ROOST/BISSEN
CORDELIA CHATON

Luxlait investiert unter Gilles Gerard rund sieben Millionen Euro

Die Molkerei Luxlait investiert. Gerade beschloss der Verwaltungsrat, 4,5 Millionen Euro in eine neue Anlage für konzentrierte Milch zu stecken. In diesem Jahr sind bereits 2,5 Millionen Euro in ein neues Hochregallager mit einer Kapazität von 5.000 Paletten geflossen. Aus diesem Anlass hatte die Direktion unter Generaldirektor Gilles Gerard Premierminister Xavier Bettel zu einem Besuch eingeladen. Bettel war zuletzt vor fünf Jahren auf Roost/Bissen gewesen, wo Luxlait seit 2009 produziert. „Ich nehme täglich Luxlait-Produkte zu mir, Milch, Schmelzkäse, Joghurt mit Aloe Vera und Litschi oder Kochkäse, den ich gern mit Mostert esse“, verriet der gut gelaunte Regierungs-Chef beim Gang durch das neue Lager.

Die Auswahl von Luxlait steigt stetig. „Wir sind ein Nischenplayer“, unterstrich Gerard, der seit einem Jahr im Amt ist und zuvor technischer Direktor der Molkerei unter Ex-Generaldirektor Claude Steinmetz war. „Während große Molkereien pro Produkt eine Fabrik haben, ist das bei uns ganz anders.“ Luxlait stellt rund 350 verschiedene Produkte her, von denen 65 Prozent exportiert werden, unter anderem nach Deutschland, Frankreich, in die Niederlande sowie nach Griechenland und China. Besonders fermentierte Produkte gehören zu dieser Ware.

Auf dem internationalen Markt muss die Luxemburger Molkerei, die rund 320 Personen beschäftigt, sich mit Größen wie Arla, Müller, Friesland Campina oder Lactalis messen. Zum Vergleich: Der französische Lactalis-Konzern setzt über 17 Milliarden Euro jährlich um, während es bei Luxlait rund 100 Millionen Euro sind.

„Daher setzen wir auf Nischenprodukte, die bestimmte Kunden avisieren“, erklärt Gerard. Als Beispiel nennt er „Raibi“, eine vor vier Wochen erstmals produzierte fermentierte Milch mit Grenadine-Geschmack, von der bereits 150.000 Liter verkauft wurden, meist für den Export. Immerhin blickt Luxlait auf eine lange Tradition zurück: Die Molkerei, die 360 Bauern gehört, feiert in diesem Jahr ihren 125. Geburtstag.

Für den Luxemburger Markt kommt es laut Gerard vor allem darauf an, dass die Produkte innovativ, qualitativ hochwertig und zurückverfolgbar sind. Auf dem heimischen Markt kommt das gut an. Der Konsum stieg hier, während er im übrigen Europa um fünf Prozent sank, wie Gerard betonte. Besonders Milch, Butter und Sahneprodukte laufen gut.

Luxlait hat gerade drei neue Schmelzkäse-Sorten unter der Bezeichnung „Crèmes de Chapelain“ auf den Markt gebracht, die sich vor allem an heimische Kunden wenden: Die Geschmacksrichtungen Natur, schwarzer Perigord-Trüffel, Italienische Gewürze und Paprika & Chili wurden in Zusammenarbeit mit der „École d’Hôtellerie et de Tourisme du Luxembourg“ in Diekirch getestet, mit der eine Kooperation besteht. Weitere neue Produkte sind zwei Kefir-Sorten, die bereits auf dem Markt sind, sowie ein geriebener Emmentaler und ein Bierkäse, die im Herbst in die Regale kommen sollen. „Unsere Produkte entstehen häufig auf Anfrage von Kunden“, verriet der Chef dem Premierminister. Seit dem Umzug von der Stadt auf den Roost hat Luxlait rund 13 Millionen Euro investiert. Gleichzeitig verarbeitet die Molkerei mehr Milch. „Seit 2015 sind das etwa 30 Prozent mehr“, sagt Gerard. „Wir sind jetzt bei rund 160 Millionen Liter Milch im Jahr.“ Auch deswegen seien die neuen Investitionen notwendig geworden. Seit Februar 2019 ist Marc Reiners neuer Präsident der Molkerei. Er war zuvor Vorstand. Er sowie die neuen Vizepräsidenten Guy Feyder und Marc Noesen begleiteten Bettel beim Besuch durch die Molkerei. Dabei kam auch die Expo 2020 in Dubai zur Sprache. Luxlait könnte sich gut vorstellen, dort heimische Produkte vorzustellen. Bettel verwies auf die Expo-Beauftragte Maggy Nagel. Hinter verschlossenen Türen besprach er dann noch weitere Themen mit der Direktion der Agrargenossenschaft.