Seit Mitte Dezember 2014 hat Düdelingen mit dem 37-jährigen Dan Biancalana einen neuen Bürgermeister. Ein erstes Mal stellte sich der gelernte Kriminologe dem Wähler 2005 auf der LSAP-Liste und ihm gelang als viert Gewählten der Einzug in den Schöffenrat. Bei den Kommunalwahlen im Oktober 2011 belegte er den zweiten Platz hinter dem ausgetretenen Député-Maire Alex Bodry.
Bis vor der ersten Wirtschaftskrise Mitte der 1970 Jahre war Düdelingen einer der Hauptpfeiler der Schwerindustrie. Wie sieht die Lage heute aus, auch in puncto Beschäftigung?
Dan Biancalana Sicherlich hat Düdelingen wirtschaftlich schwer durch die definitive Schließung des damaligen ARBED-Standortes gelitten. In den Zeiten der Hochkonjunktur waren weit über 3.000 Menschen hier in der Eisenindustrie tätig. Doch zu dem Zeitpunkt des Abbaus und der definitiven Schließung entstanden nationale Industriezonen in Düdelingen (ZI Riedgen) auf Grundstücken, die sich teils auf den Gebieten von Düdelingen sowie der Nachbargemeinde Bettemburg befinden. So liegt das ehemalige WSA-Lager, wo das Logistikzenter entsteht, zu zwei Drittel auf Düdelinger Territorium. Auch der Ausbau des CFL-Multimodial wird sich teilweise auf Düdelinger Gebiet erstrecken.
Wichtig ist auch aus sozialer Sicht, dass im Bereich Spedition und Logistik neben hochqualifizierten Fachkräften auch ein deutlich höherer Anteil an Mitarbeitern ohne spezifische Ausbildung, die es schwer haben auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, nach einer kurzen Formation, in den Arbeitsprozess eingegliedert werden können. Im Laufe der Jahre hat sich Düdelingen von einem Standort der Schwerindustrie zu dem des Dienstleistungssektors entwickelt. Augenblicklich ist das Unternehmen Husky, das in der Industriezone Riedgen aktiv ist, mit insgesamt 830 Arbeitnehmern größter Arbeitgeber in der Gemeinde. Weitere Unternehmen, die sich hier angesiedelt haben sind unter anderem Eurofoil und Ampacet. Interessant ist vor allem, dass verschiedene Unternehmen auch am Standort Riedgen ihre Bereiche Forschung und Innovation ausüben. Es dürften augenblicklich etwa 4.000 Menschen im privaten Bereich eine berufliche Tätigkeit in Düdelingen ausüben.
Was passiert derzeit auf den Industriebrachen?
Biancalana In puncto sozialer Wohnungsbau will der „Fonds du Logement“ auf der Industriebrache der ehemaligen Schlackenhalde auf einem Areal von 30 Hektar das Viertel „Nei Schmelz“ entstehen lassen. Laut Masterplan soll hier eine soziale Mixität entstehen und es könnten bis zu 2.500 Menschen hier leben. Das Viertel soll auch CO2-neutral sein. Man setzt zudem auf innovative Technologien in puncto Energieversorgung. Für die Stadt ist es allerdings eine architektonische Herausforderung, das neue Wohnprojekt in die bestehenden Wohnviertel „Schmelz“ und „Italien“ zu integrieren. Und es gibt noch die Frage der Kosten der Entsorgung zu klären. Desweiteren wird daran gedacht, im Rahmen des Projekts „Nei Schmelz“ am Standort des früheren Walzwerks Raum für die Ansiedlung von Unternehmen zu schaffen.
Wie wird sich Düdelingen in den kommenden Jahren entwickeln?
Biancalana Ein weiteres privates Wohnprojekt für zirka 100 Wohneinheiten, soll im Wohnviertel „Lenkeschléi“ gegenüber den Werkstätten der Stiftung „Kräizbierg“ entstehen. Hier ist gleichzeitig die Errichtung einer neuen Grundschule mit Empfangsstrukturen vorgesehen. Auch besteht die Überlegung „op Helper“, an der A 13 Ausfahrt Büringen, das Projekt „Wohnen und Arbeiten“ umzusetzen und mittelständigen Betrieben die Möglichkeit zu geben, sich hier niederzulassen. Auch besteht ein sektorieller Plan für den Stadtteil „Ribeschpont“, wo jedoch viele Parzellen noch in Privatbesitz sind. Im Stadtkern, am ehemaligen „Post Parkplatz“ entsteht zurzeit das Projekt „Am Duerf“, womit man einer Forderung der Geschäftswelt nachkommen möchte und wo 3.000 Quadratmeter moderne Geschäftsfläche entstehen. Auch haben wir Kontakt mit der Handelskonföderation aufgenommen, um eine Strategie für den wohnortnahen Einzelhandel zu entwickeln .
Sollten alle Projekte realisiert werden, dürfte die Bevölkerung der „Forge du Sud“ in den kommenden 15 Jahren bis auf 25.000 Einwohner steigen. In Düdelingen leben zurzeit über 20.000 Einwohner aus 98 Ländern. Ungewöhnlich ist, dass hier im Vergleich zu anderen Städten im Süden der Anteil an Nicht Luxemburgern bei lediglich 40 Prozent liegt, wobei die Portugiesen mit 23 Prozent den höchsten Ausländeranteil darstellen. Die Bevölkerung soll wachsen, dies aber kontrolliert. Der Bevölkerungszuwachs wie auch das Logistikzentrum und das CFL-multimodal bringen automatisch noch zusätzliches Verkehrsaufkommen mit sich und es müssen hier dringend die vorgeschlagenen Lösungen umgesetzt werden.
Düdelingen hat ja einen regionalen Charakter...
Biancalana Düdelingen ist in der Tat ein „Centre de développement et d’attraction“. Hier haben sich staatliche Institutionen, wie das Staatslaboratorium mit der Gerichtsmedizin, die Arbeitsmarktverwaltung, das Lyzeum Nic Biver und auch das CNA niedergelassen. Des weiteren hat das Kulturzentrum „Op der Schmelz“ einen regionalen Charakter. Allerdings wird dies bei der staatlichen Zuwendung nicht in Betracht gezogen. Es drängt sich eine dringende Reform der Gemeindefinanzen auf!


