LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Solidarität. Dieser Begriff fiel während der Ausgangssperre so oft wie nie zuvor. Zahlreiche solidarische Aktionen wurden gestartet, das Engagement stieg, die Sorge um die schwächeren Mitmenschen wurde größer, und es blieb nicht bei leeren Worten. Als der Kampf um Toilettenpapier, Nudeln und Mehl ausgefochten war, weil auch der Letzte verstanden hatte, dass weder der Hungertod droht, noch von leeren Klorollen eine ernste Gefahr ausgeht, wuchs das Gemeinschaftsgefühl. Die Leute rückten trotz Distanz näher zusammen, und plötzlich war sich nicht mehr jeder selbst der Nächste. Menschen wurden als Helden gefeiert, die ihrer Arbeit wie gewohnt nachgingen. An vorderster Front natürlich das Gesundheitspersonal, ebenso aber auch die Briefträger, die Supermarktmitarbeiter, der Hygienedienst.

Natürlich ist das eine Verallgemeinerung, denn nicht jeder hat sich um die ältere Nachbarin gekümmert oder den Pflegekräften abends vom Balkon aus Applaus gespendet. Dennoch wurde der Begriff Solidarität während des Lockdown zweifelsohne neu definiert.

Der Zusammenhalt wuchs in ganz unterschiedlichen Kontexten, so auch im Kulturbereich, einem Sektor, in dem bislang jeder eher mit sich selbst, beziehungsweise mit dem Programm und den Problemen seines eigenen Hauses beschäftigt war. Als dann plötzlich die ganze Szene in das gleiche Boot katapultiert wurde, war klar, dass nur zusammen wirksam gegen die Corona-Welle angerudert werden kann. Gemeinsam wurde nach Lösungen gesucht, um die Auswirkungen der Krise abzufedern, um betroffene Künstler zu unterstützen und Spielzeiten neu zu organisieren. Dazu wurden Arbeitsgruppen auf die Beine gestellt. Die neuen, unerwarteten Herausforderungen haben letztlich zu einem allgemeinen Umdenken geführt, von dem der Sektor auch in Zukunft noch profitieren kann.

Vieles davon war nicht sichtbar, im Gegenteil, zeitweilig hatte man fast das Gefühl, die Kulturschaffenden hätten sich ihrem Schicksal ergeben, sieht man einmal von den Initiativen im Netz ab. Der Ruf nach finanzieller Unterstützung drang jedenfalls nicht nach außen, vielleicht gerade weil der Austausch mit dem Kulturministerium hinter den Kulissen so gut funktionierte und Hilfsmaßnahmen nicht lange auf sich warten ließen. Erst als das kulturelle Leben nach den Lockerungen langsam wieder zum Leben erwachte, wurde für Außenstehende deutlich, wie viel in der Zwischenzeit passiert war und welche Überlegungen auch später noch ihre Früchte tragen könnten. Auf die Nachhaltigkeit der Produktionen soll mehr Wert gelegt werden, hieß es im Escher Theater. Im Großen Theater wurde von einer „Rentrée“ im Zeichen der Solidarität und Kollaboration gesprochen. Die Solidargemeinschaft innerhalb des „Réseau Luxembourgeois des Centres Culturels Régionaux“ sei noch weiter gewachsen, sagte Präsident Carl Adalsteinsson. Und Claude Mangen brachte es als Vorsitzender der „Theater Federatioun“ konkret auf den Punkt: „Die ganze Krise hat uns als Sektor zusammengeschweißt“.

Reichlich Lob wegen „der großen Solidarität im Kultursektor“ und der ganzen Zusammenarbeit gab es auch von Kulturministerin Sam Tanson. „Darauf müssen wir aufbauen“, sagte sie im „Journal“-Interview. Mittlerweile dürfte das jedem klar sein. Wir müssen dafür sorgen, dass dieser Solidaritätsgedanke die Krise überdauert. Der Impfstoff, der hoffentlich bald gefunden wird, soll nur das Virus ausrotten und nicht die positiven Elemente, die es trotz allem auf der anderen Seite hat gedeihen lassen.