LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Raus aus der Komfortzone rein in die Technologie lautet das Motto in Luxemburg

Georges Bock ist stolz. 16 Prozent Wachstum des Umsatzes, der jetzt bei 188 Millionen liegt, lautet die Bilanz für 2016. Der ehemalig Managing Partner und jetzige „Head of Tax“ der Wirtschaftsprüfer- und Steuerberaterkanzlei KPMG auf Kirchberg führt das vor allem auf einen Wechsel der Kultur im Haus zurück. Die Tendenz lautet: Raus aus der Komfortzone und rein in die Innovation.

Die Zahlen zum Jahr 2016 können sich sehen lassen. Das Unternehmen beschäftigt 1.522 Mitarbeiter, rund 175 mehr als vor einem Jahr. Bock warnte allerdings davor, Erfolg immer nur an steigenden Mitarbeiterzahlen fest zu machen. „Dieses Paradigma wollen wir durchbrechen“, stellte Bock klar. Darüber hinaus wolle das Unternehmen die Art ändern, wie es Dienstleistungen anbietet.

Nahezu alle Bereiche legten zu. Größter Umsatzträger war mit rund 90 Millionen das Audit, das elf Prozent Wachstum verzeichnete, während der Umsatz im Bereich Steuern um 23 Prozent auf 52 Millionen Euro wuchs. Der Bereich „Advisory“ legte 19 Prozent zu und generierte 46 Millionen Umsatz.

Das Unternehmen setzt auf Innovation - und die ist vor allem technischer Natur. Ein Beispiel ist Fund DLT, die blockchainbasierte Fondsvertriebsstruktur, die KPMG gemeinsam mit Partnern betreibt. „Wir hoffen, dass zahlreiche Akteure aus der Vermögensverwaltung bald diese Technologie übernehmen werden“, erklärte Pascal Denis. Der „Head of Advisory“ verwies auch auf den Anfang des Jahres eingeführten FinTech-Award und die Beteiligung an der LHOFT-Initiative sowie den firmeneigenen Inkubator „The KHUBE“.

Verstärkte Automatisierung

Die Technologie und Industrie 4.0 sind bei KPMG dadurch spürbar, dass eine Reihe von Aufgaben automatisiert werden, insbesondere im Reporting. „Anders als Mitbewerber haben wir keine Mitarbeiter in Indien, sondern nutzen die Technik, um beispielsweise Daten abzugleichen“, erklärte der neue Managing Partner Philippe Meyer. Auch beim Reporting für die Kunden spielt Technologie eine wichtige Rolle. Meyer unterstrich, dass die Mitarbeiter agil sein müssten. KPMG erstellt pro Jahr rund 10.000 von den Aufsichtsbehörden angeforderte AIFMD-Berichte für seine Kunden. „Darüber hinaus bereiten wir Berichte über mehr als 25.000 Portfolios jährlich vor“, betonte Emmanuel Dollé, „Head of Audit“. „Wir brauchen Leute, die mit Daten spielen können.“

KPMG Luxemburg nimmt innerhalb des weltweiten Netzes eine Sonderstellung ein und führt für andere Gesellschaften wie KPMG in Großbritannien oder Irland Aufgaben im Bereich Technologie aus. Die Mitarbeiter dafür sucht KPMG zunehmend in Ost- und Südeuropa. Leute, die Daten analysieren und Geschäftszusammenhänge sehen können, sind rar.

Im ersten Quartal 2017 rechnet Bock damit, dass mehrere britische Firmen ihre Aktivitäten in Luxemburg verstärken werden, möglicherweise aus dem Finanzsektor und dem Bereich alternative Investments. „Es hat sich ausgezahlt, dass wir nicht wie Paris oder Frankfurt versucht haben, uns als neues Finanzzentrum zu verkaufen, sondern Brücken geschlagen haben.“ KPMG hat für mehrere britische Unternehmen Brexit-Studien über Luxemburg erstellt.

Für 2017 bleiben Technologie, Fintech, Automatisierung und künstliche Intelligenz sowie Datenanalyse prägende Begriffe. „Die Geschwindigkeit bei Geschäftsmodellen nimmt zu, ebenso das Reporting und damit verbundene Kosten“, resümiert Denis.