LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Comedian Maysoon Zayid im „Journal“-Interview

Über vierzig Wochen im Jahr reist Comedian Maysoon Zayid um den Globus, heute Abend tritt sie zum allerersten Mal in ihrer Karriere in Luxemburg auf. Das „Journal“ hatte das Privileg sie für ein Interview zu treffen, denn die US-Amerikanerin führt ihre Interviews in der Regel per Mail.

Maysoon, ich bin mir durchaus bewusst, dass ich Sie mit meiner Einstiegsfrage vielleicht langweile, dennoch würde ich gerne wissen, was ihre Heimat ist: Die Vereinigten Staaten oder Palästina?

Maysoon Zayid Palästina, es mag verrückt klingen, weil ich ja in New Jersey geboren und aufgewachsen bin. New Jersey liebe ich, es ist ein toller Ort, aber ich fühle mich in Bethlehem oder Jerusalem wohler, weil es interessantere Orte sind, auch deshalb, weil es sich um Konfliktzonen handelt. Ich bin dort auch kreativer.

Würden Sie heute Abend hier auf der Bühne stehen, wenn Ihre Eltern nicht in die Vereinigten Staaten immigriert wären und Sie in Palästina aufgewachsen wären?

Zayid Ja, klar. Ich bekomme diese Frage häufiger gestellt, weil die Leute annehmen, dass ich heute nicht als Comedian auftreten würde, wenn ich in der arabischen Welt aufgewachsen wäre. Ich denke, dass ich es dennoch dank meiner Eltern geschafft hätte: Sie haben aus mir gemacht, was ich bin. Sie brachten mir das Sprechen, das Tanzen und auch Selbstbewusstsein bei. Ich bekam in Amerika keine Unterstützung von öffentlicher Seite, keine Therapien oder ähnliches. Ich habe nie bewusst den Entschluss gefasst, Comedian zu werden, sondern wollte Schauspielerin werden. Weil aber die Traumfabrik Hollywood Leute wegen ihrer ethnischen Herkunft ausschließt und speziell jene mit einer physischen Behinderung, bin ich jetzt Comedian. Es ist definitiv der beste Teil meiner Karriere. Sie finden im amerikanischen Fernsehen vielleicht zwei Leute mit einer physischen Behinderung, obwohl wir die größte Minorität weltweit darstellen.

Hier in Luxemburg sind wir sehr mit den Programmen deutscher und auch französischer Comedians vertraut, da wie diese im Fernsehen oder live auf der Bühne sehen. Viele dieser Comedystars haben einen Migrationshintergrund und verarbeiten diesen auch in ihren Shows. Erwartet das Publikum, dass ein Comedian mit Migrationshintergrund seine eigene Herkunft in seinem Programm verarbeitet?

Zayid Ich glaube, das hängt immer vom jeweiligen Comedian ab. Allerdings sprechen viele Kollegen mit Migrationshintergrund in ihren Shows von ihrem familiäreren Background, das stimmt. Ich habe aber Shows, in denen ich dies ausklammere und nur über Politik oder die Populärkultur rede, über Britney Spears oder Shakira. Ich denke nicht, dass das Publikum es fordert, aber es ist sehr üblich.

In einem Fernsehinterview, das in den Vereinigten Staaten ausgestrahlt wurde, erklärten Sie, dass nach 9/11 und dem Irakkrieg der Rassismus in Amerika stärker wurde. Fühlen Sie den Rassismus in ihrem Alltag?

Zayid Ich würde eher behaupten, dass ich Diskriminierung erfahre, nicht Rassismus, noch eher trifft der Begriff Bigotterie zu. Ich bin Moslem und physisch behindert: Ein Bild, das die Menschen nicht oft sehen. Viele können nicht verstehen, dass auch ein Moslem ein amerikanischer Staatsbürger sein und sogar Präsident werden kann. Andere bezeichnen es beispielsweise als unverschämt, dass ich in Amerika zur Welt gekommen b und dort aufgewachsen bin. Ich werde aber noch öfters wegen meiner physischen Behinderung angefeindet.

Sie engagieren sich in pädagogischen Projekten für physisch behinderte Kinder in Palästina. Ist Humor eine Therapiemöglichkeit für diese Kinder?

Zayid Freude ist eine Therapie für Kinder. Wenn Sie sie in ein glückliches Umfeld stecken, können aus ihnen gesunde Erwachsene werden. Wir kümmern uns um physisch behinderte Kinder - aus finanziellen gründen können wir ins leider, ich betone, leider nicht auch um psychisch kranke Kinder kümmern. Diese Kinder wurden aus dem palästinensischen Schulsystem ausgeschlossen, wir organisieren Schulunterricht für sie, halten uns an den palästinensischen Lehrplan und ergänzen diesen um Sprach- und Tanztherapien. Wir arbeiten auch mit Sozialarbeitern zusammen, die die Eltern beraten. Später sind viele dieser Kinder in der Lage, ihre Studien an einer öffentlichen Schule fort zu setzen und werden in das Schulsystem re-integriert. Die palästinensische Gesellschaft kümmert sich um diejenigen, die verletzt werden, aber nicht um jene, die mit einer Behinderung geboren werden.