LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Umsatzrekord und Umbau - Rund 100 Mitarbeiter von Entscheidung betroffen - Jobverluste

Tolle Zahlen und schlechte Nachrichten für Luxemburg: So lässt sich die gestern vorgestellte Bilanz der RTL Group zusammenfassen. Denn mit 3,173 Milliarden Euro stieg der Umsatz um 4,2 Prozent auf einen Rekordwert, während der operative Gewinn (EBITA) bei 538 Millionen Euro lag und der Gewinn um satte 21 Prozent auf 443 Millionen Euro kletterte. Doch weder die Zahlen noch die Ankündigung einer neuen Führungsstruktur interessierten die Mitarbeiter in Luxemburg besonders. Ihnen ging es vielmehr um den Umbau des Konzerns. Aus Kostengründen soll das „Corporate Center“ nach Köln verlegt werden, dem mit rund 3.400 Mitarbeitern größten Standort der RTL Group, die insgesamt 4.200 Mitarbeiter in Deutschland beschäftigt. Die in Luxemburg ansässige RTL Group will Geld sparen, um es in den technologischen Ausbau zu stecken, vor allem in Werbetechnologie und Streamingdienste. Dafür will CEO Thomas Rabe so genannte „Overheadkosten“ drücken.

Hundert Mitarbeiter betroffen

Hier in Luxemburg haben bislang rund hundert Mitarbeiter für das „Corporate Center“ der RTL Group in Bereichen wie Revision, Controlling, Marketing oder Kommunikation gearbeitet. Von ihnen sollen 50 ihren Job verlieren, weiteren 35 will man einen Umzug nach Köln anbieten, 15 sollen bleiben. Am Dienstag wurde das Personal allgemein informiert, noch ist nicht klar, welche Personen betroffen sind. Momentan finden Gespräche mit den Sozialpartnern statt, die einige Wochen dauern werden.

Neben der RTL Group gibt es die CLT Ufa, unter deren Dach das TV-, Radio- und Internetangebot läuft, das RTL Lëtzebuerg offeriert. Zwar ist
die CLT Ufa nicht betroffen. Aber bei den Mitarbeitern herrscht trotzdem eine Schock-Stimmung. Viele, vor allem ältere, die sich noch an Radio-Programme auf Englisch, Französisch oder Deutsch - das deutsche RTL Radio wurde vor fünf Jahren nach Berlin verlagert - erinnern, sehen einen schleichenden Abbau durch Rabe, der den Ruf hat, schnell zu entscheiden. Er ist auch CEO der Konzernmutter Bertelsmann.

Die Tatsache, dass RTL Luxemburg ab 2021 als Tochter eines börsennotierten Konzerns jährlich über den Konzessionsvertrag eine staatliche Finanzierungsgarantie von bis zu zehn Millionen Euro erhält, um das auf zwölf bis 13 Millionen Euro jährlich geschätzte Defizit der luxemburgischen Sender decken zu helfen, die eine öffentliche Mission zu erfüllen haben, hat für Unmut gesorgt, nicht zuletzt wegen des TV-Monopols.

Die Kosten der TV-Produktion liegen laut „kress“-Report bei 20 bis 30 Millionen Euro jährlich und lassen sich durch Werbeeinnahmen von rund neun Millionen Euro nicht finanzieren.

Um dem Land weiter ein hochwertiges TV-Programm zu sichern, erhält der TV-Monopolist mit rund 70 Prozent Reichweite durch den Konzessionsvertrag mit der Luxemburger Regierung Staatsgeld. Der Vertrag läuft noch bis 2023.

Viele RTL-Mitarbeiter haben ein mulmiges Gefühl dabei, was dann folgen soll. „Sie haben Angst, dass wenn die Konzernführung nach Deutschland zieht, wir hier zu einer Art Briefkastenfirma mutieren“, fasst CLT Ufa-Personalvertreter Serge Pauly im Gespräch mit dem „Journal“ zusammen. Der OGBL bestätigte die Sorgen in einer Mitteilung Rabe selbst konnte Bedenken in Richtung Staatshilfe nicht verstehen und antwortete auf Frage des „Journal“: „Wir sind Produzent des Programms. Wir trennen die Dinge. Hier geht es nur um Belange des Corporate-Bereichs, das hat nichts mit (dem Programm aus, d. Red.) Luxemburg zu tun.“ Bislang hatte RTL Group eine Verlagerung nach Deutschland dementiert. Premier- und Kommunikationsminister Xavier Bettel teilte mit, er habe Vertrauen in die positive Entwicklung der RTL Group in Luxemburg. Rabe kündigte ein neues „Group Management Committee“ (GMC) an, das sich einerseits aus den Mitgliedern des Vorstands - also Thomas Rabe, Elmar Heggen, Björn Bauer - und anderseits den CEOs der drei größten Geschäftseinheiten der RTL Group zusammensetzt, also Bernd Reichart (CEO der Mediengruppe RTL Deutschland), Nicolas de Tavernost (CEO der Groupe M6) und Jennifer Mullin (CEO von Fremantle). Köln wird demnächst auch zuständig für den Bereich Werbetechnologie, der unter AdTech zusammengefasst wird und für alle EU-Märkte aus Großbritannien arbeitet. SpotX Global wird seine Geschäfte in Europa auch in Zukunft aus dem Vereinigten Königreich steuern. SpotX ist für das globale Geschäft zur Steuerung des Videobereichs zuständig. Hierein soll ebenfalls Geld fließen, ebenso wie in die IT. Strategische Partnerschaften werden geprüft. In Köln wird die TV-Sender-Werbetechnologieplattform „Smartclip“ weiterentwickelt, die sich um den automatisierten Verkauf kümmert.