CORDELIA CHATON

Es gibt kaum etwas Schlimmeres als einen Dealmaker im Weißen Haus. Nachdem Donald Trump die 1.000 US-Streitkräfte aus Nordsyrien abgezogen hat, sehen sich die Kurden dem türkischen Militär ausgeliefert, das denn auch kräftig drauflosschießt. Trump fällt nichts Besseres ein, als die Türken für Chinesen zu halten und Strafzölle zu verhängen, Guthaben einiger türkischer Minister einzufrieren sowie zu drohen, er sei voll darauf vorbereitet, „schnell die türkische Wirtschaft zu zerstören“. So geht er mit Leuten um, die gestern noch Bündnispartner waren. Diese Wechselhaftigkeit führt Trump in immer neuen Konstellationen vor, mal mit Nordkorea, mal mit China, mal mit Europa. Und jetzt mit der Türkei.

Dabei ist es wie immer: Das Chaos, vor dem die Welt steht, hat Trump mal wieder selbst angerichtet in dem Glauben, er wisse alles besser und Politik sei eine Abfolge von Deals.

Jetzt stehen die Kurden mit dem Rücken zur Wand. Die Auswahl an Verbündeten ist rasant gefallen, Europa senkt den Kopf und gibt tantige Ratschläge à la „Kinder, ihr sollt euch doch nicht streiten!“ Da bleibt also noch Baschar-al-Assad. Ausgerechnet der verhassteste Mann und Menschenrechtsbrecher der ganzen Region, ein ausgemachter Diktator und Machtmensch, schickt jetzt seine Truppen, um den Kurden zu helfen. Dafür wird er etwas wollen. Beispielsweise die Unterstützung für seine eigenen Interessen. Die gehen in Richtung Land- und Machtsicherung. Vielleicht will er auch noch seinem Freund Putin entgegenkommen, der ihn so schön unterstützt hat und jetzt neue Positionen auch mit der Waffe verteidigt. Für die Kurden bedeutet das: Sie können vorerst die Träume eines grenzübergreifenden Staates oder auch nur einer autonomen Region beerdigen und müssen sich noch freuen, wenn sie nicht direkt hingemeuchelt werden, womöglich noch unter dem Applaus debiler Fußballfans, die sich von Erdogan prima instrumentalisieren lassen.

Am Ende profitieren ein syrischer Machthaber und der Kreml von Trumps Deal. Das muss dem US-Präsidenten erstmal einer nachmachen: So viel Chaos in so kurzer Zeit.

Derweil leiden Menschen, 190.000 Kurden sind geflohen, viele sterben. Und die, die die ganze Region in Aufruhr gebracht haben, nämlich die Kämpfer des IS, sind aus den Gefängnissen ausgebrochen und können jetzt wieder ihr Unwesen treiben - in der Region oder auch in Europa, das gerade wieder sehr mit sich und dem Brexit beschäftigt ist.

In der Grenzregion, in der die Türkei jetzt Krieg gegen die Kurden führt, ist alles unübersichtlich. Syrische Flüchtlinge wissen nicht, wohin - und sorgen sich um die Unterstützung durch Assads Truppen, die Stellungen einnehmen. Andere haben Angst vor den Angriffen der Türken, die in einer ähnlichen Situation in Afrin auch die Innenstadt und Moscheen beschossen. Russische Truppen inspizieren, was die US-Soldaten im Camp so zu Mittag aßen - und kämpfen.

Und Trump? Beschäftigt sich auf Twitter vor allem mit den Demokraten. Europa schaut weg. Assad reibt sich die Hände. Kriegskoalitionen haben ihm stets geholfen.