WOLFSBURG/LUXEMBURG
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VW ruft in die Werkstätten - Nächste Krisensitzung des Konzerns

Im Abgas-Skandal hat VW einen Aktionsplan zur Nachbesserung von Dieselwagen mit manipulierter Software vorgestellt und will fünf Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurückrufen. Die Wagen gehören zur Marke Volkswagen. Die betroffenen Kunden sollen demnächst per Post informiert werden, wenn ihre Diesel-Fahrzeuge nachgebessert werden müssen. VW sprach von „Servicemaßnahmen“. Weitere Einzelheiten nannte der Konzern gestern aber noch nicht.

Europaweit und auch in Luxemburg beschäftigen sich die Behörden mit dem Skandal. Olaf Münichsdorfer vom Infrastrukturministerium bestätigte dem „Journal“, dass es „gerade einen interministeriellen Austausch zu der Frage gibt und die Frage auch auf dem EU-Wettbewerbsrat am Donnerstag diskutiert wird“. Die EU- Kommission prüft derzeit, ob es eine europaweite Untersuchung geben muss. Autos unter dem Konzerndach Volkswagen sind die meistverkauften in Luxemburg.

Volkswagen will Lösung präsentieren

Den zuständigen Behörden wollen der Konzern und seine einzelnen Marken im Oktober die technischen Lösungen vorstellen. Die betroffenen Autos bestimmter Baujahre und Modelle - darunter der Golf sechs, der Passat der siebten Generation oder die erste Generation des Volkswagen Tiguan - sind mit Dieselmotoren des Typs EA 189 ausgestattet. Dass diese Modelle den Motor enthalten, hatte VW bereits am vergangenen Freitag bekanntgegeben.

Die bisherigen finanziellen Rückstellungen wegen des Abgas-Skandals dürften einem Bericht zufolge nicht für die Lösung aller Probleme ausreichen. Dies geht aus einer Antwort von Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch auf entsprechende Fragen bei einer Manager-Versammlung hervor.

Die veranschlagten 6,5 Milliarden Euro sind demnach vor allem für technologische Lösungen und Service-Leistungen vorgesehen. Möglicher Schadenersatz, Anwaltshonorare und andere Kosten kämen obendrauf.

Unterdessen war VW-Markenchef Herbert Diess gestern Abend nach Brüssel gereist, um EU-Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska über den Abgas-Skandal zu informieren. Der Konzern hat die US-Kanzlei Jones Day angeheuert, um eine unabhängige Untersuchung durchzuführen.

Heute Nachmittag steht nach dpa-Informationen erneut ein Krisentreffen des Aufsichtsrats-Präsidiums von VW an, dem nach internen Ermittlungen ein erster Zwischenbericht vorgelegt werden soll. Demnach fiel die Entscheidung zum Einbau der manipulierten Software bereits in den Jahren 2005 und 2006, und zwar in der Motorenentwicklung in der VW-Zentrale. Der damalige VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder und der frühere VW-Markenchef Wolfgang Bernhard hatten nach eigenen Angaben keinerlei Kenntnis vom Einbau der Manipulationssoftware bei Abgastests.

Beide hätten auch keine Entscheidungen zur Entwicklung oder zum Einsatz der Software getroffen, teilten die Manager gestern über die Rechtsanwaltskanzlei Schertz Bergmann mit. Sie könnten dies eidesstattlich versichern.