LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Bis Samstag bietet das „Aerowaves“-Festival noch viel getanzte Abwechslung

In der Banannefabrik fiel am Dienstag der Startschuss der dritten Auflage des Tanzfestivals „Aerowaves, das im Zweijahresrhythmus vom „Centre de Création Choréographique luxembourgeois“ TROIS C-L und dem Kulturzentrum neimënster organisiert wird. Zwei weitere Festivaltage stehen noch an: der 5. September, also heute, und der 7. September, dann jeweils im neimënster. Entdeckt werden können Projekte von gleich mehreren aufstrebenden Choreografen aus Europa. Genau dieses Ziel steckt nämlich hinter dem Namen „Aerowaves“, womit wiederum ein europäisches Netzwerk gemeint ist, das 1996 gegründet wurde und dem inzwischen 45 Partner aus 33 europäischen Ländern angehören. Die Rolle besteht darin, den „großen Choreografen von morgen“, ein Sprungbrett für die professionelle Karriere zu bieten.

Unterschiedliche Stile und Tendenzen

In jedem Partnerland werden Jahr für Jahr vielversprechende Talente über die Plattform ausfindig gemacht, bevor dann in einem gemeinsamen Auswahlverfahren die interessantesten Projekte ermittelt und am Ende die „Aerowaves Twenty“ zurückbehalten werden, die dann in der darauffolgenden Saison zu verschiedenen Festivals quer durch Europa eingeladen werden. „Dadurch tragen wir zur Mobilität der Künstler bei und helfen ihnen, bekannt zu werden“, bemerkte Bernard Baumgarten, Direktor des TROIS C-L am Dienstagabend bei der offiziellen Eröffnung der luxemburgischen „Aerowaves“-Auflage. Acht Performances zu ganz diversen Thematiken von jungen Choreografen aus allen Teilen Europas wurden diesmal zurückbehalten. Ziel ist es laut neimënster-Direktorin Ainhoa Achutegui, das hiesige Publikum unterschiedliche Tanzstile und Tendenzen entdecken zu lassen. „Größtmögliche Diversität“, lautet die Devise.

Sehr unterschiedlich waren auch die beiden Darbietungen, die an diesem ersten Tag auf dem Programm standen. Den Auftakt machte das Duo Andrea Costanzo Martini und Avidan Ben-Giat mit dem Stück „Scarabeo“, das vom italienischen Choreografen Martini selbst stammt. Dass zeitgenössischer Tanz eine äußerst humorvolle Angelegenheit sein kann, haben die beiden Tänzer, die in ihren Bewegungen perfekt harmonierten, eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die unterhaltsame Performance bot reichlich humoristische Momente. Tempo und Stimmung wechselten beständig, mal fühlte man sich als Beobachter einer aufkeimenden Romanze, mal glaubte man sich inmitten einer zerstörerischen Apokalypse.

Tempowechsel

Das komplette Gegenteil erwartete das Publikum dann bei dem Solo-Stück „Hyperspace“ von dem australischen Choreografen und Tänzer James Batchelor. Er hockte bereits oberkörperfrei auf allen Vieren auf der Tanzfläche, als die Zuschauer den Saal betraten. Regungslos verharrte er in dieser Stellung, bevor sein Körper schließlich zu sanfter Musik in langsamen und unglaublich präzise ausgeführten Bewegungen zum Leben erwachte. Thematisch setzte sich Batchelor mit Fragestellungen rund um die Bedeutung der Maskulinität in unserer heutigen Gesellschaft beziehungsweise mit der Genderfluidität auseinander. Jeder Muskel war angespannt. Sichtlich erforderte diese Choreografie, die sich größtenteils auf die obere Körperhälfte beschränkte, höchste Konzentration während 40 Minuten. Den Lichtkegel verließ er während dieser Zeit nicht.

Erste „Aerowaves“-Künstlerresidenz

Neu ist in diesem Jahr übrigens eine zweiwöchige Künstlerresidenz im neimënster, wo man dieses Angebot ohnehin in Zukunft immer weiter ausbauen will. Aus 17 interessanten Kandidaturen wurde die griechische Choreografin und Tänzerin Sofia Mavragani ausgewählt. Das Ergebnis ihrer Arbeit präsentiert sie heute Abend um 19.00 solo unter dem Titel „Mouth“.

Alle Informationen zum weiteren Programm und Tickets unter danse.lu oder via billeterie[at]neimenster.lu

AEOROWAVES 2019

Das weitere Programm

Im Anschluss an die Performance von Sofia Mavragani steht heute Abend (5. September) die Spanierin Núria Guiu Sagarra mit ihrem Stück „Likes“ auf der neimënster-Bühne, bevor mit dem Trio „Collectif Ès“ aus Frankreich und ihrem Stück „Jean-Yves, Patrick & Corinne“ der zweite Festivaltag zu Ende geht. Das Programm vom 7. September wird ebenfalls ab 19.00 im Stadtgrund geboten. Dann darf sich das Publikum auf „Homo Furens“ vom französisch-portugiesischen Choreografen Filipe Laurenço, performt von Plan-K, freuen, genau wie auf das Mehrpersonenstück „Somiglianza“ der beiden Spanier Mattia Russo und Antonio de Rosa sowie auf „What does not belong to us“ der luxemburgischen Choreografin Sarah Baltzinger.Das weitere Programm