SVEN WOHL

Das Wetter hatte zwar was ganz eigenes im Sinn, aber es ist Winter und Weihnachten wäre schon wieder geschafft. Kaum rückt das Ende des Jahres näher, folgt ein Rückblick auf den Anderen und 2013 war ein bewegtes Jahr. Naja, welches Jahr war es eigentlich nicht? Doch das Gefühl, in ganz besonderen Zeiten zu leben, werden viele dann doch nicht los. Das liegt zumal auch an den zahlreichen Diskussionen, die einfach nicht aufhören wollen. Dabei fällt, passend zur Saison auf, dass es oft um Religion und Staat geht.

Dass wir es da noch relativ gut haben, zeigt auch ein Blick rüber zu den Vereinigten Staaten, wo seit einigen Jahren ein neuer Krieg ausgefochten wird. Nein, es ist nicht der Krieg gegen den Terror oder der Krieg gegen die Drogen, sondern der „War on Christmas“, also der Krieg gegen Weihnachten. Aufgekommen waren der Begriff und die Diskussion, als die „Christmas Trees“ zu „Family“ oder „Holiday Trees“ wurden. Der Begriff „Weihnachten“ wurde also generell durch „Feiertage“ ersetzt und dadurch waren einige total entsetzt.

Der oftmals mit einem Satireformat verwechselte Nachrichtensender „Fox News“ schlägt aus dem Thema Jahr für Jahr neuen Profit und zeigt sich sichtlich empört. Die Verteidigung Weihnachtens vor den bösen Liberalen, die ja sonst nichts im Leben zu tun haben, als sämtliche christlichen Werten zu beschmutzen und aus dem Staat zu verbannen, nimmt da schon mal die merkwürdigsten Formen an. Megyn Kelly, Sprecherin bei Fox News, machte den Zuschauern, vor allem den Kindern, während einer Sendung klar, dass sowohl Santa als auch Jesus weiße Männer waren und dies auch so bleiben soll, egal was Kinder aus anderen Bevölkerungsgruppen davon halten.

Das Problem klang ein wenig irre, aber nach den Diskussionen rund um einen französischsprachigen Kleeschen, der sich nicht mit den luxemburgischen Kindern verständigen kann, fällt einem dann doch auf, wie stark die eigene Identität von diesen Aspekten abhängig gemacht wird. Unterm Strich geht es eigentlich nur noch um eine Kernfrage: „Wer sind wir?“. Der Wahlspruch der Luxemburger „Mir wëlle bleiwen wat mer sinn“ gibt leider keine Antwort darauf, was wir sind, sondern gibt nur an, es sein bleiben zu wollen - was auch immer „es“ eigentlich ist.

Der Kurzgriff geht dann oft genug in Richtung Religion und deshalb sind die Reaktionen auf diese Themen, sei es das Te Deum, der Weihnachtsmann oder der Religionsunterricht in der Schule, relativ emotionsgeladen. Die oftmals als irre verschrienen Amerikaner haben uns gegenüber eigentlich in dieser Hinsicht nur noch in einem Aspekt etwas voraus: Der Inszenierung. Denn was teilweise auf den Leserbriefseiten landet, das könnte sich auch gut auf Fox News machen. Nur vergessen wird dabei immer wieder, dass ein Mehr an Inklusion nicht dazu führt, dass die eigenen Werte verwittern, sondern dafür sorgen, dass eine Kultur toleranter und reicher werden kann. In den Vereinigten Staaten scheint dies eine Mehrheit verstanden zu haben, ergibt sich der Schluss aus der Entwicklung des eigenen Landes. Bleibt die Hoffnung, dass im eigenen Lande nur eine Minderheit besonders laut und grell schreit.