LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Schwarz-Weiß-Fotografie ist laut Yvon Lambert poetischer und aussagekräftiger

Farben sind zu geschwätzig: Dieser Meinung war der deutsche Fotograf Robert Häusser (1924-2013), dessen künstlerisches Gesamtwerk ausschließlich aus Schwarz-Weiß-Bildern besteht. Wenn die Farbe als Blickfang fehlt, müssen die Bildinhalte sprechen. Es gilt, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Genau darin liegt auch für Yvon Lambert der Reiz der Schwarz-Weiß-Fotografie. Der Luxemburger Fotograf zeigt sich erfreut, zu diesem Thema befragt zu werden. „Die Schwarz-Weiß-

Fotografie wird in letzter Zeit in Luxemburg etwas in die Ecke gedrückt. Ich habe den Eindruck, dass sie nicht mehr so beliebt oder gefragt ist“, bedauert er, dabei sei beispielsweise seine Ausstellung über Kuba in der Galerie Clairefontaine ein immenser Erfolg gewesen. Dies zeige, dass es noch ein interessiertes Publikum gebe.

Sie fotografieren sowohl monochrom als in Farbe, was bevorzugen Sie?

Yvon Lambert Ganz klar habe ich eine Präferenz für die Schwarz-Weiß-Fotografie. Damit habe ich auch angefangen, Farb-Fotografie kam erst viel später hinzu. Beim Schwarz-Weißen ist es so, dass ich alles von A bis Z selbst machen kann, also vom Fotografieren über die Entwicklung in meiner Dunkelkammer bis hin zum Abzug. Davon einmal abgesehen, bevorzuge ich Schwarz-Weiß-Fotografie, weil es für mich eine viel direktere Art ist, etwas zu sagen. Die Farbe ist oft nur eine schöne Verpackung, ohne die es dem Bild an einer Aussage fehlen würde.

Ist demnach eine größere Überlegung nötig, bevor man den Auslöser betätigt?

Lambert Gedanken im Vorfeld muss man sich immer machen. Ich arbeite nur analog, mit Digital-Fotografie habe ich mich nie befasst. Fotografen, die digital fotografieren, entscheiden oft erst danach, ob sie das Foto nun in Farbe oder Schwarz-Weiß entwickeln. Je nach Motiv muss man dies meiner Meinung nach aber vorher entscheiden. Es gibt Themen, die im Schwarz-Weißen einfach besser funktionieren, weil sie dadurch an Poesie gewinnen, Landschaften zum Beispiel. Genau darum geht es mir: eine gewisse Poetik mit einbringen, etwas rüberbringen und spüren lassen, was über die Elemente, die im Bild zu sehen sind, hinausgeht. Das Licht ist sehr wichtig. Wie man das Negativ später während der Entwicklung beleuchtet, ist auch von Bedeutung.

Sie haben Kuba erwähnt, was ja ein sehr buntes Land ist, dennoch haben Sie Schwarz-Weiß-Fotos gemacht?

Lambert Gerade in einem solchen Land ist die Versuchung groß, mit Farben überladene Bilder zu schießen. Es besteht also das Risiko, dass das Resultat nachher zu exotisch ist. Das trifft auch auf afrikanische Länder zu. Man muss sich die Frage stellen, wie man ein Thema behandeln will, ob man etwas über die Leute und ihre Situation sagen will oder ob es nur darum geht, zu zeigen, wie schön bunt ein Land ist. Was Havanna anbelangt, so war für mich gleich klar, dass dies eine Arbeit im Schwarz-Weißen sein würde, um eben nicht in gängige Klischees zu verfallen und am Ende kitschige Fotos zu liefern. Mir ging es darum, die echte Atmosphäre mit der Kamera einzufangen.

Heute sind ja nur ein paar Klicks nötig, um ein Foto am Computer zu bearbeiten. Sind Sie der Meinung, dass die traditionelle Technik vom Aussterben bedroht ist?

Lambert Wenn ich Photoshop höre, wird mir ehrlich gesagt meist Angst und Bange. Man weiß am Ende nie, ob das fertige Bild noch irgendetwas mit der Realität zu tun hat oder ob es total verändert wurde. Ich liebe diesen kunsthandwerklichen Part, den Kontakt mit dem Papier, zu sehen, wie das Bild langsam zum Vorschein kommt. Natürlich muss man Lust haben, stundenlang im Dunkeln zu sitzen. Die meisten jungen Fotografen, die digital arbeiten, haben das nie gelernt. Es braucht seine Zeit und viel Erfahrung, bis gute Abzüge gelingen. Bislang habe ich zum Glück keine Probleme, das dazu nötige Material, also Filme, Fotopapier und Chemikalien, zu kaufen, wenngleich ich dies in Brüssel tun muss.

Hat die Schwarz-Weiß-Fotografie eine Zukunft?

Lambert Ich hoffe es, aber wie gesagt, in Luxemburg sieht man nur noch wenig Schwarz-Weiß-Fotografie. Einmal wurde mir bei einer Auftragsarbeit zum Thema Landwirtschaft sogar explizit gesagt, sie müsse in Farbe sein, dabei hätte ich Schwarz-Weiß viel poetischer gefunden. Dass dem Fotografen nicht die Freiheit gelassen wird, finde ich dann doch etwas komisch.