LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Pfingstdienstag: Kein schulfreier Tag - Regierung will ab nächstem Jahr jedoch an allen Schulen einen Tag des kulturellen Erbes einführen

Da die Pfingstferien im nächsten Jahr ausnahmsweise eine Woche vor dem eigentlichen Pfingstfest stattfinden, und der Pfingstdienstag somit nicht automatisch ein schulfreier Tag ist, gab es in den letzten Wochen und Monaten eine gewisse Aufregung im Zusammenhang mit der Echternacher Springprozession, müssen sich die Schüler, die an dieser teilnehmen wollen, doch vom Unterricht befreien lassen, was der Erzbischof in seiner Predigt bei der diesjährigen Springprozession öffentlichkeitswirksam als „Sauerei“ bezeichnet hatte, obwohl die Echternacher Schüler an diesem Tag automatisch frei haben.

In einer vom früheren Echternacher Bürgermeister und LSAP-Abgeordneten Jos Scheuer eingereichten Petition, wurde dann auch gefordert, dass der Pfingstdienstag ein schulfreier Tag werden müsse, um die Springprozession als immaterielles Weltkulturerbe zu schützen und zu fördern.

Ungefähr 2.400 von rund 90.000Schülern nehmen alljährlich ander Springprozession teil

Da die Petition 7.581 Unterschriften erhielt, wurde sie gestern Vormittag öffentlich in der Abgeordnetenkammer diskutiert, wobei Unterrichtsminister Claude Meisch sich aber gegen einen schulfreien Tag aussprach. Wer aber an der Springprozession teilnehmen wolle, der könne das auch in Zukunft tun.

Wie gestern zu erfahren war, sollen Jahr für Jahr rund 10.000 Pilger an der Springprozession teilnehmen, darunter ungefähr 2.400 Jugendliche. Bei rund 90.000 Schülern sei es also wohl kaum zielführend, landesweit einen allgemeinen schulfreien Tag einzuführen, zeigte sich Meisch überzeugt, der stattdessen eine Kompromisslösung aus dem Hut zauberte. So gedenkt die Regierung ab nächstem Jahr an allen Schulen einen Tag des kulturellen Erbes („journée du patrimoine culturel“) einzuführen, der prinzipiell alljährlich zwischen dem 1. und dem 14. Juli abgehalten werden soll, dies nach genauer Absprache mit den Lyzeen wie es in einer im Anschluss an die Petitionsdebatte veröffentlichten Mitteilung des Unterrichtsministeriums heißt. In denjenigen Jahren, wo der Pfingstdienstag außerhalb der Schulferien fällt, soll der Tag des kulturellen Erbes automatisch an diesem Dienstag stattfinden, so auch im nächsten Jahr. Wie Claude Meisch hervorhob, werden die Schüler an diesem Tag in das kulturelle Erbe und die luxemburgischen Traditionen eingeführt, zu denen natürlich auch die Springprozession gehört, mit der sich die Lehrer und Schüler dann befassen könnten. Das entsprechende didaktische Material für diesen Tag des kulturellen Erbes soll indes noch vom „Service de coordination de la recherche et de l’innovation pédagogiques et technologiques“ (SCRIPT) ausgearbeitet werden, derweil die Lehrer eine diesbezügliche Weiterbildung erhalten sollen.

Eine weitere Petition, die aber nicht genug Stimmen bekam, hatte sich übrigens für einen freien Pfingstdienstag für alle Bürger ausgesprochen...