CARLO GUDENBURG

„Aide-soignant“, zu Deutsch Krankenpflegehelfer oder auch Hilfspfleger, ist ein Gesundheitsberuf, für den sich viele Heranwachsende interessieren. Die dreijährige Berufsausbildung wird hierzulande am „Lycée Technique pour Professions de Santé“ (LTPS) angeboten und sie schließt ab mit einem „Diplôme d’aptitude professionnelle“ (DAP). Trotz des großen Interesses für die Ausbildung haben jedoch immer noch viele Menschen eine veraltete und damit unrealistische Vorstellung von dem Beruf an sich.

„Alle im LTPS angebotenen Ausbildungen, so auch die zum Hilfspfleger, zeichnen sich aus durch eine historisch gewachsene enge Zusammenarbeit zwischen der Schule und den Pflegeinstitutionen aus. Die Lehrer begleiten die Schüler während der Praktika, und in der Schule versuchen wir die Ausbildung praxisnah zu gestalten, damit die Schüler Sinn und Zweck der theoretischen Inhalte begreifen. Die individuelle Betreuung der Schüler stellt einen zentralen pädagogischen Ansatz dar. Aktuell sind rund 600 Schüler im LTPS in dieser sehr anspruchsvollen Ausbildung, die meisten davon schließen erfolgreich ab - letztes Jahr rund 130. Dies ist sehr positiv.

Es macht indes Sinn, diesen Beruf einmal in das richtige Licht zu rücken, denn ihm lastet doch nach wie vor ein gewisses abwertendes Image an. Die gesellschaftlichen Vorstellungen sind überholt und gehen bis auf die 80er Jahre zurück. Das berufliche Umfeld des Pflegesektors hat sich aber in den letzten 15 Jahren bedeutend verändert und so auch der Beruf des ,Aide-soignant‘. Der Krankenpflegehelfer trägt heutzutage mehr Verantwortung und arbeitet mit weit mehr Autonomie, als dies früher der Fall war. Wir haben jedoch immer noch mit diesen alten Bildern zu kämpfen. Das liegt teils auch an diesem ,aide‘, das in der Berufsbezeichnung steckt und der Realität nicht mehr entspricht.

Auch die Schüler selbst bringen häufig solche Bilder oder Vorstellungen mit in ihre Ausbildung. Es nimmt dann Zeit in Anspruch, diese Bilder zurechtzurücken, damit die Schüler sich der Verantwortung bewusst werden, die mit der Arbeit an oft hochgradig pflegebedürftigen und schwer kranken Menschen zusammenhängt. Sie müssen deshalb das richtige Verständnis für Krankheiten und Pflegesituationen entwickeln, um korrekt handeln und angepasst reagieren zu können. Die Berufssituation heute entspricht den gesellschaftlichen Repräsentationen überhaupt nicht mehr.

Inzwischen gibt es drei verschiedene Ausbildungsmodelle zum Beruf des ,aide-soignant‘. Die Erstausbildung (,formation initiale‘) der jungen Leute ab 15 oder 16 Jahren ist eine schulische Vollzeitausbildung mit vielen Praktika und läuft insgesamt sehr zufriedenstellend. Dann gibt es zwei weitere Modelle, so jenes ,en cours d’emploi‘ für Personen, die im Pflegesektor arbeiten und die dreijährige Ausbildung, neben ihrer normalen Arbeit, absolvieren. Dieses Modell gibt es seit fast zwölf Jahren und es läuft ebenfalls sehr positiv. Das dritte Modell gibt es seit letztem Jahr und entspricht einem „apprentissage adulte“, demnach einer Lehre für Erwachsene. Dieses Modell wird sich in den nächsten Jahren dann auch bewähren müssen.“