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Mehr als 20 Menschen sterben bei Angriff in Syrien - Vereinte Nationen stoppen alle Hilfsgütertransporte

In Syrien ist ein Konvoi des Roten Kreuzes angegriffen worden. Die Fahrzeuge hätten Versorgungsgüter geladen gehabt und seien bombardiert worden, teilte der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland, mit. 

Bei dem Angriff in dem nordsyrischen Ort Orem al-Kubra am Montagabend waren mehr als 20 Zivilisten getötet worden, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und der Syrisch-Arabische Rote Halbmond gemeinsam erklärten. Sie seien ums Leben gekommen, als sie die Hilfsgüter entladen hätten. Ein großer Teil der Lieferung sei zerstört worden. „Der Angriff nimmt Tausenden Zivilisten dringend benötigte Lebensmittel und medizinische Hilfe“, hieß es weiter.

Die Vereinten Nationen stoppten alle Hilfsgütertransporte in dem Bürgerkriegsland. Vor einer Entscheidung über die Wiederaufnahme der Unterstützung für Zehntausende Syrer müsse die Sicherheitslage der UN-Mitarbeiter geprüft werden, erklärte das UN-Büro für Nothilfekoordinierung (OCHA) am Dienstag in Genf. Russland und Syrien dementierten, den Konvoi angegriffen zu haben.

Die syrische Armee hatte am Montagabend die brüchige Waffenruhe nach einer Woche für beendet erklärt. Kurz danach flogen Kampfjets in der Provinz Aleppo und in der gleichnamigen Stadt Dutzende Luftangriffe auf Rebellengebiete, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte. Auch bei dem Angriff in Orem al-Kubra handelt es sich demnach um eine Bombardierung aus der Luft.

Regimegegner machten dafür die syrische und russische Luftwaffe verantwortlich. Das Verteidigungsministerium in Moskau wies die Vorwürfe zurück. „Weder die russische noch die syrische Armee hat einen Luftangriff auf den UN-Konvoi bei Aleppo geflogen“, sagte Generalmajor Igor Konaschenkow. „Wir haben Videoaufzeichnungen geprüft und keine Anzeichen festgestellt, dass die Wagenkolonne von Munition - welcher Art auch immer - getroffen wurde.

Sollte sich herausstellen, dass der Angriff am Montag gezielt erfolgte, wäre dies ein Kriegsverbrechen, erklärte OCHA-Chef Stephen O’Brien laut UN-Angaben in New York. Das humanitäre Völkerrecht verbietet Angriffe auf Nothelfer sowie Hilfstransporte.

OCHA-Sprecher Jens Laerke teilte in Genf mit, die UN hätten für den Hilfstransport alle erforderlichen Genehmigungen sowohl der syrischen Regierung als auch der Rebellen gehabt. Deshalb sei man fest davon ausgegangen, dass die Sicherheit des Transports gewährleistet werde. Dass die Lastwagen dann trotzdem bombardiert worden seien, sei „ein schwarzer Tag für alle humanitären Helfer weltweit“.