KAISERSLAUTERN
WOLFGANG JUNG (DPA)

Der „Headis“-Trend wird immer beliebter

Es begann als Spaß unter Freunden in der Pfalz - aber wer weiß: Vielleicht endet die Idee von René Wegner ja einmal als Medaillendisziplin bei den Olympischen Spielen. „Eins ist mir wichtig“, sagt Wegner, „das Spiel soll so simpel wie möglich bleiben. Und jeder soll es gleich spielen können.“ Die Rede ist von Headis - der Name setzt sich zusammen aus dem englischen „Head“ für Kopf und dem Wort „Tennis“. Seit das Kopftennis 2006 im Freibad von Kaiserslautern erfunden wurde, hat sich das Spiel rasant entwickelt.

Einer der Höhepunkte dürfte am 23. März „Die 1. Headis Team-WM“ sein, die der Privatsender Pro Sieben als Samstagabendshow ausstrahlt. Daran nehmen sechs Teams teil, die auch aus Prominenten bestehen - zum Beispiel Kai Pflaume, Mario Basler und Tom Beck. Wegner ist als Schiedsrichter dabei. Gespielt wird Headis mittlerweile auch etwa in Tschechien, Argentinien und sogar in der Dominikanischen Republik. Seit 2015 findet zudem jährlich eine Europameisterschaft statt.

Es begann im Schwimmbad

„Das Spiel passt zum Zeitgeist“, meint Wegner, „der Sport geht weg vom Vereinswesen und hin zum Individuellen.“ Der 36-Jährige hat das Ganze entwickelt, seit dem Beginn 2006 im Schwimmbad. „Wir wollten damals Fußball spielen, aber der Platz war belegt. Also sind wir auf die Tischtennisplatten ausgewichen. Und dort hatte ich die Idee, den Ball nur mit dem Kopf zu spielen“, sagt der ehemalige Sportstudent, der damit den Grundsatz des Spiels ziemlich hinreichend erklärt.

Auch bei Veranstaltungen des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB) wird Lob für Headis laut. „Im Prinzip kann jeder Sport erfinden und weiterentwickeln“, sagte etwa Tim Bindel, Professor für Sportpädagogik/Sportdidaktik an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz auf einer Tagung der Dachorganisation. Lehrerinnen und Lehrer sollten mit Kindern kreativ Sport gestalten, um aus starren Formen herauszukommen. „Eventuell entwickelt sich am Ende sogar ein Trend“, meinte Bindel - und nannte Headis als Beispiel.

Eine Breitensportart ist es zwar nicht. Aber von Jahr zu Jahr findet Headis mehr Anhänger. Wer zuschaut, versteht den Boom: Headis ist athletisch, aber auch charmant komisch. Den Kopf stets fast auf Höhe der Tischplatte, laufen beide Spieler von einer Seite zur anderen. Mit dynamischen Nackenbewegungen köpfen sie den etwa 100 Gramm schweren Ball Richtung Gegner. Sie dürfen mit allen Körperteilen die Platte berühren. Schätzungen zufolge spielen es derzeit weltweit rund 100.000 Menschen. „Beinarbeit ist alles“, sagt Wegner und lacht. Aber brummt einem nicht von den ständigen Kopfbällen der Schädel - und schmerzt nicht der Nacken? „Nein“, sagt Wegners Kollege Marcus Reeg (32).

Keine klassische Turniersportart

Der Ball sei viel weicher als etwa beim Fußball, wo es auch oft zum Kopfballspiel kommt. Zudem erreiche der Ball nicht die Geschwindigkeit wie etwa beim Fußball. „Es gibt keinerlei ärztliche Hinweise, dass Headis gefährlich sein könnte“, meint Reeg. „Es ist sicher keine klassische Turniersportart“, sagt Wegner. Zwar gehe es auch um Leistung. „Aber es soll den Lifestyle-Charakter bewahren.“ Längst ist der frühere Freibadsport jedoch nicht mehr nur hip und trendy, sondern auch ein Wirtschaftsfaktor, der mittlerweile Wegner und vier Angestellte der Headis GmbH ernährt. Als Durchbruch sieht Wegner die Münchener Sportmesse Ispo, bei der er 2010 mit der internationalen Sportindustrie in Berührung kam. „Da habe ich gesehen, dass es viel Potenzial hat.“ Heute lässt er die weichen Bälle und stabilen Netze in Asien produzieren. „Natürlich gab es Angebote der Industrie, das Spiel zu übernehmen, aber das hat mich nie interessiert. Headis wächst organisch und gesund“, sagt Wegner. Das Wort „Erfinder“ hört er ungern. „Ich sage nicht: Ich bin der erste, der je Kopfballtennis gespielt hat. Aber ich bin der, der es gemacht und mit Freunden durchgezogen hat“, betont der 36-Jährige. Schon oft habe er gehört, das Spiel gebe es so oder so ähnlich doch sehr lange. „Ich bezweifle das nicht“, meint Wegner, „aber ich habe Energie und Zeit hineingesteckt. Und an der einen oder anderen Stelle hatte ich wohl auch die nötigen Kontakte und das Gespür.“