LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Nicht selten kommen die Abschreiber ungeschoren davon

Die Plagiatsfälle von Karl-Theodor zu Guttenberg und Annette Schavan hatten zur Folge, dass sie ihre jeweiligen Doktortitel aberkannt bekommen haben und dass sie ihre Ministermandate abgegeben haben. Wobei der Fall Schavan noch nicht ganz abgeschlossen ist.

Die am morgigen Donnerstag scheidende Bundesministerin für Bildung und Forschung hat nämlich am 5. Februar, an dem Tag, als der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf ihre Promotionsarbeit aus dem Jahre 1980 für ungültig erklärte, angekündigt gegen diese Entscheidung Anfechtungsklage beim Verwaltungsgericht Düsseldorf zu erheben. Ihren Anwälten nach sei die Entscheidung des Rats in einem fehlerhaften Verfahren zustande gekommen und materiell rechtswidrig.

Am Samstag ist es auf den Tag zwei Jahre her, dass Vorwürfe gegen den damaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg öffentlich wurden, er habe mehrere Passagen in seiner Dissertation praktisch wortwörtlich, ohne Kennzeichnung als Zitate und ohne Angabe von Quellen, aus anderen Publikationen übernommen. Strafanzeigen, die auf den Plagiatsvorwürfen basierten, führten anschließend zu einem Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft in Hof. Zu Guttenberg wurde am 3. März 2011 als Verteidigungsminister entlassen und gab auch sein Mandat als Abgeordneter im Bundestag auf. Die Staatsanwaltschaft in Hof gab am 23. November 2011 bekannt, dass bei 23 Textpassagen strafrechtlich relevante Urheberrechtsverletzungen festgestellt wurden.

Plagiate sind aber keineswegs ein neues Phänomen, allerdings werden sie vom Medienrummel unserer modernen Welt bekannter gemacht, als noch in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts beispielsweise. Der 1955 verstorbene Autor Thomas Mann etwa gab offen zu, abgeschrieben zu haben. In seinem Roman „Buddenbrooks“ stirbt am Ende der junge Hanno an Typhus. Der Schriftsteller bediente sich dafür aus einem medizinischen Fachbuch. Durch die nüchterne Beschreibung des Krankheitsverlaufs im Kontext seines Romans, wirkt diese zutiefst schockierend.

Der große William Shakespeare hat unterdessen nicht einen einzigen Plot seiner Dramen selber erfunden. Aber trotzdem behauptet niemand, er sei ein Betrüger, denn er schuf aus eher langweiligen Figuren seiner Vorlagen unverwechselbare Persönlichkeiten mit psychologischem Tiefgang.

Plagiatsvorwürfe gab es auch gegen den Bestseller-Autor Dan Brown. Er wurde von den Autoren eines Sachbuchs beschuldigt, sich für den unter dem Titel „The Da Vinci Code“ mit Tom Hanks in der Hauptrolle verfilmten Roman daraus bedient zu haben. Michael Baigent und Richard Leigh verklagten den Autor auf 10 Millionen Pfund, verloren aber das Verfahren.