NIC. DICKEN

Der Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt am Montag vergangener Woche sollte, wenn auch die blutigste, doch nicht die einzige Kriegserklärung bleiben, die in den eher beschaulichen Tagen vor Weihnachten in einem EU-Land bekundet wurde. Kurz vor Heiligabend, an dem die weltweite Gemeinschaft der Christen das Fest der Geburt von Jesus Christus in einem erbärmlichen Stall in Bethlehem vor 2016 Jahren feiert, waren nicht alle Angehörigen dieser Religion so versöhnlich und friedfertig gesinnt, wie es der Weihnachtsbotschaft eigentlich entsprechen würde. Ein nicht unwesentlicher Teil der katholischen Kirche in Luxemburg ließ nämlich ihrem Oberhirten, zwei Tage vor dem Fest, eine Gerichtsklage übermitteln, ein einzigartiger Vorfall in der Geschichte des Landes und der Kirche. Man habe zeigen wollen, dass man ernst genommen werden will, so der sendungsbewusste Sprecher der Kläger, der offenbar Probleme damit hat, dass weder das Erzbistum Luxemburg noch der Vatikan, an den man ebenfalls schon mit dem juristischen Anspruch auf materiellen Besitz von Kirchengütern herangetreten war, diesem Einwand stattgeben mochten. Die luxemburgische Kirche hat in den letzten Jahrzehnten einen beträchtlichen Niedergang gekannt, um dessen Ausmaß und Entwicklung sich verantwortungsbewusste Menschen wie Erzbischof Jean-Claude Hollerich und die meisten seiner Mitbrüder auf völlig verständliche Weise Gedanken und Sorgen machen. Die gerade auch von Weihnachten ausgehende Botschaft von einer barmherzigeren, einer gerechteren und großzügigeren Welt und Gesellschaft, verfängt offenbar nicht mehr so, wie es noch vor Jahrzehnten der Fall war. Ist es Zufall, dass gerade der amtierende Papst dieses Anliegen zu einer seiner wichtigsten Prioritäten erkoren und sich damit auch innerhalb der Kirchenführung, in Rom genau so wie an anderen Stätten, nicht nur Freunde gemacht hat?

Jesus soll nicht in einem Königspalast zur Welt gekommen sein, so lehrt uns das Neue Testament, sondern in einem armseligen Stall, seine Lagerstatt sollen nicht weiche Tücher und wärmende Decken gewesen sein, sondern banale Stallstreu, auf der heute noch Vieh gelagert wird, wenn es denn einigermaßen artgerecht behandelt wird. Viele Millionen Menschen auf der Welt haben bis heute nach wie vor nicht diese Alternative. Das wissen Menschen wie Papst Franziskus und Erzbischof Hollerich, und genau das verkennen
oder ignorieren ihre schärfsten Kritiker, denen es offenbar in weitaus größerem Maße um die im kleinen Kreis und abseits der Öffentlichkeit verwalteten Vermögenswerte im Namen des Bethlehem-Säuglings geht denn um die eigentliche Botschaft der seit zwei Jahrtausenden gefeierten Geburt.

Es ist dies nicht der erste Sturm, den diese Botschaft ertragen muss. Aber es könnte, angesichts der Haltung dieser vorgeblichen Vermögensverwalter, in Luxemburg sehr wohl einer der letzten sein.