LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Acht Personen müssen sich vor Gericht verantworten

Was hat am 14. Februar 2016 in der Nähe einer Diskothek in Luxemburg/Stadt zu einer Massenschlägerei geführt, bei der mehrere Beteiligte Verletzungen erlitten haben? Acht mutmaßliche Schläger müssen sich vor der 7. Strafkammer des Bezirksgerichts Luxemburg an sechs Prozesstagen verantworten.

Der Fall war bekannt geworden, da die Generalinspektion der Polizei (IGP) eingeschaltet wurde, die zuständig ist, wenn gegen Polizeibeamte ermittelt wird. An besagtem Tag kam es am frühen Morgen vor einer Disko zu einer Schlägerei zwischen drei Polizisten und fünf weiteren Männern, ihres Zeichens Ex- oder noch aktive Soldaten. Seit vergangenem Montag standen die Männer vor Gericht und mussten sich wegen vorsätzlicher Körperverletzung und Beleidigung verantworten.

Die Polizisten, die nicht im Dienst waren, bestritten, die Männer geschlagen zu haben. Einer der fünf Männer hätte sie beleidigt. Er sei ferner von einem der Männer bedroht worden.

Nein, er habe die Situation ganz anders in Erinnerung, verteidigt sich der Betroffene. Als er die drei Polizisten um eine Zigarette bat, hätte einer der Polizisten ihm unvermittelt ins Gesicht geschlagen. Wovon eine attestierte Prellung am rechten Auge und eine aufgeplatzte Lippe zeugt: Das Opfer habe auch aus dem Mund geblutet. „Das Bild des blutenden Gesichts habe ich mir gemerkt, weiteres aber nicht“, sagte ein Zeuge. Obwohl das Opfer sofort zu Boden ging, sollen der oder die Angreifer weiter auf das Opfer eingetreten haben.

Gegenseitige Beleidigungen

Unklar blieb im Prozess, wer diese Schläge ausgeführt hatte und ob sie Auslöser für die folgenreichen tätlichen Auseinandersetzungen waren. Was wirklich geschah, dazu gingen die Geschichten aller Beteiligten weit auseinander. Auch die Aussagen von Zeugen sind teilweise widersprüchlich.

Als andere Diskobesucher auf den Tumult aufmerksam wurden, hätten sich die Polizisten vom Tatort entfernt - kehrten aber wieder um, weil einer der Beamten beim Gerangel seinen Dienstausweis verloren hatte. Gegenseitige Beleidigungen zwischen einzelnen Akteuren waren erneut die Folge, die Situation eskalierte ein zweites Mal.

Ein Taxifahrer hatte einen Teil der Schlägerei gefilmt. Das Gericht ließ sich den Film vorführen. Das Video machte allerdings nicht deutlich, wer Täter und wer Opfer waren. Die Aufnahme ließ eine aufgebrachte Gruppe erkennen. Zuerst Wortgefechte, die in beleidigenden Äußerungen mündeten, dann kam es zu Schlägen. Mehrere Männer griffen in das Geschehen ein.

Auf dem Video konnten die Richter erkennen, wie einer der Polizisten zu einem Vorhand-Schlag ausholt und seinem Gegenüber ins Gesicht schlug. Beide Männer gingen unglücklich zu Boden. Einer der jungen Männer musste einige harte Treffer einstecken, lag auf dem Rücken. Dann griff ein zweiter Polizist in die Schlägerei ein. Mit einem geübten Haltegriff konnte er den Schlagabtausch kurz unterbinden, dann wurde aus dem Gerangel praktisch eine richtige Massenschlägerei, bei der man sich die ganze Zeit bemühte, die Gegner nicht zum Zuge kommen zu lassen. Am Mittwoch hatten die Polizisten erklärt, sie wären in der ersten Phase der Schlägerei attackiert worden. Die andere Partei hatte zu Protokoll gegeben, die Polizisten hätten sie in der zweiten Phase angegriffen.

In seinem Plädoyer meinte Verteidiger Me Rosario Grasso, dass die Ermittlungen zulasten der Polizisten gemacht wurden - „fir de Polizisten der laanscht d’Läffelen ze gin“! Weder die Staatsanwaltschaft noch die IGP hätten neutral und fair gehandelt; die Polizisten dagegen schon, meinte Grasso. Für Verteidiger Olivier Unsen, Verteidiger des zweiten Polizisten, gab es größere Zweifel, dass die Schlägerei sich so abgespielt hat, wie es die Gegenpartei darstellte. Verteidiger Philippe Penning betonte, dass sein Mandant (der dritte Polizist) von den Kontrahenten als der Besonnenste von den Polizisten beschrieben wurde. Es sei offensichtlich, dass sein Mandant nicht geschlagen hatte, er hätte den Konflikt eher vermeiden wollen, er erlitt aber Verletzungen. Dagegen meinte Verteidigerin Julie Asselbourg, die Verteidigung der Gegenpartei hätte versucht, die Affäre kleinzureden; es wäre aber viel Gewalt im Spiel gewesen.

Die anderen vier Beschuldigten, die ohne Verteidiger vor Gericht standen, hatten für sich selbst Freispruch beantragt – weil sie aus Notwehr gehandelt hätten. In den Nebenklagen haben sieben von acht Beschuldigten einen Schadenersatz in Höhe von 250 bis 20.000 Euro beantragt.

Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft sprach am Freitagmorgen von einer ganz konfusen Schlägerei. Sie beantragte für die drei Polizisten Freiheitsstrafen von jeweils 18, neun und sechs Monaten, gegebenenfalls zur Bewährung ausgesetzt. Die Beschuldigten Dylan G. und Esaú F. sollen neun und sechs Monate in Haft. Für die Angeklagten Jonathan, D. und Boby F. beantragte die Anklagevertretung Freispruch.

Das Urteil soll am 15. Juli 2019 gesprochen werden.