LUXEMBURG
LJ/DPA

UNHCR: Noch nie so viele Flüchtlinge und Vertriebene weltweit

Weltweit gibt es so viele Flüchtlinge und Vertriebene wie nie zuvor in der fast 70-jährigen Geschichte des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR). Ende vergangenen Jahres lebten 70,8 Millionen Menschen fern ihrer Heimat, die vor Gewalt, Konflikten, Verfolgung oder Menschenrechtsverletzungen geflohen waren, wie die Organisation gestern in Genf berichtete. Ein Jahr zuvor hatte das UNHCR die Gesamtzahl noch auf 68,5 Millionen Menschen geschätzt. „Die Daten unterstreichen, dass die Zahl der vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehenden Menschen langfristig steigt“, erklärte der Hohe Kommissar der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, Filippo Grandi.

Neben den Flüchtlingen gibt es weltweit Migranten, die bessere Arbeits- und Lebensbedingungen im Ausland suchen. Ihre Zahl schätzte das UN-Büro für Migration (IOM) 2017 auf 258 Millionen weltweit.
Mehr als die Hälfte der Flüchtlinge war im vergangenen Jahr eigenen Land vertrieben. Fast 30 Millionen waren über Grenzen geflohen, und vier von fünf kamen in Nachbarländern unter, nicht in Europa oder den USA, wie Grandi betonte. Die größte Bürde trügen nicht die westlichen Länder, in denen viele Politiker heute von einer Krise sprächen, die nicht mehr zu bewältigen sei. Reiche Länder haben nach UNHCR-Angaben zusammen 16 Prozent der Flüchtlinge aufgenommen. Ein Drittel der Flüchtlinge weltweit habe Zuflucht in den ärmsten Ländern gefunden.

Grandi kritisierte eine „Krise der Solidarität“. Die Welt sei zunehmend polarisiert: „Der Weltsicherheitsrat kann nicht einmal mehr gemeinsame Positionen finden, wenn es um humanitäre Fragen geht.“

Die Zahl der neuen Asylanträge von Venezolanern ist nach UNHCR-Angaben auf 350.000 explodiert. Das sind mehr als drei mal so viele wie im Jahr davor. Venezolaner machten damit ein Fünftel aller neuen Anträge weltweit aus, und sie waren mit Abstand die größte Asylsuchergruppe, gefolgt von Afghanen und Syrern.

Weltweit die meisten neuen Asylanträge wurden wie im Jahr davor in den USA gestellt, gut 250.000. Auf dem zweiten Platz stand Peru wegen des Andrangs von Venezolanern, gefolgt von Deutschland, so das UNHCR. Hier kamen die meisten neuen Anträge von Syrern, Irakern und Iranern.

Für Hunderttausende Menschen hat sich die Situation aber auch gebessert. So konnten 593.800 Flüchtlinge nach Hause zurückkehren. Weitere 62.600 wurden Staatsbürger des Landes, in dem sie Schutz gefunden hatten. Und 92.400 kamen per Härtefallaufnahme (Resettlement) in ein sicheres Aufnahmeland. Letzteres sind allerdings nur sieben Prozent der Flüchtlinge, für die es aus Sicht von UNHCR dringend eine solche Lösung geben müsste. Hochkommissar Grandi: „In jeder Notsituation muss das Ziel immer sein, dass die Flüchtlinge wieder nach Hause zurückkehren kann. Das ist die ständige Herausforderung für UNHCR. Eine Lösung kann es aber nur geben, wenn alle Länder zusammenarbeiten. Das ist eine der großen Herausforderungen unserer Zeit.“