LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Seit dem ersten Januar 2018 leitet Noel Fessey als neuer CEO die „European Fund Administration“ - und gibt hier erste Einblicke, was er mit der Fondsverwaltung vor hat

Auf Noel Fessey wartet keine einfache Aufgabe. Der Brite übernahm Anfang Januar die Geschäftsführung der „European Fund Administration“ (EFA), die sein Vorgänger Thomas Seale seit deren Gründung über 20 Jahre lang geleitet hatte. Der Spezialist für Fondsverwaltung gegenüber dem Hauptbahnhof beschäftigt 481 Mitarbeiter und ist mit 2.202 verwalteten Fonds sowie einem Fondsvermögen von über 109 Milliarden Euro einer der Marktführer im Geschäft. Die EFA wurde von der Banque de Luxembourg, der BGL, der KBL European Private Bankers sowie der Spuerkeess 1996 gegründet. Die BGL blieb allerdings nicht lange Aktionär. 2013 trat Oddo & Cie ins Aktionariat ein. Die Banken wollten, dass die EFA Leistungen im Fondsbereich für sie, aber auch für andere erbrachte. Das ist bis heute so.

Herr Fessey, haben Sie sich eingelebt?

Noel Fessey Thomas Seale und ich hatten seit dem Sommer 2017 viele Gespräche. Ich habe Mitte November 2017 angefangen und bin seit dem ersten Januar diesen Jahres CEO. Die ersten Wochen habe ich vor allem damit verbracht, Leute kennen zu lernen: Shareholder, Kunden, Fonds. Viele Kunden kamen zu unserer CEO-Übergabe-Party, auf der Finanzminister Gramegna auch eine Rede hielt, worin sich schon die herausragende Stellung von EFA in der Luxemburger Fondslandschaft zeigt. Insgesamt arbeiten hier fast 500 Leute, qualifizierte Kräfte, die respektvoll miteinander umgehen.

Wo wollen Sie nach hundert Tagen den Fokus setzten?

Fessey Noch sind wir nicht da! Es geht erst einmal darum, das Geschäft gut zu verstehen. Darüber hinaus geht es um eine Kontinuität der Agenda. Kontinuität in der heutigen Welt bedeutet Wandel. Wir müssen uns mit Blick auf die Kunden und die Entwicklungen der Industrie anpassen. Ich kann also noch nicht genau sagen, was sich ändern wird. Aber im Führungsteam diskutieren wir, wie sich die Industrie verändert und was wir tun müssen, damit EFA erfolgreich bleibt. Wir informieren die Aktionäre stets über diese Diskussionen.

Was macht die EFA bislang?

Fessey Das hängt vermutlich von den Leuten ab, die Sie fragen. Schließlich wurden wir ja gegründet, um den Gründern, aber auch anderen Dienste rund um Fonds anzubieten. Den Kunden offerieren wir als spezialisierte Fondsverwaltung eine breite Auswahl an Dienstleistungen - passgenau, standardgemäß und darüber hinaus Zusatzleistungen. Wir haben 109 Kunden. Mit uns arbeiten 67 Management-Unternehmen und 94 Depot-Banken sind mit uns verbunden. Unsere Hedge Fund Services verwalten 15,9 Milliarden Euro und 171 untergeordnete Fonds. Im Private Equity Bereich verfügen wir über 102 verschiedene Strukturen und verwalten 16,6 Milliarden Euro.

Was wollen Ihre Kunden?

Fessey Wichtig ist, dass wir sehr zuverlässig sind und dass wir das, was wir machen, gut machen. Das muss auch zum richtigen Preis angeboten werden. Das bedeutet aber nicht, dass wir am billigsten sein wollen. Wir sind gut und zuverlässig. Innerhalb der Fondsbranche haben wir eine menschliche Größe; genau wie viele unserer Kunden auch. Denen ist das wichtig. Wir stehen nicht im Wettbewerb mit den großen, globalen Verwaltern, sondern bieten individuelle Lösungen an. Alle unsere Abteilungen sind in Luxemburg und Paris und ermöglichen so eine nahtlose Integration mit unseren Teams sowie schnelle Problemlösungen. Angesichts unserer Größe und des Technologieeinsatzes ist uns dieses Modell lieber als die Ausnutzung von Lohnunterschieden: Wir wollen keine Jobs nach Asien verlagern. Die Kunden finden uns hier in Luxemburg. Wer mit der EFA redet, redet mit Menschen vor Ort. Wir sind an langfristigen Beziehungen interessiert - und das hat sich bislang auch bewährt.

Wie hat sich das Geschäft mit der Zeit geändert?

Fessey Vieles ist gleich geblieben, weil Fonds immer noch die Grundlage sind. Was sich geändert haben mag, ist die Diversität von rechtlichen Rahmenbedingungen, insbesondere durch die Entwicklung aufgrund von UCITS I und UCITS II, die Einführung von AIFMD und anderer Regulierungen wie MiFID II, Solvency II und so weiter. Regulierungen blieben eines der Schlüsselelemente in der Investmentfonds-Industrie und setzen mehr und mehr Berichte voraus. Die regulatorischen Ansprüche sorgen für Preisdruck und haben die Margen in den vergangenen Jahren gedrückt. Jetzt gibt es komplexere Strukturen, die besondere Fähigkeiten und eine Spezialisierung voraussetzen.

Sie sind in Paris mit einem eigenen Standort. Warum dort?

Fessey Wir haben das gewählt, weil es ein großer Markt ist mit einem großen Kunden vor Ort. EFA France verwaltet 15,7 Milliarden Euro in 210 Fonds. Für uns ist es wichtig, dass wir dort sind, wo unsere Kunden sind. Für weitere Standorte haben wir derzeit keine konkreten Pläne, aber wir halten die Augen offen.

Sie kennen die City gut. Wie macht sich der Brexit in Ihrem Geschäft bemerkbar?

Fessey Wenn britische Unternehmen eine EU-Präsenz wünschen, können wir sie unterstützen. Die meisten zögern, nicht zuletzt, weil Theresa May den Eindruck vermittelt, nach dem Brexit würde sich nichts ändern und weil noch Verhandlungen laufen. Aber niemand weiß, wo die Regierung hin will, offenbar nicht einmal sie selbst. Deshalb haben die meisten Unternehmen Ausweichpläne in den Schubladen, und bis Ende März 2018 werden die meisten über deren Umsetzung entschieden haben.

Sie sind Brite. Wie steht die britische Finanzszene zum Brexit?

Fessey Zunächst einmal ist nicht jeder in der City ein Brexit-Gegner. Viele der Hedgefonds-Manager erinnern sich an die AIFMD als eine Einschränkung ihrer Geschäftstätigkeit - sie könnten also ein Großbritannien außerhalb der EU bevorzugen. Zweitens finden Gespräch für und gegen den Brexit zwischen den Lobbyisten der City und der Regierung statt, aber im Hintergrund, ohne Artikel in den Zeitungen. Drittens scheinen die Ziele für Handelsbeziehungen der britischen Regierung nach dem Brexit für ein unverändertes Geschäft - und damit auch die der City - unvereinbar mit den wichtigsten Grundsätzen des Europäischen Projekts - freier Zugang für Personen, Kapital und Dienstleistungen - sowie der Zugehörigkeit zu EU-Institutionen wie beispielsweise dem EU-Gerichtshof. Die EU will verständlicherweise ihr Projekt fortführen, und es ist nur schwer erkennbar, wie Großbritannien daran teilhaben kann, wenn es ein Drittland wird. Dennoch gibt es noch die Möglichkeit gemeinsamer Kooperationen. Beispielsweise können Manager in Drittländern wie USA, Hongkong, Singa

pur, Japan oder Australien Vollmacht für das Management von in der EU domizilierten Investmentfonds-Portfolios erhalten. Das sollte weiter möglich sein, obwohl ESMA die Vollmachten im Zuge von Brexit erneuert, um den korrekten Ablauf und das Management sicherzustellen. Schwieriger ist es hingegen, sich die Ernennung eines Fondsmanagers in Großbritannien für einen institutionellen Kunden in Europa unter der MiFID-Regelung vorzustellen. Britische Firmen werden den MiFID-Pass in Zukunft nicht erhalten und sie könnten gezwungen sein, neue EU-domizilierte Ersatzprodukte aufzulegen, um die Geschäfte aufrecht zu erhalten.