LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

„Melody“ von Bernard Bellefroid startet am Mittwoch in den Kinos

Wieso haben Sie mich als Leihmutter ihres Kindes ausgewählt?“. „Es hat mich einfach berührt, dass Sie sich damit einen Friseursalon finanzieren möchten.“ So endet der erste Dialog zwischen Emily (Rachael Blake) und Melody (Lucie Debay) in Bernard Bellefroids neuem Spielfilm, der auf dem Luxembourg City Film Festival seine Premiere feierte und ab kommenden Mittwoch in den luxemburgischen Kinos läuft.

Emily ist ein Alphaweibchen, das bei einer britischen Reederei einen Führungsposten bekleidet und ihr Baby verloren hat, nachdem bei ihr Gebärmutterkrebs diagnostiziert worden war. Die alleine lebende Frau mittleren Alters stößt im Internet auf der Suche nach einer Leihmutter für ihr Kind auf die 27-Jährige Melody, die sich von ihrem Freund getrennt hat, auf der Straße und in Hausfluren lebt und ein paar Euro mit ihrem mobilen Friseurdienst verdient.

Die junge Frau hat sich ein kleines Grundkapital für einen eigenen Salon zusammengespart; um schnell an die ihr noch fehlenden 30.000 Euro zu kommen akzeptiert sie Emilys Leihmutterschaftsangebot.

Wenige Dialoge

Das Spiel der beiden Hauptdarstellerinnen bildet das inszenatorische Rückgrat des Films. Regisseur Bernard Bellefroid arbeitet sehr sparsam mit Dialogen und bedient sich standbildartiger Portrait-Aufnahmen der beiden Protagonistinnen, um die Gegensätze zwischen Leben und Tod zu verbildlichen. Die junge Melody, die einem jungen Wesen das Leben schenken wird steht im Kontrast zu Emily, die am Ende der Schwangerschaft erneut an Krebs erkrankt.

Man kann dem Regisseur vorwerfen, dass er zugunsten des sehr langsamen, aber keineswegs trägen Erzählrhythmus’ des Films auf eine Vertiefung der Biografie der beiden Figuren verzichtet hat. Von Melody erfährt der Zuschauer lediglich, dass ihre eigene Mutter sie als Säugling weg gegeben hat. Die einzigen Bezugspersonen in Emilys Leben scheinen ihr Bruder und dessen Frau zu sein. „Melody“ bietet einen neutralen, unvoreingenommenen Blick auf das Thema „Leihmutterschaft“.
Am 21. April findet im Kino Utopia um 19.00 eine Podiumsdiskussion zum Thema „Leihmutterschaft“ statt. Folgende Gäste haben ihre Teilnahme an der von der Journalistin Annette Duschinger moderierten Runde zugesagt: Viviane Loschetter, Dr. Caroline Schilling, Anik Raskin, Bernard Bellefroid und René Schlechter