LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Mit Helm, Mörtel und Fingerspitzengefühl: Schüler lernen Berufe auf echter Baustelle kennen

Aus Mörtel und Steinen eine niedrige Mauer bauen, vom Bagger aus mit einem Greifarm ein Rohr an die richtige Stelle platzieren oder für Beton die richtige Mischung zusammenstellen. „Welcher Beruf passt zu mir?“, das ist eine Frage, die Jugendliche früher oder später mehr und mehr umtreibt. Gut 600 Schüler können sich noch bis zum kommenden Donnerstag im „Institut de Formation Sectoriel du Bâtiment“ (IFSB) bei Bettemburg eine Vorstellung davon machen, was es heißt, später mal auf dem Bau zu arbeiten. „Ich hatte gedacht, dass das Steuern eines Kranarmes schwieriger ist“, berichtet der 15-jährige Remo und fügt an, „aber wir haben es einfach über einen Joystick gemacht.“

Das Kennenlernen der Bauberufe ist tatsächlich sehr praktischer Art: In acht Ateliers werden den Jugendlichen einige Tätigkeiten eines bestimmten Berufes vorgestellt, sei es Maurer, Kranführer oder Baugeräteführer. Diese und noch 30 weitere können am IFSB gelernt werden.

Richtige Technik braucht Zeit

Die einwöchige Veranstaltung der „Journées découvertes des métiers de la construction“, an der insgesamt 14 Lyzeen teilnehmen, findet am IFSB bereits zum siebten Mal statt. Dieses Jahr sogar mit 50 mehr Teilnehmern als im Vorjahr: „Diese Möglichkeit, die Bauberufe genauer kennenzulernen, verbreitet sich unter den Lehrern“, sagt Caroline Gontier, Projektchefin von „Génération Future“.

Während eine Gruppe von Jugendlichen eine Pause einlegt, hantiert es einige Meter entfernt mit Wasserwaage und Maurerkelle an einer niedrigen Mauer. Liegen die Steine noch nicht gerade, weil drunter zu viel Mörtel liegt, wird oben ein paar Mal mit dem Hammer daraufgeklopft. „Einige wissen schon, wie es geht, andere fangen bei null an“, sagt Konstruktionsausbilder Mehdi Bensaadi. „Sicher sind viele kleine Fehler in der Mauer, die richtige Technik verlangt eben Zeit zur Perfektion. Das Wichtige ist, dass sie es machen und sie sind stolz drauf.“

Die Schüler sind motiviert bei der Sache und gespannt auf die nächsten Stationen, die sie noch erwarten. Und sie berichten fröhlich von dem, was sie kennengelernt haben. „Beim Sicherheits-Atelier mussten wir einen Eimer von einem Gerüst holen“, sagt die 16-Jährige Marisa. „Wir hatten nur begrenzt Zeit zur Verfügung und sollten auch noch Symbolkarten gefährlichen Stoffen zuordnen“, erzählt die 16-jährige Telma vom „Lycée des Arts et Métiers“ in Dommeldingen. Auch wenn die Jugendlichen auf den Baustellenstationen zu Gast sind, werden ihnen die richtigen Verhaltensweisen direkt beigebracht: „Die Balken ordentlich hinlegen“, ermahnt einer der Ausbilder.

Die Veranstaltung ist nur eine zur Berufsinformation der Jugendlichen: Ende Mai starten am IFSB die „Building Games“, bei denen Jugendliche zu Wettbewerben gegeneinander antreten und eine Studienreise rund um Bauberufe in die Schweiz gewinnen können.

Weitere Details unter www.ifsb.lu