Dass die Saison der Parteikongresse hierzulande traditionell zum Frühjahrsanfang eröffnet wird, ist allgemein bekannt, doch gleich vier Kongresse an einem Wochenende, das ist dann doch außergewöhnlich, zumal wenn sich zu den parteipolitischen Kongressen auch noch der nicht minder politische Kongress des Mouvement Ecologique hinzugesellt.
Den Reigen eröffnen an diesem Samstag „déi gréng“ und die Jung-CSV‘ler von der CSJ, derweil am Sonntag die LSAP und die adr zusammenkommen; der Nationalkongress der CSV findet indes am darauffolgenden Wochenende in Grevenmacher statt, derjenige der „déi Lénk“ am 25. April, und das - auf das Datum bezogen - Schlusslicht bildet wie gehabt die DP.
Auch wenn in diesem Jahr keine Wahlen vor der Tür stehen, so riskieren die Parteikongresse dann aber trotzdem nicht zur Pflichtveranstaltung zu verkommen, könnte die Referendumsdebatte auf dem ein oder anderen Kongress doch noch für hitzige Diskussionen sorgen. Bei der LSAP, die ihren Nationalkongress übrigens erstmals nicht am Sommerzeitumstellungswochenende abhält, steht dann auch ein Referendumsreferat von Verfassungsexperte Alex Bodry auf dem Programm. Daneben dürfte aber noch genug Zeit bleiben, um sich selbst auf die Schulter zu klopfen und den Parteimilitanten noch einmal in Erinnerung zu rufen, was die LSAP-Minister in der Blau-Rot-Grün-Koalition so alles für das Land getan haben. Diese Rolle übernimmt in diesem Jahr Vizepremier Schneider, der ja sowieso nicht gerade für seine Bescheidenheit bekannt ist.
Bei den Grünen dürfte sich ebenfalls kräftig auf die Schulter geklopft werden - das Wort ergreifen dürfen hier sogar gleich zwei Regierungsmitglieder - , ehe dann ein neuer weiblicher Teil der paritätisch besetzten Präsidentschaft gewählt werden muss, nachdem die bisherige Amtsinhaberin Samatha Tanson in den Staatsrat wechselt. Einzige Kandidatin ist die 2011er „Woman Business Manager of the Year“ Françoise Folmer, aber wer bei den Grünen gerade Präsident oder -tin ist, ist ohnedem eher unwichtig. Gewählt wird am Wochenende aber auch bei der adr, war hier doch der Posten des Generalsekretärs nach dem Rücktritt und Parteiaustritt von Liliana Miranda unglaubliche neun Monate lang unbesetzt, ohne dass das jedoch irgendeinem großartig aufgefallen wäre. Auch hier gibt es anscheinend nur einen, bislang allerdings unbekannten Kandidaten.
Mehr Spannung verspricht da schon der CSJ-Kongress, gebaren sich die christlich-sozialen Youngster doch zuweilen als scharfe Kritiker ihre r Mutterpartei, so zuletzt unter anderem in Bezug auf das dreimalige Nein der CSV zu den Referendumsfragen, wobei es dann aber doch erstaunt, dass die CSJ laut Kongresseinladung nur über das Ausländerwahlrecht und die Mandatsbegrenzung für Regierungsmitglieder diskutieren will, nicht aber über das Wahlrecht ab 16. So richtig spannend wird dann aber erst der CSV-Kongress vom 28. März, soll hier doch die viel zitierte Reformagenda unter Dach und Fach gebracht werden, aber das Leben als Oppositionspartei ist eben kein Zuckerschlecken...


