LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Dreister Kreditkartendiebstahl: Staatsanwaltschaft beantragt fünf Jahre Haft

Am Dienstagmorgen stand Sameh B., ein 32-jähriger Tunesier, wegen Diebstahls, Betrug und Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Taxifahrer vor, illegal in den Besitz von Kontodaten gelangt zu sein, um unberechtigt an das gesamte vorhandene Guthaben einer 35-jährigen Frau zu gelangen. Der Kontoinhaberin war der Diebstahl nicht sofort aufgefallen. Die Bankkundin merkte von alledem erst etwas, als sie die Kreditkartenabrechnung in den Händen hielt.

Karte und Pin aus der Post gestohlen?

Am 2. Mai 2016 wollte sie Geld von ihrem Konto abheben, musste aber feststellen, dass ihr Konto leergeräumt worden war. Sie war Opfer eines Kreditkarten-Betrugs geworden. Der Angeklagte brach am Dienstag in Tränen aus. Er sei kein „typischer Kreditkartenbetrüger“, der „nur seine Schäfchen ins Trockene bringen wollte“, beteuert er. Offenkundig hat er nicht alleine in die eigene Tasche gewirtschaftet. Eigentlich sollte auch der Geschäftsführer einer Bar im Bahnhofsviertel Luxemburg vor Gericht stehen, doch der Mann erschien nicht. Der Geschäftsführer soll ihm die Kreditkarte ausgehändigt haben.

Im April 2016 hatte die Bankkundin eine Kreditkarte bei der Bank angefragt, stellte aber letztendlich fest, dass sie keine Kreditkarte und auch keine PIN erhalten hatte. Der Frau war die Sache schleierhaft. Das Opfer, das in der Bar in der Rue Dicks ein Zimmer bewohnt, konnte gegen das systematische Ausspionieren des Briefkastens nichts unternehmen. Auch weil es üblich war, dass die Briefe vom Taxifahrer in ein Hotel am Bahnhof gebracht wurden. Dort holten dann die Bewohner der Bar ihre Post ab. Ob Karte und PIN zeitgleich im Briefkasten landeten, war nicht zu erfahren. Das Kreditinstitut hat aber nachgewiesen, dass die Kreditkarte und PIN tatsächlich der Bankkundin (durch Ablegen in dem Gemeinschaftsbriefkasten im Nachtlokal) zugegangen waren.

Kreditkarte von einem Dritten bekommen

Vor Gericht bestritt der Taxifahrer keineswegs, dass er Geld anhand der Kreditkarte vom Konto der Frau abgehoben hatte. Allerdings nur 600 Euro und ohne kriminelle Absicht, wie er sagte. Er behauptet weiter, dass der Geschäftsführer der Bar ihm die Kreditkarte inklusive Pin ausgehändigt hatte. So konnte er systematisch über die Konten - ohne Kenntnis der Kontoinhaberin - verfügen. Die Ermittlungen ergaben, dass die Kreditkarte und PIN entweder aus dem Briefkasten oder auf dem Weg zum Hotel entwendet wurden. Mit Karte und PIN sollen genau 854 Euro abgehoben worden sein, keine 600 Euro, wie er behauptet. Die Nebenklägerin beantragte durch ihren Rechtsanwalt eine Gesamtentschädigung von 12.555 Euro.

Die Verteidigerin argumentierte, ihrem Mandanten könne keine Arglist, Vorsatz oder grobes Verschulden zur Last gelegt werden. Er hätte die Kreditkarte von einem Dritten bekommen und das Geld sogar abgeliefert. Die Verteidigerin ist von der Unschuld ihres Mandanten überzeugt. Sie beantragte Freispruch auf der ganzen Linie. Die geforderte Summe von 12.555 Euro verwarf sie mit dem Verweis auf die Unschuld ihres Mandanten.

Bei der Abbuchung konnte der Mann auf Video aufgenommen werden, sagte die Anklagevertreterin. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren sowie eine Geldstrafe, die im Ermessen des Gerichts liegen soll.

Das Urteil wird am 9. Juni gesprochen.