LUXEMBURGSIMONE MOLITOR

Alben, Singles und Videoclips: Die lokale Musikszene war trotz Krise sehr aktiv

Der Kreativität unserer lokalen Musiker konnte auch die Corona-Pandemie keinen Riegel vorschieben. Sie haben uns während dieser Zeit mit etlichen musikalischen Veröffentlichungen beglückt, dies entweder in Form einer thematisch passenden Single, ganzen Alben oder Videos auf Youtube. Während Daniel Balthasar sein ganz persönliches Quarantäne-Album mit dem Titel „The long lost art of getting lost“ vorlegte (wir haben berichtet), hatte Vibrafonist Pascal Schumacher eigentlich vor, seine neue Solo-Platte „SOL“ bei einer Reihe von Konzerten vorzustellen, als der Lockdown ausgerufen wurde und ihm einen Strich durch die Rechnung machte. Nun wurde die Veröffentlichung auf den 5. Juni verschoben. Die Single „Falling Falling“ kommt dafür aber schon am 15. Mai raus. Nachdem sich der Musiker und Komponist durch eine Vielzahl von Gemeinschaftsprojekten mit unterschiedlichen Ensembles einen Namen gemacht hatte, entdeckte er, wie befreiend und sinnvoll ein Soloprojekt sein kann. „Beim Alleinsein habe ich so viel über mich selbst gelernt – mehr als ich mir je hätte vorstellen können“, sagt er selbst.

Zu Ehren des Pflegepersonals

Der luxemburgische Gitarrist Kid Colling hat derweil mit seinem neuen Titel „Helden a Wäiss“ ein Lied als Anerkennung an die medizinischen Fachkräfte in Luxemburg komponiert. „Die Idee dazu kam mir am Anfang der landesweiten Ausgangssperre, als ich mit Freunden redete, die als medizinische Fachkräfte arbeiten. Da erst wurde mir bewusst, unter welchem Druck diese Leute stehen und dass sie es sind, die während der aktuellen Krise an der Front stehen. Dann gibt es noch einen persönlichen Grund. Vor einem Jahr habe ich meinen Vater verloren, und während des ganzen Hin und Hers im Krankenhaus habe ich ihre Arbeit umso mehr schätzen gelernt“, erklärt der Gitarrist.

Als er nach dem Tod seines Vaters dessen Sachen im Krankenhaus abholte, habe er eine Kerze vor der Zimmertür bemerkt. „Diese kleine Geste, so menschlich und empathisch, werde ich nie vergessen. Ich bin der Meinung, dass wir heutzutage die medizinische Pflege als selbstverständlich und ganz normal betrachten, weil das Gesundheitssystem in Luxemburg relativ gut funktioniert. Manche Menschen denken sicherlich, im Pflegesektor zu arbeiten, wäre ein Beruf wie jeder andere. Man darf dennoch nicht vergessen, dass hinter der weißen Uniform, Menschen wie du und ich stecken, die sich aber dazu entschlossen haben, ihre Zeit jenen zu widmen, die schwächer sind. Sie müssen sich jeden Tag mit Lachen und Weinen, Schmerz und Freude, Leben und Tod auseinandersetzen“, weiß Colling. „Ich bewundere diese Menschen und denke, dass sie jeglichen Respekt verdienen und dies nicht nur in Krisenzeiten. Sie sind Helden, Helden unter vielen anderen, aber sie sind unsere Helden in Weiß“´, fügt er hinzu. Zu „Helden a Wäiss“ gibt es auch einen Videoclip.

Kein Hindernis

Auch die Idee für das Projekt „Patient Zero“ wurde in Zeiten der Ausgangssperre geboren und macht deutlich, dass räumliche Distanz kein Hindernis ist, um musikalisch gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Hinter Patient Zero stecken die Musiker Alex Logel, Hammondorgel (Carl Wyatt and the Delta Voodoo Kings), Yves Ditsch, Drums (Carl Wyatt and the Delta Voodoo Kings, Porn Queen, Archie Lee Hooker), Dan Fastro, Bass (Porn Queen, Fred Barreto Group), Elise Nunes, Gesang (Stelise, Heavy Petrol), Ewen Curreli, Gitarre (Blues Bastards) und Steve Richer, Gitarre (Stelise, Heavy Petrol). Eine erste Single mit dem Titel „Wise Man“ wurde bereits mit passendem Videoclip veröffentlicht.

Boyband mit „fresh flavour“

Die Band La Bofia hat vor kurzem ihre Single „Violence“ herausgebracht, die im Rahmen der Einweihung der Unison Studios in einer öffentlichen Live-Recording-Session aufgenommen wurde. La Bofia ist indes ein neues Projekt, das sich aus den luxemburgischen Musikern Joseph Horn, Mathieu Vaudin, Jean Voltaire und Jean-Jacques Gutenksar zusammensetzt und „fresh flavour“ verspricht. Seit ihrem ersten Showcase bei den „Congés annulés“ im letzten Jahr hat die Boyband mit ihrer Popmusik in Luxemburg einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt.

Neuinterpretierung der „Heemecht“

Serge Tonnar und Georges Urwald haben sich die luxemburgische Nationalhymne vorgeknöpft und sie unter dem Titel „Ons nei Heemecht“ neu interpretiert. Der Originaltext von Michel Lentz wurde verändert. Ihre Version sei humanistischer, ökologischer und solidarischer, trotzdem werde ein großer Teil des ursprünglichen Textes beibehalten, heißt es in einer Pressemitteilung. Bereits im Sommer letzten Jahres haben die beiden Musiker rund 20 luxemburgische Lieder aus dem 19. Jahrhundert aufgenommen, denen sie durch Improvisation eine zeitgenössische Note verpasst haben. Das Album „Aus der Heemecht“ kommt am 23. Juni 2020 auf den Markt.

Im Home-Studio gewerkelt

Raftside nennt sich das Solo-Projekt des bildenden Künstlers und Komponisten Filip Markiewicz. Zuletzt hatte er 2017 musikalisch mit der Platte „Empty Star“ auf sich aufmerksam gemacht. Nun hat er mit „We have the sun“ eine neue Single mit Videoclip veröffentlicht. Das Stück hat er integral während der Quarantäne-Zeit in seinem Home-Studio in Hamburg komponiert und produziert. Mit „We have the sun“ kehrt Raftside aka Filip Markiewicz etwas mehr zu seiner Rock-Ader zurück, liefert aber gleichzeitig ein Video mit pop-experimenteller Ästhetik.

Der Künstler, der Luxemburg 2015 bei der Kunstbiennale in Venedig vertreten hatte, wird in den kommenden Monaten eine Reihe Songs mit Clip veröffentlichen. Am Ende steht dann ein ganzes Vinyl-Album. Dieses wird Ende des Jahres in Begleitung eines Buchs mit Zeichnungen sowie einer „Ciné-Concert“-Performance unter dem Titel „Ultrasocial Pop“ erscheinen. Raftside hat Markiewicz derweil bereits während seines Kunststudiums an der Universität Straßburg erfunden, mit dem Ziel, die Geschichte der Kunst und des Rock miteinander zu verbinden. Hauptsächlich beeinflusst durch alternative Rockmusik, Pop Art und das Theater der Volksbühne der 2000er Jahre inspiriert sich Raftside an der Dadaismus-Bewegung und einer gewissen Form des Art-Rock, indem er einen Hybrid-Mix aus Songwriting und Electro-Sampling erschafft. Bei seinen Videoclips achtet der Künstler stets darauf, eine kinematografische Atmosphäre zu schaffen.


Pascal Schumacher „Falling Falling“:

tinyurl.com/PSFallingFalling
Patient Zero „Wise Man“: tinyurl.com/PatientZeroWise
Serge Tonnar & Georges Urwald „Ons nei Heemecht“:

tinyurl.com/NeiHeemecht
Raftside „We have the sun“: tinyurl.com/RaftsideSun
Kid Colling „Helden a Wäiss“: tinyurl.com/HeldenWaiss
La Bofia „Violence“: tinyurl.com/LaBofiaViolence
Daniel Balthasar „Anywhere“:

tinyurl.com/BalthasarAnywhere