LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Fechterin Lis Fautsch trainiert für die Europameisterschaft und Olympia 2020

Ein kleines bisschen Zorro, aber vor allem jede Menge Taktik, Konzentration und körperliche Fitness: Um als Fechter zu bestehen, braucht es eine Menge verschiedener Fähigkeiten. Profisportlerin Lis Fautsch feilt im deutschen Heidenheim an ihrer Technik und bereitet sich dort auch auf zwei wichtige Termine vor: Die Fecht-EM im nächsten Jahr in der Coque und die Olympischen Spiele in zwei Jahren in Tokio. Für Tokio muss sich die Luxemburgerin im April 2020 einen der letzten Startplätze erfechten, weil das Großherzogtum kein eigenes Team aufstellt. Doch bis dahin liegt noch viel Training vor der 31-Jährigen, inklusive Worldcups in Budapest und Dubai und der Weltmeisterschaft in China.

Welche Fähigkeiten braucht es für diesen Sport?

LIS FAUTSCH Es ist ein Mix aus verschiedenen Dingen, vor allem Reaktionsgeschwindigkeit, eine gewisse Fitness, Konzentrationsfähigkeit, diese Kombination macht es interessant, man muss sportlich und trotzdem im Gehirn voll da sein.

Ist es eher Kampfsport oder eher Logiksport?

LIS Eher eine Mischung aus beiden. Fechten wird immer zum Kampfsport gezählt, es ist dem Judo wegen der Taktik sehr ähnlich, allerdings mit dem Unterschied, dass es keinen Körperkontakt gibt, sondern dass der Kontakt nur über die Waffe stattfindet.

Wie läuft so ein Kampf eigentlich ab? Man kennt Fechten ja meist nur aus Mantel- und Degenfilmen.

LIS Es kommt den Zorro-Filmen aus dem Fernsehen schon manchmal nahe. Wir fechten auf einer 13 Meter langen Bahn, es fängt damit an, dass man vom Gegenüber einen Abstand von zwei Meter nimmt und dann beäugt man sich erst einmal. Ich bin schon acht Jahre im internationalen Profisport dabei, daher kenne ich die Gegner meistens schon. Die erste Minute ist also rumgucken, dann greift man an oder provoziert einen Angriff, damit man mit einer Parade einen Trefferversuch starten kann, wobei bei Degen der ganze Körper als Trefferfläche zählt. Treffen beide in einem Doppeltreffer, bekommt jeder einen Punkt und dann stellt man sich neu auf. Weil es Abschnitte gibt, über die man im Kampf nicht hinaus darf, hat man die taktische Möglichkeit, mit Distanzspiel zu provozieren und den Gegner aus der Reserve zu locken.

Ist Erfahrung ein großes Plus?

LIS Auf jeden Fall, die erfolgreichsten Fechter sind um die 30, andere Fechter sind auf Topniveau bis 40 dabei. Erfahrung macht einen in der Stresssituation des Wettkampfs routinierter, das spielt beim Fechten eine große Rolle. Natürlich ist man mit 20 flinker und arbeitet viel über Bewegung, aber die Technik wird mit dem Alter einfach besser.

Du hast auf Deiner Internetseite geschrieben, dass Fechten als Profisport 50.000 Euro im Jahr kostet, bist Du daher nach dem Abschluss in die Sportfördergruppe der Armee gegangen?

LIS Genau, nach der Uni war klar, dass, wenn ich mich weiterentwickeln will, die Armee die einzige Lösung ist. Ich bekomme ein festes Gehalt und bin sozialversichert, durch die finanzielle Lage bei der Armee, durch Unterstützung von Sportministerium und COSL habe ich ein Budget, welches mir die Situation erleichtert. Leistungssport ist teuer, beim Fechten haben wir acht Grand Prix und Weltcups im Jahr, davon nur zwei in Europa und diese Reisen kosten. Erst diese Unterstützung und mein Hauptsponsor ermöglichen mir ein professionelles Training.

Hast Du keine Verpflichtungen in der Armee?

LIS 2011 musste ich über vier Monate die Grundausbildung machen, danach wurde ich freigestellt, um meinen Sport zu machen. Aber ich habe regelmäßige Sport- und Medizintests bei der Armee zu absolvieren, ich muss zudem genaue
Trainingspläne einreichen und mitteilen, zu welchen Wettkämpfen ich antrete.

Dein Training absolvierst Du aber mit dem deutschen Kader am Bundesstützpunkt für Fechten in Heidenheim - wie geht es dort zu?

LIS Die Bedingung der Armee war, dass ich mir einen Stützpunkt im Ausland suche, weil dort die Konkurrenz stärker ist und hier in Heidenheim hat alles sehr gut gepasst, daher bin ich 2012 hergezogen. Im Alltag fange ich um 9.00 mit Athletiktraining an, das können ein Kraft- oder Konditionstraining sein oder auch Übungen für Muskelaufbau, auch Explosivität wird trainiert, jeden Morgen etwas anderes. Mittags um 12.00 habe ich eine Lektion mit meinem Trainer, da gehen wir technische Abläufe durch, etwa, damit ich bei Paraden gerade bleibe. Abends folgen Fechttraining auf Zeit oder bestimmte Aufgaben zum Verhalten in einer bestimmten Situation.

Für dich tauchen wichtige Termine am Horizont auf: Die EM nächstes Jahr in der Coque, Olympia 2020 in Tokio - was erhoffst Du dir?

LIS Viel. Für mich ist die EM etwas, worauf ich mich extrem freue, so ein großes Event daheim ist für mich eine große Motivation, mein Bestes zu zeigen und darauf hinzutrainieren. Aber da spielen viele Faktoren hinein, das habe ich 2017 erfahren: Bei der EM kam ich auf den siebten Platz, bei der WM zwei Monate später wurde ich 100.. Bei der WM war es eine Kopfsache, das muss man abhaken und weitermachen.


Weitere Informationen unter www.facebook.com/lisfautsch