LUXEMBURGMARC GLESENER

Männer der „Brigade Mobile“ waren im Umgang mit Sprengmechanismen geschult

Wurden bei der „Brigade mobile“ Quecksilberschalter für Testsprengungen und Schulungszwecke eingesetzt oder nicht? Und wenn ja, wer verfügte über das entsprechende Wissen, um solche speziellen Mechanismen zu bedienen.

Das waren zentrale Fragen, mit denen sich Kriminalpolizist Joël Scheuer gestern im Zeugenstand beschäftigte. Dabei ging es vor allem um die Holzkiste samt Zündvorrichtungen, die bei der Gendarmerie sichergestellt werden konnte.

Erstaunlich ist in diesem Kontext, dass Paul Haan, einer der ersten Ermittler im Fall, angeblich nicht über das Vorhandensein von solchem Schulungsgerät informiert gewesen war. Auch vom Einsatz von Quecksilberschaltern und Info-Broschüren über Sprengungen wusste er nichts.

„Als wir ihn 2007 dazu befragten, war er absolut überrascht. Er war wirklich erstaunt darüber, dass es solches Material gab und stellte auch die Frage in den Raum, warum niemand die ermittelnden Beamten hierüber informiert hatte“, so Scheuer. „Ihm fehlten tatsächlich die Worte“, meinte der Kriminalpolizist im Zeugenstand.

Das ganz normale Repertoire

Zu den Sprengübungen und -schulungen bei der „Brigade mobile“ wurden im Laufe der neuen Ermittlungen ganz unterschiedliche Aussagen gemacht. Das geht aus den Anhörungsprotokollen hervor, aus denen Scheuer vor der Kriminalkammer zitierte. Fakt ist, dass sich die meisten der ehemaligen Elitegendarmen nicht mehr genau an ihre damaligen Aktivitäten erinnern können.

Dass mit Zündern hantiert wurde, ist allemal klar. In diesem Kontext fiel bei den Aussagen immer wieder der Name von Jos Steil. Wie es aussieht hatte er ganz klar die meiste Expertise im Umgang mit Sprengstoff.

Sozusagen „explosiv“ geschult waren allerdings andere BMG-Mitglieder auch. So berichteten gleich mehrere ehemalige Kollegen der Angeklagten Marc Scheer und Jos Wilmes von Sprengungen; so genannten „Zugangssprengungen“ und „Freisprengungen“.

Solche Aktionen gehör(t)en zum Repertoire von Sondereinheiten. Nicht zu vergessen eine ganz besondere Spezialität der BMG: Konfetti-Bomben. Diese kamen offenbar bei mehreren Hochzeiten zum Einsatz. Das System der Zündung funktionierte via Wäscheklammer über eine Batterie. Eingeweiht ins Geheimnis dieser Bombe soll auch der nun Angeklagte Wilmes gewesen sein.

Die Insiderpiste führt zur BMG

Nach einer längeren Sitzungspause begann gestern kurz vor 17.00 die gerichtliche Aufarbeitung der so genannten Insiderpiste. Dies dürfte die Kriminalkammer nun mindestens eine gute Prozesswoche, also immerhin bis nach den Pfingstferien beschäftigen. Eine zentrale Rolle spielt hier Chefermittler Carlo Klein, der gleich zu Beginn seiner Ausführungen eins klar stellte und gewissermaßen den Ton für das, was kommen wird, vorgab: Im Laufe der Analysearbeit und bei der Auswertung der Ermittlungsresultate fokussierte man sich immer stärker auf die „Brigade mobile“. Die Insiderspur führt dorthin, so Klein.

Die Reaktion der Verteidigung ließ nicht lange auf sich warten. Als der Ermittler einen Zusammenhang zwischen Sprengstoffdiebstählen und Attentaten herstellte, meldete sich Me Lydie Lorang zu Wort.

Fachmännisch kompetent in Sachen Sprengstoff und gut über die Bewegungen der Sicherheitskräfte informiert

Der Einsatz gestohlenen Materials sei nicht einwandfrei erwiesen. In einem Fall doch, konterte die vorsitzende Richterin Sylvie Conter. Klein setzte seine Aussage fort und bleibt dabei: Die Täter hatten fachliches Wissen im Umgang mit Zündern und explosivem Material. Und sie waren gut über die Bewegungen der Sicherheitskräfte informiert. Wie sonst hätte man einen zweiten Versuch in Beidweiler wagen können. Die pyrotechnische Sprengung am 30. Mai 1984 schlug fehl. Am 2. Juni dann klappte es. Mit einem elektronischen Zünder und „fachmännischer“ Kompetenz.