WALFERDINGENGERHARD KLUTH

Ensemble Lautten Compagney Berlin mit Dorothee Mields in Walferdingen

Wir leben in Zeiten, in denen das Wort „Transparenz“ ganz hoch im Kurs steht. Alles soll transparent sein, angefangen von der Politik bis hinein ins private Leben.

In täglichen Talkshows geben Menschen Einblicke in ihre intimsten Verhältnisse. Wie anders war dies, bezogen auf das Private und vor allem im Bezug auf die Liebe, in der Barockzeit. Mit wundervollen Texten beschrieben Schriftsteller die Leidenschaften, die zwei Menschen verbinden können. Poesie stand hoch im Kurs und bei allem, was nicht beim Namen genannt wurde, war die Fantasie gefragt.

Der englische Komponist Henry Purcell hat vielen dieser Texte noch eine ausdrucksstarke Komponente hinzugefügt, indem er Lieder aus ihnen macht. In Perfektion waren solche „Love Songs“ jetzt am Sonntag in der Pfarrkirche von Walferdingen zu hören.

Angereist war dazu das Ensemble Lautten Compagney Berlin zusammen mit der Sopranistin Dorothee Mields.

Sowohl die Sängerin als auch die Compagney sind ausgewiesene Spezialisten auf dem Gebiet der überzeugend dargestellten Barockmusik und regelmäßig auf den großen Bühnen der Welt zuhause.

Wenn sie nun auch in Walferdingen Station machten, ist das der Organisation Rencontres Musicales de la Vallée de l’Alzette zu verdanken. Deren Präsident Rosch Mirkes war auch stolz darauf, die Musiker in den kleinen Ort geholt zu haben.

Leidenschaft und Verzweifelung

Die Musiker unter der Leitung des Lautenisten Wolfgang Katschner wissen bestens mit der Musik des Barockzeitalters umzugehen und stellten dies auch bei ihrem Besuch an der Alzette unter Beweis. Zusammen mit Mields bildeten sie eine kongeniale Einheit, die im Dienste der Musik und des Textes stand. Allen Gemütsregungen, die jedem Menschen in der Liebe nur bestens bekannt sind, wurde hier eine Stimme verliehen. Da war die Leidenschaft vertreten („One charming night“) ebenso wie die Verzweiflung („O let me weep“) und die staunende Begeisterung („Hark! How the Songsters“). Was die verschiedenen Schriftsteller und Purcell hier geschaffen haben, es wurde mustergültig zu neuem Leben erweckt.

Dabei offenbarte Mields eine kraftvolle und doch gleichermaßen schlanke Stimme, die jeder Gefühlsregung mit verblüffender Farbigkeit gerecht wurde. Strahlend hier, melancholisch dort und manchmal auch mit ein wenig Ironie. Getragen wurde sie dabei von Musikern, die jeden musikalischen Affekt aufnahmen, umsetzten und so Vokal- und Instrumentalmusik zu einer Einheit verschmelzen ließen.

Auf diese Weise war es für die Zuhörer ein leichtes, die Freuden und Leiden der Liebe mitzuerleben, getragen von der Begeisterung für Musik und die Ausführenden, die sich am Ende Bahn brach. Großartig.