LUXEMBURG
DANIEL OLY

Bildungsminister Claude Meisch stellt zwei neue Schulgremien vor

Schulqualität braucht Ruhe, Kontinuität und Konsens, wie Bildungsminister Claude Meisch erklärt. Deshalb seien in der laufenden Legislaturperiode mehrere Modernisierungsprojekte in Angriff genommen worden, um den Anforderungen einer modernen Schule gerecht zu werden. „Die Gesellschaft erwartet sich fähige, politisch und sozial engagierte Schulabgänger“, meinte der Minister gestern. „Die Wirtschaft erhofft sich Kompetenz, und die Forschung braucht wissenschaftlich fundierte Fachkräfte.“

Um die Schule von heute besser zu koordinieren werde das Bildungsministerium in Zukunft aber nicht nur auf alte und neue Partner wie die neuen „Médiateurs“ für benachteiligte Schülergruppen setzen. Zwei neue Organe sollen entstehen, um das Bildungssystem transparenter und besser zu machen, wie der Minister gestern im Rahmen einer Pressekonferenz erklärte.

Wissenschaft und Gesellschaft vertreten

Einerseits das „Observatoire de la qualité scolaire“, das als achtköpfiges Gremium aus Wissenschaftlern und Experten der Forschung bestehen und einen externen, neutralen Blick auf das Schulsystem werfen soll und eine weitere Kontrollinstanz darstellen wird. „Mit ihren objektiven, unpolitischen Analysen sollen sie nicht nur dem Bildungsministerium die Möglichkeit bieten, die Schulbildung besser zu gestalten“, erklärte der Minister. „Zudem sollen diese Auswertungen und Empfehlungen auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.“ Das soll die Information über das Schulsystem verbessern und für mehr Transparenz sorgen. Das Observatorium soll zu diesem Zweck unter anderem auch mit der Universität Luxemburg zusammen arbeiten und dürfte letztendlich vermutlich aus vom Bildungsministerium ausgewählten Experten aus dem In- und Ausland bestehen. Die Transparenz soll für mehr Aufklärung über die Situation an den Schulen sorgen: „Wir wollen mehr Fakten schaffen, statt auf Bauchgefühl zu setzen“, betont Meisch, damit die Gesellschaft besser verstehe, was vor sich geht. Das wird für das zweite neue achtköpfige Gremium wichtig: Der „Nationale Programmrat“ („Conseil national des programmes“) soll im Umkehrschluss aus Vertretern der Gesellschaft bestehen und den „Graben zwischen Schule und Gesellschaft ein Stück weit schließen“, wie es Meisch ausdrückte. Angedacht sei es, damit besser auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren zu können. „Die Schule konzentriert sich zu oft nur auf sich selbst“, konstatierte Meisch. „Dann kann sie schnell antiquiert und isoliert wirken.“

Die beiden neuen Gremien - die Stimmen der Wissenschaft und der Gesellschaft - sollen die bereits bestehenden Gremien wie das „Collèges des directeurs“ oder die nationale Eltern- und Schülervertretungen ergänzen und damit gemeinsam im Konsens für eine bessere Schule sorgen.

Eine weiter geführte Variante sei für Meisch auch denk- und umsetzbar: Ein gemeinsamer „Bildungsdësch“, an dem alle Vertreter als gleichberechtigte Parteien zusammen mit dem Bildungsministerium ins Gespräch kommen könnten, um einen gemeinsamen Prozess mit Kontinuität ausarbeiten zu können. Noch nicht vertreten: Die Lehrer (etwa in Form ihrer Gewerkschaften). Aber: „Am Tisch ist noch Platz“, erklärte Meisch.