FOND-DE-GRAS INGO ZWANK

Faszination „Steampunk“: Was die Teilnehmer bei „Anno 1900“ an ihrer Welt so begeistert

Der Fond-de-Gras im Viktorianischen Zeitalter - „Anno 1900“! Es ist eine originelle Veranstaltung für Erwachsene und Kinder, ja eine eigene Welt, die mit ungewöhnlichen mechanischen Kreationen und überraschenden künstlerischen Kostümen überrascht. Das alte Kraftwerk ist eine perfekte Kulisse für den Viktorianischen Markt, wo passionierte Handwerker handgefertigten Schmuck, originelle Kleidung und Mode-Accessoires anbieten. Und überall findet man die bunten, kreierten und phantasievollen - teils auch recht merkwürdig anmutenden - Kostüme des Steampunks. Doch was ist das genau? Was ist das Faszinierende daran?

Als Steampunk bezeichnet man generell eine literarische Gattung, in der eine zumeist im Viktorianischen Zeitalter angesiedelte virtuelle Geschichte beschrieben wird. Der Ursprung des Steampunk liegt in Romanen von Jules Verne wie „20.000 Meilen unter dem Meer“ oder auch Herbert George Wells‘ „Die Zeitmaschine“ - eine Variante von „ Science-Fiction“. Mit dieser Definition bekommt man zwar etwas Klarheit, aber so richtig passt es noch nicht zu dem, was man im Fond-de-Gras gesehen hat. Literarische Gattung? Warum baut man dann Dinge um? Entwirft Kleidung und Mode? Um 2005 bekam das Genre einen wichtigen Einfluss aus einer ganz anderen Richtung. Auf dem Kunstfestival „Burning Man“ tauchten die ersten Kunstobjekte auf, die das Design der Viktorianischen Zeit mit modernen (und meist technischen) Kunstobjekten verbanden. Das „Maker Movement“, die Erfinder und Bastler des 21. Jahrhunderts, mischten sich unter die Steampunker und verbanden altes Design mit neuer Technik. Das gab Steampunk einen Schwung, der immer noch anhält und auch immer mehr Leute begeistert.

LAURA UND KEN: „Der Kunst freien Lauf lassen“

„Seitdem es hier in Luxemburg die Veranstaltung ‚Anno 1900‘ gibt, sind wir eigentlich mit dabei. Alles hat bei uns, wie bei vielen anderen auch, ganz klein mit nur einer Brille angefangen. Was uns am Steampunk fasziniert, ist der Aspekt, dass man hier der Kunst freien Lauf lassen kann. Und man lernt neue Leute kennen, die dies genauso sehen. Es ist aber auch die Stimmung, das Gesamtbild vom Steampunk. Man kann sich in eine Zeit hineinversetzen, die es eigentlich gar nicht gibt und doch - nicht nur für uns - dann doch ziemlich präsent ist.“

GRÄFIN KLARISSA UND GRAF LUPUS: „Es ist auch ein Lebensmotto“

„Es ist hier wie in einer großen Familie. Im Vordergrund steht ohne Zweifel die Kreativität - und auch ein Lebensmotto: Ich überlege mir vorher, ob ich manche Sachen nicht noch wiederverwerten kann, muss sie dann nicht wegwerfen. Bei uns beiden ist es die Zeitreise ins Viktorianische Zeitalter. Man erfindet sich selbst neu - es macht unheimlich Spaß, dies dann auch mit Gleichgesinnten durchzuleben. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt. Jeder hat so seinen eigenen Stil und man kann die große Freiheit genießen.“

CAROLINA UND CRAZIANO: „Bequemer als Rokoko“

„Seit über 20 Jahren reisen wir nach Venedig. Die Kostüme zum Karneval, das Rokoko, hat uns immer fasziniert und wir haben auch Kostüme selbst geschneidert. Über Bekannte sind wir zum Steampunk gekommen und auch hier schneidern und kreieren wir natürlich selbst - aber vor allem straßentaugliche Sachen. Denn Rokoko ist auch für Männer schon ziemlich anstrengend. Steampunk ist da bequemer. Die Leute sind so sehr natürlich, und hier ist eine super Location und eine super Stimmung. Es macht einfach Spaß.“

LYDIE UND GREGORY: „Freiheit und Kreativität“

„Die Literatur als Basis für Steampunk ist ein toller Reiz. Und diese Literatur gibt einem jeden die absolute Freiheit, seine eigene Person und auch seine eigene Geschichte zu entwerfen. Das ist dann wiederum das Schöne, dass es eine solche Vielfalt im Steampunk gibt, die Möglichkeit, sich selbst zu entwerfen. Das ist die Freiheit und auch die Kreativität. Damit geht dann auch der Respekt gegenüber den anderen Teilnehmern einher. Der Respekt vor dem Kostüm und der jeweiligen Person“