LUXEMBURG
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LIH-Forscher-Team liefert Belege für bislang unbekannte Abwehrstrategie von Brustkrebs

Hoffnung auf neue Ansatzpunkte für die medikamentöse Krebsbehandlung: Forscher des Luxembourg Institute of Health (LIH) haben Abwehrstrategien aufgedeckt, mit denen sich Brustkrebs-Zellen vor den sogenannten natürlichen Killerzellen des Immunsystems schützen.

Wenn Wächterzellen des menschlichen Körpers im Normalfall auf die Tumorzellen treffen, sondern sie Stoffe ab, um die Tumorzellen schnell und effektiv zu zerstören. Diese natürlichen Killerzellen sind Bestandteil des Immunsystems und sprechen auf bestimmte Merkmale der „entarteten“ Zellen an, wenn sie mit ihnen in Kontakt treten. Die Killerzellen geben giftige Substanzen ab, um die Krebszellen zu zerstören, wie das LIH ausführt.

Tumorwachstum wird nicht eingedämmt

Bei diesem Prozess werden im Normalfall die Krebszellen effektiv und schnell vernichtet. Die Forscher des LIH haben aber jetzt die Entdeckung gemacht, dass einzelne Krebszellen eine Art molekularen Schutzschild aufbauen, der sie vor den Immunzellen schützt. Was die Forscher um das Team von Dr. Clément Thomas am LIH herausgefunden haben, ist, dass die Krebszellen eine Überlebensstrategie entwickelt haben, die es ihnen erlaubt, den Angriff der Killerzellen zu überleben.

Die Tumorzellen versuchen, sich mit immer unterschiedlichen Strategien vor den Angriffen durch das Immunsystem zu schützen und dadurch ihr Überleben zu sichern. Was die Forscher entdeckten, ist der Umstand, dass diese Zellen quasi das Immunsystem austricksen, damit das Tumorwachstum nicht effektiv eingedämmt werden kann. Mithilfe komplexer bildgebender Verfahren haben die Forscher das Wechselspiel zwischen Tumor- und NK-Zellen beobachtet, wie es vonseiten des Instituts heißt. „Dabei haben wir die
folgende Entdeckung gewonnen: Einzelne Krebszellen entzogen sich den Angriffen der NK-Zellen durch eine ganz spezielle Abwehrstrategie. Sie bauten einfach ganz schnell das eigene Zytoskelett um. Dieser bislang noch unbekannte, aber ganz grundlegende Prozess, den wir aufgedeckt haben, hilft uns, die Widerstandskraft der Brustkrebszellen besser zu verstehen“, erklärt Teamleiter Dr. Clément Thomas gegenüber unserer Zeitung.

Wird nun dieser Umbauprozess der Krebszelle aber unterbrochen, können die Immunzellen die Krebszellen wieder effektiv eliminieren. Somit gelte es nun, zu verstehen, wie genau die Krebszellen es mithilfe dieses Schutzschildes schaffen, unversehrt zu bleiben.

Abwehrstrategie lahmlegen

Das Forscherteam erhofft sich nun vielversprechende Erkenntnisse und neue Ansatzpunkte für die medikamentöse Krebsbehandlung. „Wir suchen nach Möglichkeiten, die Abwehrstrategie der widerstandsfähigen Krebszellen lahmzulegen.“

Wird das Forschungsprojekt nun fortgesetzt? „Auf jeden Fall“, so Thomas, „wir glauben, dass unsere Ergebnisse ein echtes Potenzial für die Entwicklung neuer therapeutischer Strategien haben.“ So werde unter anderem im Rahmen einer Doktorarbeit weiter geforscht. „Als nächstes suchen wir nach einer Finanzierung für ein Folgeprojekt, um molekulare Ziele zu identifizieren, um das Remodelling des Zytoskeletts in resistenten Krebszellen zu blockieren und eine effektive Antitumor-Immunantwort wiederherzustellen. Damit könnten wir möglicherweise die Wirksamkeit der heutigen immuntherapeutischen Ansätze deutlich steigern. Diese Behandlungsmethoden zielen darauf ab, die Immunabwehr zu stärken, damit der Körper den Krebs aus eigenen Kräften besiegen kann“, sagt Thomas.