LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Als der Geschäftsfluganbieter Luxaviation Mitte März Mitbewerbern ein Hilfsangebot in der Coronakrise unterbreitete, überraschte das - CEO Patrick Hansen über die Initiative und ihren Erfolg

Private Geschäftsflieger rücken selten ins Rampenlicht. Doch vor zwei Wochen meldete sich Patrick Hansen, Geschäftsführer der Luxaviation Group zu Wort. Sie gehört als weltweit tätiges Unternehmen zu den größeren Anbietern. Umso überraschender war die Hilfsinitiative, die Hansen in Richtung kleinerer Konkurrenten lancierte (siehe Kasten). Wir wollten wissen, warum er das macht und was es bislang gebracht hat.

Herr Hansen, warum wollen Sie in der Krise der Konkurrenz helfen?

Patrick Hansen Der Grundgedanke ist, dass wir schon vor zwei Monaten in Asien gesehen haben, welche Wirkung die Coronakrise auf Business Aviation hat. Dort brach einer der größten Märkte ein. Wir konnten uns wegen der Analyse dieser Entwicklung früh anders aufstellen. Deshalb waren wir etwas schneller als viele andere, als in Europa ein Land nach dem anderen die Grenzen schloss. Darüber hinaus haben wir die Möglichkeit, zu helfen. Wir sind beim Procurement, also der Beschaffung, sehr gut aufgestellt, für die wir eine eigene Abteilung haben. Wir verfügen über mehr administrative und auch finanzielle Ressourcen als die meisten Mitbewerber. Wenn wir die Wirkung auf kleine und große Operatoren sehen, dann ist klar, welche Probleme sie bekommen. Es geht in der Industrie darum, irgendwie dadurch zu kommen und nicht auf den Gräbern andere Leute zu tanzen. Denn eine Industrie, die es nicht mehr gibt, ist nichts Gutes, auch nicht für Größere. Deshalb haben wir die „European Business Aviation Solidarity Initiative“ gegründet.

Was wäre denn schlecht daran, wenn kleinere Konkurrenten untergehen?

Hansen Oft sind das meine Zulieferer und Partner. Wenn wir Flüge nicht durchführen können, dann arbeiten wir mit einem Netzwerk von 28 Terminals rund um die Welt zusammen und jemand anders übernimmt den Flug. Ich sehe die kleineren Konkurrenten vor allem als Kunden. In dieser Phase kann es mir nicht darum gehen, dass jeder seinen Shop zumacht. Deshalb habe ich vor allem bei EU-Institutionen darauf aufmerksam gemacht, dass dieser Bereich der Industrie bislang vergessen wird. Wenn eine Virgin Airlines oder eine Lufthansa trudelt, dann hört jeder zu. Aber die Kleineren werden vergessen. Die anderen Branchenverbände waren bislang zurückhaltend. Da sind wir in die Bresche gesprungen. Es ist altruistisch, aber auch egoistisch. Ohne die Industrie sind wir in vier Monaten auch nichts mehr.

Welche Reaktionen haben Sie erhalten?

Hansen Die erste Woche verging relativ ruhig, weil viele sich wegen der Konkurrenz sorgten. Wir sehen Reaktionen erst in den letzten zehn Tagen. Bis jetzt haben sich 17 Unternehmen an uns gewendet. Wenn beispielsweise jemand in Land X keinen Treibstoff hat, dann können wir ihm helfen und er kann fliegen. Ein Treiber für Reaktionen war der Lockdown. Seither sind die Diskussionen sehr, sehr gut, auch mit großen Ölversorgern und Maintainance-Firmen. Wir haben einen Stein ins Rollen gebracht. Jetzt diskutieren wir mit verschiedenen Institutionen. Zum Beispiel darüber, dass wir die sonst vorgeschriebenen Flüge im Simulator aussetzen, so dass es nachher keinen Stau von Leuten gibt, die trainiert werden müssen. Die meisten Länder haben akzeptiert. Das hat auch auf europäischer Ebene etwas bewegt. Jetzt wird die „European Business Aviation Association“ aktiv.

Profitieren Sie nicht von Rückholaktionen der Regierungen?

Hansen Große Länder haben meist mehr als zehn Bürger im Ausland. Die werden dann von der Lufthansa, Luxair oder Ryanair zurückgebracht, das ist billiger, weil deren Maschinen größer sind. Wir haben bislang noch keinen Rückholflug für Luxemburg durchgeführt, wohl aber in anderen Ländern. Doch das war ein sehr überschaubares Volumen. Was mich ärgert: Wir erhalten enorm viele Anfragen. Aber entweder können die Leute nicht zahlen oder wir können das nicht durchziehen, weil große Beschränkungen gelten. Meist sind nur Kranken- oder Transportflüge für Medizin-Material gestattet. Das Resultat: Unser Volumen ist von 70 bis 80 Flügen täglich auf null oder einen gesunken.

Erhalten Sie Hilfe aus Regierungspaket?

Hansen Wir haben die notwendigen Dossiers eingereicht. Aber was bei uns etwas schwieriger ist: Wir beschäftigen 1.500 Mitarbeiter weltweit auf fünf Kontinenten, von denen der allergrößte Teil nicht unter die heimischen Regeln fällt, aber auch nicht unter die anderer Länder. Hier in Luxemburg kann ich nicht klagen. Doch auch hier müssen wir uns neben Cargolux und Luxair Gehör verschaffen.