LUXEMBURG
JAN SÖFJER

Die schottische Brennerei hat eine bemerkenswerte Serie auf den Markt gebracht

Es ist nun schon ein paar Jahre her, seitdem es die letzten zehn Jahre alten Abfüllungen von der Brennerei Bruichladdich gab. Ein zehn Jahre alter Single Malt Scotch Whisky ist eigentlich nichts besonderes - abgesehen davon, dass natürlich jeder Single Malt Scotch etwas Besonderes ist. Zehn, zwölf Jahre, das ist das Alter von sogenannten Standards, die Basisabfüllung einer jeden Brennerei. Wie der Glenfiddich 12 oder der Talisker 10. Ergänzt werden sie von älteren Abfüllungen: 15 Jahre, 18 Jahre, 21, Jahre, 25 Jahre, manchmal 30 Jahre. Dazu kommen hier und da limitierte und daher teure Sonderabfüllungen. Und das ist der Punkt: Bei Bruichladdich ist praktisch alles eine Sonderabfüllung. Selbst die dauerhaft erhältlichen Abfüllungen wie der „Islay Barley“ werden wie Wein in Jahrgänge unterschieden und schmecken durchaus auch anders.

Die „Troika“: Der Bruichladdich 10 Second Limited Edition, der Port Charlotte 10 Second Limited Edition und der Octomore 10. - Lëtzebuerger Journal
Die „Troika“: Der Bruichladdich 10 Second Limited Edition, der Port Charlotte 10 Second Limited Edition und der Octomore 10.

„Terroir matters“

„Jede Ernte ist anders“, sagt der Bruichladdich-Brennmeister Adam Hannett. „Terroir matters“ ist das große Motto dieser Brennerei. Dass beim Wein der Boden wichtig ist, ist bekannt, aber selbst bei Bruichladdich waren sie überrascht, als sie einen Gerstetyp einmal auf dem schottischen Festland und einmal auf der Insel Islay, wo die Brennerei sitzt, angebaut haben, und dieser Unterschied im gebrannten Whisky schmeckbar war.

Man muss dies wissen, um zu verstehen, mit welchem Handwerksverständnis fern jeglichen großindustriellen Maßstabs dort Whisky gemacht wird. Das wissen auch Whiskyliebhaber, und deshalb waren die Lager in den letzten Jahren so gut wie leer. Zehn oder zwölf Jahre alte Abfüllungen, die es gab, waren hochlimitiert und auf „Travel Retail“ begrenzt. 150 Euro für eine Flasche Minimum.

Außergewöhnliche Fässer

Und nun gibt es eine ganze Serie: die Second Limited Edition. Je eine zehn Jahre alte Abfüllung für alle drei Linien der Brennerei: Bruichladdich (nicht-rauchig), Port Charlotte (stark rauchig) und Octomore (jenseits von gut und böse-rauchig). In allen Fällen wurden besondere Fässer verwendet. Reift normalerweise ein Single Malt in oft benutzten Ex-Bourbon-Fässern, so reiften der Bruichladdich und der Port Charlotte in „First Fill“-Ex-Bourbon-Fässern, in denen unmittelbar vorher Bourbon enthalten war, was den Geschmack intensiviert. Zudem reiften sie aber auch noch zu einem Teil in Ex-Sherry- und in französischen beziehungsweise französischen und spanischen Tempranillo-Fässern. Der Octomore reifte in frischen Bourbon- und in Grenache Blanc-Weißwein-Fässern.

Die Bruichladdich-Brennerei auf der Insel Islay. - Lëtzebuerger Journal
Die Bruichladdich-Brennerei auf der Insel Islay.

Der Bruichladdich riecht im Glas nach sattem Mangokompott und süßer Eiche, im Mund kommen Honig, Karamell, Vanille und Milchschokolade durch. Der Abgang ist samtig, leicht würzig, fruchtig-süffig, trotz der 50 Volumenprozente.

Der Port Charlotte ist ähnlich, aber würziger, kräftiger. Starker Rauch liegt über allem. Gräbt man sich tiefer kommen Toffee, Pfirsich und geräucherte süße Holznoten durch. Vielleicht gar die Erde, auf der die Gerste gewachsen ist? Der Octomore wie gewohnt eine Wucht: kalter Rauch, fruchtiges Eichenholz, Leder. Im Mund glühend (57,3 % vol.), Traubenfrucht.

Diese Malts sind keine Standards, sie spielen in einer anderen Liga, können mit Spitzen-Whiskys mithalten, die statt 60 eher bei 200 Euro liegen. Die Preise hätten auch vielfach höher liegen können, aber man wollte, dass die Whiskys auch getrunken und nicht nur gesammelt werden. Im vergangenen Jahr ging Brennmeister Jim McEwan in den Ruhestand. Mehr als zehn Jahre hat sein Nachfolger bei ihm gelernt. Adam Hannetts „Troika“, wie die Serie heißt, ist bereits ein Denkmal. Die 18.000 Flaschen pro Linie werden sehr, sehr schnell vergriffen sein. Adam Hannett nennt sie: „Ein Schnappschuss in der Zeit.“

Der neue „Head Distiller“ Adam Hannett. - Lëtzebuerger Journal
Der neue „Head Distiller“ Adam Hannett.