling) das Sagen hat. Johannes, der sich keines Fehlers bewusst ist, glaubt, irrtümlich in der Hölle gelandet zu sein. Als der pedantische Kerl herausfindet, dass es ein Regelwerk für das Reich des Teufels gibt, beginnt er strikt nach dessen Paragraphen zu agieren, zur Freude der anderen Bewohner und zum Leid von Mephista, die sich in ihn verliebt hat. Mephista wird schließlich zur Hausfrau degradiert und dient Johannes. Oben verknallt sich Angelina ebenfalls in den Neuankömmling, dem sie eine Schnapsbrennerei gewährt, was das Leben im Himmelreich bedeutend lustiger macht. Jonathan beginnt seine irdische Existenz Revue passieren zu lassen. Er nimmt an seinem eigenen Begräbnis teil und wird Zeuge eines Streits zwischen Johannes und Mephista. Zum Schluss bekommt er die Erklärung für seinen Tod: Seine Frau hat ihn wegen seiner Fehltritte erschossen.

Nur das Gerüst der Geschichte blieb

Als Vermittler zwischen den beiden Welten dient Jesus (Eric Minsk), der sich mal als Frau oder mal als Mann, alias Klobürste, im Himmel oder in der Hölle herumtreibt. In der Originalfassung hat Klobürste einen Computer gehackt, so dass es zur Verwechslung kam. In der neuen Fassung hat man es nicht mit einem Irrtum zu tun, sondern damit, dass Jonathan sein Leben als untreuer Mann, der das Nachtleben mehr liebte als seine Frau, analysiert. Jonathan und Johannes sind ein und derselbe Mann, genau wie Mephista, Angelina und Jonathans Frau nur eine Frau sind. Also ein Paar, in dem sowohl das Böse wie das Gute wohnt, wie zum Beispiel in dem legendären Dr. Jekyll.

Diese Geschichte hat nur einen Haken: Um dies herauszufinden, bedurfte es eines Gesprächs mit dem Regisseur. Auf der Bühne deutet nichts direkt auf eine solche Auslegung hin. Erst wenn man diese grundlegende Veränderung gegenüber dem Original kennt, kann man die symbolischen Elemente deuten, wie dass Mephista und Angelina, die sich vor einem Spiegel gegenübersitzen, sich spiegelverkehrt betrachten, aber es ist nur eine Frau mit zwei Seiten. Als pedantischer Paragraphenreiter ist Johannes das Gegenteil von Jonathan. Jedoch hat er sich mit dieser Manie Mephista hörig gemacht. Und natürlich sind die Namen der beiden identisch.

Schauspielerisch und gesanglich ist die Besetzung erstklassig. Mit Patrick Stanke steht einer der besten deutschen Musicalsänger auf der Bühne. Anke Fiedler hat sich ebenfalls in die Elite der deutschen Musicalsängerinnen vorgesungen. Sie war ein „No Angels“-Mitglied, nun ist Sandy Mölling ein Engel mit einer tollen Stimme. Sasha Di Capri und Eric Minsk spielen und singen fehlerfrei. Auch die Musik klingt immer noch gut, auch wenn der Hitsong in der Urfassung viel gefühlvoller klang, als in der neuen rockigeren Version. Mit diesen Neuerungen im Kopf könnte man etwas mehr von der komplizierten 2.0-Fassung von „Paradise of Pain“ haben, als das Premierenpublikum, dem eher Ratlosigkeit im Gesicht geschrieben stand.


Weitere Informationen und Tickets findet man unter www.theater-saarbruecken.de