ANNETTE DUSCHINGER

Was wurde geschrien und getobt, als die Mehrwertsteuererhöhung angekündigt wurde. Nun kam eine Studie zum Schluss: Sie hat nur wenig Einfluss auf die Preise gehabt - sogar noch weniger als gedacht. Zur Kenntnis nehmen sollte man bei dem umfassenden Preisvergleich mit der Großregion auch, dass die Preisunterschiede zwischen Supermärkten innerhalb Luxemburgs größer sind als die Unterschiede zwischen Luxemburg und den Nachbarländern. Was wurde geschrien und getobt über das Sparpaket der Regierung. Mal ehrlich: Hat irgendjemand schon etwas davon mitbekommen? Wurde durch die Reformen, die Blau/Rot/Grün bislang umsetzten, irgendjemandem etwas weggenommen, geht es uns allen objektiv gesehen wirklich so schlecht, dass die defätistische Stimmung im Land gerechtfertigt wäre?

Ermutigt von dem deutlichen Resultat des Referendums spürt nun auch die „Lëtzebuerger Bierger Partei“ Aufwind, die aus einer Facebook-Gruppe hervorging und nun eine „Politik fir de Bierger a mam Bierger zesummen“ machen will. Mit der „Sozial Demokratesch Vollekspartei“ hatte sich ja Ende April schon eine Populistenpartei gegründet, die sowohl rechts als auch links nach des Volkes Stimmen fischen will. Da wird es geradezu eine Wohltat sein, wenn sich am Freitag dann noch „Déi Liberal“ präsentieren werden. Denn die sind dann eher das Pendant dazu: Eine Unpopulistenpartei, die mit dem Anspruch antritt, den Leuten das zu sagen, was sie nicht hören wollen. Was sie gemein haben? Sie reflektieren die Debatte, die sich so sinnbildlich um die Aussagen von Alex Bodry im Anschluss an das Referendum entspann: Auf die Frage, ob es eine Kluft zwischen der so genannten Elite und der restlichen Bevölkerung von Luxemburg gebe, hatte er geantwortet, dass er das nicht so sehe. Es sei aber schon interessant, dass eher jene mit Ja gestimmt hätten, die eine höhere Schulbildung und ein höheres Einkommensniveau aufweisen. Damit zitierte er schlicht aus einer Referendums-Wähleranalyse, doch welchen Shit-storm musste er dafür über sich ergehen lassen, wie heftig war die Reaktion auf das Unwort „Elite“, das gar nicht einmal aus seinem Munde stammte? Dabei kann man den Gewerkschaften zum Beispiel, die sich für das „Ja“ zum Ausländerwahlrecht aussprachen, gar nicht vorwerfen, eine elitäre Empfehlung ausgesprochen zu haben, denn sie basierten sich auf Entscheidungen ihrer Nationalvorstände. Elitäres Denken haben eher die gezeigt, die Tests fordern, um sich geeignet dafür zu zeigen, in den erlauchten Kreis derer eintreten zu dürfen, die in diesem Land wählen und mitsprechen können.

Eine Gesellschaft, die Menschen anfeindet, die Verantwortung übernehmen, die sich in Führungsgremien wählen lassen und die die Bereitschaft zeigen, Entscheidungen treffen wollen oder die durch Fleiß und harte Arbeit zu wirtschaftlichem Erfolg gekommen sind, ist auf dem Holzweg. Sie gräbt sich das Wasser ab, das ihnen blühende Felder beschert. Chillt mal lieber und genießt es, in beispiellosem Wohlstand leben zu dürfen - angesichts von Flüchtlingen, die ihr Leben riskieren, um ein kleines bisschen von unserem Frieden und unserer Sicherheit abzubekommen.