LUXEMBURG
SVEN WOHL

Menschenhandel und illegale Immigration suchen sich neue Wege in Krisenzeiten

Die aktuelle Situation rund um das Coronavirus zwingt auch die Kriminalität, neue Wege zu gehen. Für Schmuggler stellen die geschlossenen Außengrenzen der Europäischen Union eine neue Herausforderung dar. Menschenhändler werden in ihrem Vorgehen deshalb aggressiver. Dies stellt Europol in einem gestern veröffentlichten Bericht fest.

Der vierte jährliche Bericht des „European Migrant Smuggling Centre” (EMSC) für das Jahr 2019 detailliert die aktuelle Evolution: So gibt es bei der illegalen Immigration einen Wechsel von den bisherigen Luftwegen hin zu Land- und Wasserwegen. Kleine Boote würden genutzt werden, um Grenzflüsse zu überqueren. Auch Frachter und Güterzüge würden zunehmend im Rahmen dieser Schmuggelaktivitäten genutzt werden.

Weitere Nebeneffekte beinhalten unter anderem einen möglichen Anstieg der sexuellen Ausbeutung. Aufgrund der vorübergehenden Schließung von Infrastrukturen für Prostitution in jenen Ländern, wo diese legal möglich ist, würde die Anfälligkeit von Sexworkern steigen.

Da die Einschränkungen beim Reisen auch die Einstellung von Migranten innerhalb der Landwirtschaft erschwere, würde dies zusätzlich den Schmugglern in die Hände spielen, so das EMSC. Tatsächlich sei die Landwirtschaft bereits im vergangenen Jahr verstärkt in den Fokus der organisierten Kriminalität gerückt.

Erhöhte Anfälligkeit

Wenig überraschend dürfte die Feststellung sein, dass Cyberkriminalität einen Aufschwung erfährt. Um diesen Gefahren zu begegnen, würde man umso mehr Wert auf das Teilen von Informationen bezüglich dieser internationalen Kriminalität legen, schreibt Europols Executive-Director Catherine De Boll in der Pressemitteilung. Die wirtschaftlichen und emotionalen Notlagen von Menschen würden es organisierten Banden zusätzlich erleichtern, eine solche Ausbeutung zu betreiben. Vor allem bei der sexuellen Ausbeutung erwartet das EMSC sich einen Anstieg. In dieser Hinsicht bleibe vor allem Nigeria ein Hotspot im internationalen Menschenhandel. Die örtlichen Behörde würden zudem wenig mit Europol kooperieren, was die Arbeit erschwere, so das EMSC.


Einblick in den Bericht erhalten Sie unter

tinyurl.com/emscjourn