BERLINGERHARD KLUTH

Konzertmeister Georg Kallweit

Im Jahre 1982 gründete sich in Ostberlin die Akademie für Alte Musik (Akamus), die recht schnell weit über die Grenzen der ehemaligen DDR hinaus bekannt wurde. Heute sind die Musiker auf allen Bühnen der Welt zuhause. Vielfach ist die Arbeit von Akamus schon mit Preisen und Anerkennungen ausgezeichnet worden. So wie jüngst mit der Bach-Madaille der Stadt Leipzig. Am 19. Mai ist Akamus zusammen mit Arsys Bourgogne in der Philharmonie zu Gast. Auf dem Programm steht das Oratorium „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn. Im Vorfeld des Konzertes stand Konzertmeister Georg Kallweit dem „Journal“ für ein Gespräch zur Verfügung.

Herzlichen Glückwunsch zur Verleihung der Bach-Medaille durch den Oberbürgermeister der Stadt Leipzig. Was bedeutet für Sie persönlich, aber auch für Akamus diese Auszeichnung?

Georg Kallweit Vielen Dank. Zunächst einmal kam dieser Preis für uns, ebenso wie der Telemannpreis, den wir 2006 erhalten haben, völlig überraschend. Die Bach-Medaille hat für uns einen besonderen Stellenwert, weil seine Musik so etwas wie die Keimzelle unseres Ensembles ist. Bach steht nach wie vor im Zentrum unserer Tätigkeit, auch wenn wir natürlich auch Kompositionen anderer Meister in unserem Repertoire haben. Seine Werke sind für uns eine große Energiequelle, die wir immer wieder anzapfen.

Seit 1982 gibt es Akamus. Gegründet in einer Zeit, als man Alte Musik noch nicht wirklich schätzte und Bach noch mit sattem Strich und breitem Vibrato interpretiert wurde. Was waren die Beweggründe dafür, diese Musik wieder zu entdecken und die Interpretationen zu überdenken?

Kallweit Nun, es war Neugier. Das Musizieren mit dem historischen Instrumentarium war wie das Öffnen einer Wundertüte. Da kam eine ganz neue Klangrede heraus. Diese Erfahrungen lösten eine gewisse Goldgräberstimmung aus, die uns einen Schatz heben lassen wollte, den man so noch nicht gehört hatte.

Am 19. Mai werden sie in der Philharmonie mit der Schöpfung von Joseph Haydn zu hören sein. Gehören dessen Werke noch zum Bereich der Alten Musik?

Kallweit Es ist richtig, dass es bei Johann Sebastian Bach eine gewisse Grenze gibt und mit seinem Sohn Carl Philipp Emanuel, mit Haydn und Mozart etwas Neues beginnt. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass Haydn noch in der barocken Tradition stand. Das können wir an seinen Kompositionen, die ich sehr liebe, ablesen und er hat auch die alten Instrumente gebraucht. Von daher ist auch seine Musik eine Art Wundertüte, wenn sie auf unseren Instrumenten erklingt. Es klingt einfach ganz anders, als wenn ein modernes Sinfonieorchester sie spielt.

Welchen Stellenwert hat für sie die Haydnsche Schöpfung?

Kallweit O, ich liebe dieses Werk. Es klingt auf den ersten Blick so simpel, aber wenn man sich näher damit befasst, dann merkt man, wie filigran es gearbeitet ist. Die einzelnen Stimmen liegen oft so glasklar übereinander, dass jeder kleinste Fehler sofort sichtbar wird. Die Schöpfung ist, wie viele Werke von Haydn, sehr anspruchsvoll. Aber es macht auch großen Spaß, sie zu spielen.