LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Creditreform sieht zur Halbjahresbilanzkeine wirkliche Entspannung in Luxemburg

Erstmals hatte die Zahl der von luxemburgischen Gerichten innerhalb eines Jahres gesprochenen Firmenkonkurse im Jahre 2012 die 1.000er Marke übertroffen, im Anschluss an eine sehr starke Erhöhung um fast 25% gegenüber dem Vorjahr. Für das laufende Jahr kann von Entspannung nicht wirklich gesprochen werden, weil die Situation zum 30. Juni erkennen lässt, dass auch in diesem Jahr eine vierstellige Zahl droht.

Auch 2013 wieder 1.000 Pleiten erwartet

Wie Creditreform gestern in einer Pressemitteilung wissen ließ, seien bis zur Jahresmitte 2013 immerhin schon 522 Konkurse gesprochen worden. Davon entfielen deren allein 459 auf den Gerichtsbezirk Luxemburg, die übrigen 63 auf den Bezirk Diekirch. Damit wurde zwar nicht ganz die Zahl 571 erreicht, die zur Jahresmitte 2012 hatte festgestellt werden müssen, doch hält das deutschstämmige Institut fest, dass grundsätzlich keine wirkliche Erholung erkennbar sei.

Immerhin ergebe sich in der Halbjahresbilanz zwar eine Verbesserung um gut 8% gegenüber 2012, doch kann dies angesichts der zwischen 2011 und 2012 festgestellten massiven Steigerung der Konkurszahl nicht wirklich als Trendwende angesehen werden. Herbert Eberhard, administrateur délégué von Creditreform, geht denn auch davon aus, dass bis zum Jahresende die Zahl durchaus erreicht werden dürfte.

Einen besonders starken Anstieg der Konkurse während der ersten 6 Monate des Jahres hatte die Baubranche zu verzeichnen, wo die Steigerung satte 48% ausmachte. Während bis zur Jahresmitte 2012 „nur“ 37 Konkursurteile gesprochen wurden, waren es deren bis zum 30. Juni 2013 schon 55. Wie Creditreform präzisiert, soll es sich dabei vor allem um kleinere und mittlere Betriebe gehandelt haben.

Als größtes Unternehmen, das im ersten Halbjahr 2013 den Schlüssel unter den Türvorleger stecken musste, wertet Creditreform die Firma Mira-Rio S.A. aus Bascharage. Hierbei handele es sich um ein hauptsächlich im Tanktransportfach tätiges Binnenschifffahrtsunternehmen mit 110 Beschäftigten und einem Umsatzvolumen von 59 Millionen Euro. Jeweils hundert Arbeitsplätze gingen verloren beim Konkurs der Zeitarbeitsfirma Agence Luxembourgeoise de l’Interim et de Services aux Entreprises S.A., sowie beim Reiseveranstalter Travel Ad Mix S.A., der zusätzlich auf diesem Gebiet einen Fernseh- und Hörfunkkanal betrieben hatte.

S.à r.l. verzeichneten meiste Konkurse

Weitere umsatzstarke Unternehmen, die den Weg zum Konkursrichter antreten mussten, waren die Beteiligungsgesellschaft Mars Propco 40 s.à r.l., in deren Gruppe gleich 13 weitere Gesellschaften mit in Konkurs gingen, sowie die Handelsunternehmen Detschler com s.à r.l. und E-Complexys S.A. Im Dienstleistunbgssektor, wo traditionell die meisten Konkurse zu verzeichnen sind, gab es einen Rückgang gegenüber der gleichen Vorjahresperiode um 20%. Als weiteren positiven Punkt wertet Creditreform die Tatsache, dass die Zahl der Unternehmen mit mehr als 5 Jahren Geschichte um 10% zurückgegangen ist.

Nach Aktivitätsbranchen gegliedert bleibt der Dienstleistungssektor mit 293 Konkursen dennoch führend, gefolgt vom Handel mit 167 Firmenpleiten. Lediglich 7 Konkurse hatte der Produktionssektor zu verzeichnen. Von der Rechtsform her führten die Gesellschaften mit beschränkter Haftungspflicht (s.à r.l.) mit 308 die Liste an, gefolgt von den Aktiengesellschaften (S.A.) mit rund 200 Firmen. Lediglich elf in persönlichem Namen geführte Firmen mussten im ersten Halbjahr 2013 schließen.