LUXEMBURG/FRANKFURT/M.
MARCO MENG MIT DPA

Eurozone in der Stagnation

Die Wirtschaftsleistung der Länder in der Eurozone stagniert. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der 18 Staaten mit der Gemeinschaftswährung blieb im zweiten Quartel des laufenden Jahres unverändert gegenüber dem Vorquartal. Das geht ausden jüngsten Zahlen der europäischen Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg hervor.

Die deutsche Wirtschaft, normalerweise ein Wachstumsmotor in Europa, schrumpfte um 0,2 Prozent. Die EU-Kommission sah dies in einer Reaktion im milden Winter begründet. „Zudem sind Exporte weniger stark gewachsen als Importe, so dass der Außenhandel einen negativen Effekt auf das Wachstum hatte“, sagte ein Sprecher. Zugleich seien aber die Ausgaben von Privathaushalten und der Regierung im Vergleich zum ersten Quartal angestiegen. Die meisten Ökonomen gehen jedoch davon aus, dass das Minus von 0,2 Prozent zum Vorquartal ein Ausrutscher ist. Insgesamt seien die Wachstumsaussichten für Europas größte Volkswirtschaft gut. Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer dürfte das Wachstum im zweiten Halbjahr höher ausfallen.

Sorgenkind Frankreich

Paris meldete bereits das zweite Quartal Stagnation. Italien rutschte wieder in eine leichte Rezession, mit minus 0,2 Prozent (nach minus 0,1 Prozent im vorigen Quartal). Vor diesem Hintergrund appellierte Paris erneut an eine europäische Verantwortung für mehr Wachstum. Mit Blick auf die wirtschaftliche Lage in vielen Ländern forderte der französische Finanzminister Michel Sapin eine „umfassende europäische Antwort“. Gleichzeitig räumte der Minister ein, schwaches Wachstum und langsamer Defizitabbau hätten ihre Ursachen in Frankreich. Bis 2017 plant Paris Einsparungen in Höhe von 50 Milliarden Euro. In der Folge des geringen Wirtschaftswachstums rechnet Sapin nun mit einem Defizit von mehr als 4,0 Prozent des BIP. Bisher hatte Paris in 2014 einen Wert von 3,8 Prozent erwartet. Nach den EU-Kriterien von Maastricht darf das Defizit nicht mehr als 3,0 Prozent betragen. Frankreich hat bereits zwei Jahre Aufschub bekommen, um dieses Ziel zu erreichen. Nach bisherigen Planungen will Paris 2015 bei 3,0 Prozent Defizit landen.

Die niederländische Wirtschaft hat sich hingegen im Frühjahr nach einem schweren Rückschlag zum Jahresauftakt deutlich erholt. Im zweiten Quartal ist das BIP um 0,5 Prozent zum Vorquartal gestiegen. Außerdem revidierte die Statistikbehörde den Rückgang im ersten Quartal nach oben. Im ersten Quartal musste die fünftgrößte Wirtschaft des Eurolandes demnach nur ein Minus von 0,4 Prozent verkraften und nicht wie zuvor gemeldet von 0,6 Prozent. Es war dennoch der stärkste Dämpfer seit 2012.Die EU-Kommission sprach insgesamt von einem „gemischten Bild“. Der Sprecher betonte: „Wir haben die fragile Natur des Aufschwungs immer unterstrichen und bleiben dabei, dass das größte Risiko für die Erholung in Selbstzufriedenheit liegt.“

Hoffnungszeichen kamen indes aus zwei krisengebeutelten EU-Staaten: Spanien verzeichnete für das zweite Vierteljahr ebenso wie Portugal ein Wachstum von 0,6 Prozent. Das kräftigste Wachstum in Europa verzeichnete Lettland mit 1,0 Prozent, gefolgt von den Nicht-Euro-Staaten Großbritannien, Ungarn und Litauen. Für Irland, das im Vorquartal mit 2,7 Prozent an der Spitze lag, lagen keine aktuellen Zahlen vor, ebenso für Luxemburg, dessen Wirtschaft im ersten Quartal um 3,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr gewachsen war. In der Europäischen Union insgesamt mit ihren 28 Mitgliedsländern legte die Wirtschaftsleistung um 0,2 Prozent zu.

EZB sieht weiter große Risiken

Die Risiken für die Konjunktur im Euroraum sind nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) weiterhin immens, wie die Währungshüter in ihrem am Donnerstag veröffentlichten Monatsbericht darlegen. Denkbar seien Auswirkungen geopolitischer Krisen auf die Energiepreise. „Zu den weiteren Abwärtsrisiken zählen unzureichende Strukturreformen in den Ländern des Euroraums und eine schwächer als erwartet ausfallende binnenwirtschaftliche Nachfrage“, bekräftigte die EZB. Insgesamt geht die Notenbank jedoch davon aus, dass „die Erholung der Wirtschaft des Euro-Währungsgebiets weiter moderat und uneinheitlich verlaufen wird“. Banken können sich ab September neue Langfristkredite bei der EZB borgen. Die Notenbank will durch diese Maßnahmen die Kreditvergabe ankurbeln, das würde der Konjunktur auf die Sprünge helfen. Allerdings sei die Arbeitslosigkeit im Euroraum nach wie vor hoch, stellt die EZB fest.