CORDELIA CHATON

Mark Zuckerberg ist mit der Idee, Kommilitoninnen nach Attraktivität zu bewerten, bekannt geworden. Reich wurde er durch die Kontaktplattform Facebook. Aber er will mehr, denn so toll sehen seine Zahlen nicht aus.

Erst Ende Juli stürzte die Aktie ab, als klar wurde, dass der Riese nicht mehr so schnell wächst wie bislang. In nur einem Tag sackte die Aktie um 19 Prozent, was immerhin 102 Milliarden Euro entsprach. Das private Vermögen von Unternehmenschef Mark Zuckerberg schmolz um 16 Milliarden Dollar. Die Aktie lag jedoch immer noch auf dem Niveau von Anfang Mai, als Facebook mit den Folgen eines Datenskandals zu kämpfen hatte.

Doch das will Zuckerberg jetzt vergessen machen. Seine Idee: Bankgeschäfte über Messenger abwickeln. Kunden könnten dann ihre persönlichen Kontoinformationen einsehen. Zuckerberg ist unter Druck. Denn auch Google und Amazon buhlen um die Finanzinstitute – die allerdings die Kunden bei sich halten wollen. Sharing Economy hin oder her: Hier will jeder allein absahnen.

Einige sind schon in großem Stil dabei wie das chinesische Unternehmen We Chat, das auch We Chat Pay anbietet. Damit kann man nicht nur in Shanghai zahlen, sondern auch beim alteingesessenen Kaufhaus Breuninger in Stuttgart. Die wollen die Kunden halten. Ohnehin ist China beim Pay-Geschäft ganz vorn mit dabei: Schon 2016 liefen über 5,5 Trillionen Dollar über Handybezahlung, rund 50 Mal mehr als in den USA. Kein Wunder, dass Zuckerberg ein Stück vom Kuchen will.

Allerdings hat er sich selbst den Ast abgesägt, auf dem er sitzt. Zunächst mal, weil er sich in vielen Wahlen als maskierter Wahlhelfer der Rechten und Rechtsradikalen erwiesen hat, die über Facebook massiv und nachweislich Wahlen in den USA, den Niederlanden, Großbritannien und vielen anderen Ländern beeinflusst haben. Angeblich wusste der Datenriese nie, was er dagegen unternehmen sollte. Dafür sperrt er bis heute aber sofort Seiten, die irgendwie nach nackter Haut aussehen, und seien es nur Kunstwerke. In Europa gab es noch nie so viele rechte Regierungen, was sich 2019 noch bitter bei Abstimmungen zeigen wird. Dann können sie erstmals Entscheidungen des EU-Parlaments blockieren. Dafür trägt Facebook mit Verantwortung.

Und dann war da ja noch die Sache mit Cambridge Analytica. Schon 2015 war klar, dass der Cambridge-Professor Aleksandr Kogan Nutzer-Daten aus einer Umfrage an die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica weitergegeben hatte. Und es war auch gar nicht so schwer herauszufinden, dass diese Firma gern für egal wen arbeitete, Hauptsache gegen harte Währung. In überaus peinlichen öffentlichen Befragungen gab Zuckerberg damals den Ahnungslosen, der nichts gewusst hat.

Ganz ehrlich: Würden Sie so einem, selbst wenn es stimmt, Ihr Geld anvertrauen? Deshalb nützt es nichts, wenn Zuckerberg jetzt einen Bericht des „Wall Street Journal“ über seine Anfragen bei großen Finanzinstituten dementiert. Er hat das Wichtigste verspielt, was man für Bankgeschäfte und Beziehungen braucht: Vertrauen.