PASCAL STEINWACHS

Jetzt ist Donald Trump schon eine Woche „President-elect“, wie in den Vereinigten Staaten der gewählte Präsident bezeichnet wird, der sein Amt aber noch nicht angetreten hat, und immer noch ist nicht so richtig gewusst, was er als zukünftig mächtigster Mann der Welt so alles vorhat, und wen er in sein Team berufen will. Die ersten Namen, die bekannt wurden, lassen jedenfalls zumindest teilweise nichts gutes vermuten. Wird die Ernennung des bisherigen Parteichefs der Republikaner, Reince Priebus, zum Stabschef Trumps noch als versöhnliches Zeichen an das Establishment der Partei interpretiert, so löst die Ernennung des Chefstrategen Stephen Bannon aber eher Angst aus, handelt es sich bei diesem doch um einen seit Jahren offen nationalistisch und auch antisemitisch operierenden Einpeitscher, der am Erstarken der „Tea Party“ maßgeblich mitverantwortlich ist, und die Republikaner weiter nach rechts getrieben hat.

Der Welt, in diesem Fall der internationalen Politik, bleibt trotzdem nichts anderes übrig, als gute Miene zum bösen Spiel zu machen, will sie es sich nicht schon im Vorfeld mit dem designierten Präsidenten verderben, der nicht zuletzt ja immerhin auch vom amerikanischen Volk gewählt wurde, ob man das jetzt gut findet oder nicht. Wie es momentan aussieht, müssen die Politiker in den nächsten Jahren dann auch ganze Berge von Kreide fressen, wollen sie denn irgendwie mit Trump auskommen. Das muss Barack Obama zwar nicht mehr, doch hat dieser die Größe, für Geduld mit seinem künftigen Nachfolger zu werben. Nachdem er diesen noch vor einer Woche als „kläglich unvorbereitet auf den Job“ bezeichnet hatte, machte er nun bei seiner ersten Pressekonferenz nach dem Trump’schen Wahlsieg den Aufruf, dem Mann doch Zeit zu geben.

Weit weniger diplomatisch gibt sich da natürlich der Präsident der EU-Kommission, der sich dieser Tage unter anderem darüber verlustierte, dass Trump während seiner Wahlkampagne Belgien als „wundervolle Stadt“ bezeichnet hatte, aber wenn Juncker Trump zum ersten Mal vorgestellt wird, dann wird er diesen mit Sicherheit genauso herzlich umarmen (auf die Glatze küssen kann er ihn ja nicht), wie er dies auch bei anderen umstrittenen Politikern à la Orban getan hat. So was nennt sich dann wohl Realpolitik.

Für seine Verhältnisse ungewohnt diplomatisch äußerte sich indes Chefdiplomat Jean Asselborn, der seine EU-Kollegen Anfang der Woche in Brüssel dazu aufrief, sich doch bitte am Riemen zu reißen, um außenpolitisch auch in Zukunft Gewicht zu behalten, und nicht zwischen den USA, Russland und China zerrieben zu werden - und als dienstältester Außenminister der EU dürfte Asselborn wissen, wovon er spricht.

Anlass zur Sorge gibt aber nicht nur der zukünftige US-Präsident, sondern auch die Türkei sowie die plötzliche Zuwendung einer ganzen Reihe von ost- und südosteuropäischen Staaten zu Moskau. So sieht Putin vielleicht sympathischer aus als Trump, und hat er in seiner ganzen politischen Karriere mit Sicherheit noch nicht so viel dummes Zeug geredet wie sein zukünftiges US-amerikanischer Pendant, ist aber höchstwahrscheinlich ebenso unberechenbar. Politik machen wird nicht einfacher...